Tom Königs : In Afghanistan bleiben

aus einem interview mit der Welt

Tom Koenigs: Der wichtigste Vertreter der Abzugsdebatte, Barack Obama, hat Afghanistan in besonderer Weise zu seinem Krieg gemacht und er hat den Schutz der Zivilbevölkerung in den Vordergrund gestellt. Das bedeutet aber eben nicht Abzug. Obama will, wie es im Irak geschehen ist, erst die Truppen verstärken und den Gegner zurückdrängen, dann verhandeln und dann die Verantwortung an die Bevölkerung und ihre Regierung übergeben. Dieser Prozess braucht Zeit. Wenn der amerikanische Präsident das Jahr 2011 für den Beginn des Abzugs nennt, dann tut er das für die heimische Klientel. In Deutschland ist es doch nicht anders. Die Abzugsperspektiven, die hier formuliert werden – die Linke will sofort raus, die Grünen bald und die SPD will den Abzug wenigstens vor den USA abgeschlossen haben –, sind ebenfalls der innenpolitischen Debatte geschuldet. Und die ist nicht ausreichend geführt worden.

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