2010-03-03 Echo – Online über Wölfe im Schafspelz

Manfred Forell berichtet in Heppenheim über
rechtsextreme Umtriebe im Kreis Bergsstraße.

HEPPENHEIM

“Der Alltagsrassismus ist in die Mitte
der Gesellschaft vorgedrungen.” Das
war die zentrale Aussage, die Manfred
Forell am Montagabend im Heppenheimer Bistro
Am Eckweg vor rund 50 interessierten Zuhörern
machte. Forell ist katholischer Religionslehrer
an der Bensheimer Geschwister-Scholl-Schule und
Sprecher der ,,Initiative gegen Rechtsextremismus
und Fremdenfeindlichkeit im Kreis Bergstraße”.
Er referierte auf Einladung des Fördervereins
für Demokratie und soziales Engagement Heppenheim
zum Thema

Wölfe im Schafspelz – Rechtsextremismus unter uns

Koordiniert werden die rechten Aktivitäten in der
Region vom in Viernheim ansässigen “Aktionsbüro Rhein-
Neckar”. Wie Forell deutlich machte, erstrecken sich
deren Aktivitäten von Bürstadt und Bensheim im Norden
über Worms, Grünstadt und Neustadt im Westen bis herunter
nach Wörth am Rhein und Walldorf im Süden sowie Sinsheim,
Mosbach und Buchen im Osten.
Am Infotisch der Veranstaltung lag eine neunseitige,
beidseitig beschriebene Liste mit Neonaziaktivitäten
in diesem Gebiet aus. Sie enthält alle Vorkommnisse
des vergangenen Jahres – von Neonazi-Veranstaltungen
über das Verteilen von Flugblättern, Sachbeschädigungen
und schwerer Körperverletzung. Die Liste ist auch auf der
Website der Initiative gegen Rechtsextremismus unter
fremdenfreundlich.de zu lesen.
Als besonders beunruhigend bezeichnete Forell die Versuche
der Neonazis,verstärkt Jugendliche anzuwerben. Das geschieht
unter anderem dadurch, dass auf Schulhöfen kostenlose CDs
mit Songs von rechten Liedermachern verteilt werden, die
- Forell spielte ein paar Lieder vor – eindeutig rassistische und
nationalistische Inhalte verbreiten, aber nicht verboten sind.
Verboten sind dagegen bestimmte nationalsozialistische
Abzeichen und Begriffe,weshalb Neonazis sich mit Zahlencodes helfen.
So steht die Zahl 1 für den ersten, die Zahl 8 für den achten
Buchstaben des Alphabets – woraus sich Kombinationen wie 18
(Adolf Hitler) oder 88 (Heil Hitler) und ähnliches erstellen
lassen. Das geht soweit, dass die Szene-Markenkleidung wie
die von Jonsdale bevorzugt, weil man damit seine Gesinnung zeigen kann,
indem man die jeweils ersten und letzten zwei Buchstaben des Logos
abklebt. Man kleidet sich auch gerne mit schicken Eigenproduktionen,
wie mit denen der rechten Modemarke Thor Steinar.
Um vom schmuddeligen Glatzen- und Springerstiefel-Image wegzukommen und
nicht gleich als Rechte erkannt zu werden besetzen Neonazis auch gerne aktuelle
Themen. Slogans wie ,,Weg mit Hartz IV – das Volk sind wir”, “Umweltschutz ist
Heimatschutz”,”Todesstrafe für Kinderschänder” oder “Stoppt Globalisierung
und Kapitalismus” belegen das.
Sie treten auch gerne als harmlose Bürgerinitiative auf. Dass das durchaus auf
fruchtbaren Boden fällt, zeigen Statistiken. Einer Umfrage unter Erwachsenen
zufolge stimmen 25 Prozent der Hessen ausländerfeindlichen Parolen zu.
Dass diese Haltung auch bei Behörden verbreitet ist, darauf wies ein Besucher
hin, der davon berichtete, dass er vergeblich versucht hatte, das Ordnungsamt
Bensheim dazu zu bewegen, die Parole ,,Freiheit für Zündel” (Zündel ist ein
verurteilter Holocaust-Leugner) in einer Unterführung entfernen zu lassen. Als
schließlich ein unbekannter Künstler die Parole selber notdürftig übermalt und
“Scheiß Nazis” darunter geschrieben hatte, war die neue Parole innerhalb
weniger Tage entfernt worden. Die notdürftig übermalte Nazi-Parole nicht.

quelle: echo online 3.3.2010

zusatzinfo 1das team bauer-forell im interview..10 parolen_10 antworten

zusatzinfo2: was zu kurz kam: die intiative als mobiles interventionsteam

zusatzinfo3: dasversteckspiel.de (über rechten lifestyle, symbole, codes und mehr)

Veröffentlicht in rechtsextremismus, termine 2010 archiv. Kommentare deaktiviert
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