Türkei ruft Botschafter aus Washington zurück
(gefunden bei spiegel online)
Washington – Diese Nachricht klingt für Ankara alles andere als diplomatisch: Trotz scharfer Vorabwarnungen der Türkei bezeichnet ein Ausschuss im US-Kongress die Verfolgung von Armeniern im Osmanischen Reich jetzt als Völkermord.
Der Auswärtige Ausschuss des Repräsentantenhauses stimmte am Donnerstag mit einer knappen Mehrheit von 23 zu 22 Stimmen einer entsprechenden Resolution zu. Die Türkei – Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reichs und wichtiges Nato-Mitglied – hatte zuvor mit massiven Konsequenzen gedroht.
Das Votum könnte eine Krise zwischen Washington und Ankara auslösen. Unmittelbar nach der Abstimmung berief die türkische Regierung ihren Botschafter in den USA, Namik Tan, zu Konsultationen nach Ankara. “Wir verurteilen diese Resolution, die die türkische Nation eines Verbrechens beschuldigt, das sie nicht begangen hat”, erklärte die Regierung in Ankara.
In der nicht bindenden Erklärung fordert der US-Ausschuss Präsident Barack Obama, die “systematische und vorsätzliche Auslöschung von 1,5 Millionen Armeniern klar als Völkermord zu qualifizieren”. Außerdem solle er sicherstellen, dass die Erinnerung an diese Ereignisse im Ersten Weltkrieg Teil der US-Außenpolitik sei.
Zunächst war allerdings unklar, ob die Resolution auch dem Parlamentsplenum zur Abstimmung vorgelegt wird.
Einstufung als Völkermord gegen den Willen der US-Regierung
Je nach Schätzungen kamen 1915/16 zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Armenier im Osmanischen Reich ums Leben. Die Einstufung als “Völkermord” durch den Außenausschuss des Repräsentantenhauses fand gegen den erklärten Willen der US-Regierung statt.
Außenministerin Hillary Clinto habe sich im Vorfeld gegen die Abstimmung ausgesprochen, sagte ein Sprecher im State Department. Das Washingtoner Außenministerium fürchtet sowohl Spannungen im bilateralen Verhältnis der USA zum Nato-Partner Türkei als auch eine Behinderung der jüngsten diplomatischen Annäherung zwischen der Türkei und Armenien.
Ähnlich äußerte sich auch der Sprecher im Weißen Haus, Robert Gibbs. Präsident Barack Obama habe im Vorfeld der Abstimmung mit seinem türkischen Kollegen Abdullah Gill telefoniert. Die Türkei hatte die US-Regierung wiederholt davor gewarnt, das Massaker als “Völkermord” zu klassifizieren. Im Wahlkampf hatte Obama noch angekündigt, als Präsident eben dies tun zu wollen. Dieser Zusage kam er allerdings nicht nach.
Auch die Türkei hatte zuvor versucht, die amerikanischen Parlamentarier umzustimmen. Türkische Politiker waren nach Washington gereist, um Ausschussmitglieder dazu zu bewegen, gegen die Resolution zu votieren. Vertreter türkischer Staatsfirmen riefen zudem Chefs großer Unternehmen in den USA auf, sich gegen die Resolution auszusprechen.
mehr bei spiegel online
lies auch : wikipedia..völkermord und
10.02.2010 BT Drucksache 17/687 / Kleine Anfrage der Abgeordneten Buchholz, Gehrcke, Groth, Liebich und der Fraktion DIE LINKE zum Thema Umsetzung des Bundestagsantrages 15 / 5689 “Erinnerung und Gedenken an die Vertreibungen und Massaker an den Armenier 1915…….
lies aber auch : erklärung des Hakki Keskin (MdB)
einladung zu einem vortrag am 15.3.2010 der türkischen gemeinde rhein main / zum referenten porf justin mc carthy siehe aber auch die äusserst kritische einschätzung bei wikipedia ……lies auch: tagesspiegel : regierung versteckt sich hinter historikern siehe auch tagesschau.de : türkei und armenien schliessen abkommen
mehr zum thema bei NDR – online: Film: Aghet- Ein Völkermord , Besprechung des Films auf dradio und die phoenix – runde zum film (auch als video stream) und SWR 2 Journal





4. Mai 2011 um 09:12
[...] und: http://ffduseh.wordpress.com/2010/03/06/usa-kongress-ausschuss-bezeichnet-verbrechen-an-armeniern-in… [...]
17. November 2010 um 11:11
lesen Sie auch : Wolfgang Gust , Magisches Viereck ,
Johannes Lepsius, Deutschland und Armenien
http://www.armenocide.de/armenocide/armgende.nsf/GuidesView/MagischesViereckDe?OpenDocument
16. November 2010 um 12:24
Aus der Homepage der “Kirche in Not”
http://www.kirche-in-not.de/aktuelle-meldungen/2010/04-23-wer-spricht-heute-noch-von-den-armeniern-interview-rudolf-grulich
Zum Gedenktag an den Völkermord
“Wer spricht heute noch von den Armeniern?”
Über die Ereignisse im April 1915 und das armenische Christentum heute
Kathedrale von Etschmiadsin / Armenien, dem Sitz des Oberhauptes der Armenisch-Apostolioschen Kirche (Katholikos).
Kathedrale von Etschmiadsin, nahe der armenischen Hauptstadt Eriwan.
Der 24. April 1915 ist ein schwarzer Tag in der Geschichte Armeniens. In der Nacht zum 25. April 1915 begann das osmanische Reich an den Armeniern in Anatolien mit einem Völkermord.
Damals wurden etwa 600 Personen, Intellektuelle, Schriftsteller, Journalisten, Geistliche, Rechtsanwälte, Ärzte, Parlamentsabgeordnete und andere, verhaftet und nach Syrien ins Exil geschickt. Nur acht bis zehn von ihnen konnten sich retten, alle anderen wurden geschlagen und ermordet.
In der Folgezeit haben die Türken, unter der Führung des Innenministers Talaat Bey, des Verteidigungsministers Enver Pascha und des Statthalters von Adana, Cemal Bey, alle Armenier aus Anatolien ausgesiedelt und nach Syrien deportiert.
“Während dieser Deportationen in den Jahren 1915 bis 1917 fielen 1,5 Millionen Armenier, das waren etwa die Hälfte der Bevölkerung, der Gewalt, Totschlag, Vergewaltigung, dem Hunger und verschiedenen Krankheiten zum Opfer”, berichtete der Erzbischof der armenisch-apostolischen Kirche in Österreich, Dr. Mesrob Krikorian, auf unserem Kongress “Treffpunkt Weltkirche” 2008 in Augsburg.
Der Historiker Prof. Rudolf Grulich spricht in einem Interview mit KIRCHE IN NOT über den Beginn des Völkermords an den Armeniern vor 95 Jahren und über die Gegenwart des armenischen Christentums in der Türkei.
KIRCHE IN NOT: Herr Professor Grulich, was ist 1915 mit den Armeniern geschehen?
Wir sehen immer nur das Jahr 1915, als am 24. April alle bedeutenden Armenier Konstantinopels, später ganz Kleinasiens und dann alle Armenier praktisch zur Vernichtung bestimmt worden sind. Aber das Ganze hatte schon Vorzeichen: Es gab bereits 1895 und 1896 Pogrome mit Zehntausenden von Toten, und für die Pogrome von 1908 und 1909 bei Adana und in ganz Kilikien muss man mit Hunderttausenden von Toten rechnen.
1915 hat dann Innenminister Talaat Pascha eine “Endlösung” verkündet. Es war Krieg, den westlichen Mächten waren die Hände gebunden und das mit der Türkei verbündete kaiserliche Deutschland hat monatelang nichts getan, obwohl fast alle deutschen Konsulatsbeamten aus allen Konsulaten in der Türkei von Todesmärschen und Massakern berichtet haben.
Als im August des Jahres 1915 die kaiserliche Regierung in Berlin höflich anfragte, was denn an den Gerüchten über die Armeniermassaker wahr sei, telegraphierte der Innenminister kurz und bündig zurück: “Die armenische Frage existiert nicht mehr”. Bis dahin waren schon die meisten Armenier umgekommen.
Das hat dann später besonders Adolf Hitler interessiert …
Ja, Hitler soll bei Vorhaltungen seiner Gefolgsleute, was die Weltöffentlichkeit zum Mord an den Juden sagen werde, noch vor dem Polenfeldzug gesagt haben: “Wer spricht heute noch von den Armeniern?”
Wie weit ist die Türkei mit der Aufarbeitung des damaligen Geschehens?
Das lässt sich nur schwer in kurzen Worten erklären. Auf der einen Seite ist etwa der Roman von Franz Werfel “Die vierzig Tage des Musa Dagh” ins Türkische übersetzt. Im Jahr 2006 ist ein türkisch-englischer Reiseführer über die Gebiete östlich von Ankara erschienen. Da wird auch über das Geschehen von 1915 gesprochen. Es wird aber verharmlost, dass es “Kollateralschäden” im Rahmen des Krieges gewesen seien.
Ich bin aber überzeugt, dass die Türkei dieses Thema auch aufarbeiten wird, da es Ansätze dazu bereits nach dem Ersten Weltkrieg gab.
Wie viele Armenier sind denn ums Leben gekommen?
Es hat damals über zwei Millionen Armenier auf dem Gebiet der heutigen Türkei gegeben. Heute leben höchstens hunderttausend in der Türkei. Wenn man davon ausgeht, dass viele flüchten konnten, muss man trotzdem die Zahl der getöteten Armenier mit über einer Million ansetzen.
“Ein Dorn im rassistischen Auge”
Steckten hinter dem Massaker eher religiöse oder politische Gründe?
Es waren vielleicht nicht nur politische, sondern sogar rassistische Gründe. Die damaligen drei jungtürkischen Führer der Türkei, das Triumvirat von Enver Pascha, Cemal Pascha und Talaat Pascha, wollten das “Türkentum” stärken – und da waren die Armenier in Anatolien und im ganzen Reich für sie ein Dorn im rassistischen Auge.
Dass dieser Rassismus im Vordergrund stand, sehen wir auch daran, dass in den Anweisungen zur Deportation und Vernichtung oft von der “verfluchten Rasse” gesprochen wurde, die man auszurotten habe; und daran, dass man auch andere nichttürkische Gruppierungen, vor allem die christlichen Aramäer und Assyrer, einem Holocaust ausgeliefert hat: Sie hatten über eine halbe Million Opfer von 1915 bis 1918, von denen heute kaum noch jemand spricht – außer die Nachkommen der Opfer in Deutschland, die ja gute Kontakte zu KIRCHE IN NOT haben.
Bedauerlich ist, dass die damalige türkische Führung die muslimische Karte ausgespielt hat und es gelungen ist, nichttürkische muslimische Gruppen auf ihre Seite zu bekommen, leider auch die Kurden und vor allem die Tscherkessen. Gerade diese muslimischen nichttürkischen Minderheiten haben sich bei den Massakern hervorgetan.
Blick auf die armenische Hauptstadt Eriwan, im Hintergrund die beiden Gipfel des Ararat-Massivs.
Wie hat sich denn die folgende türkische Regierung unter Atatürk verhalten, die ja als Wegbereiter der Türkei nach Europa gilt?
Es ist wenig bekannt, dass 1919 ein Kriegsverbrecherprozess in Istanbul gegen Verantwortliche für das Armeniermassaker stattgefunden hat, in dem man die drei Rädelsführer in Abwesenheit zum Tode verurteilt hat. Damals soll Präsident Atatürk gesagt haben: Man hätte diese “Mischpoke” schon vorher aufhängen sollen. Das heißt, er war damals auch für diesen Prozess.
Natürlich stand der Prozess in Istanbul unter dem starken Druck der Sieger. Die Engländer, die in Konstantinopel Truppen hatten, haben den Prozess durchgesetzt. Aber es war ein türkisches Gericht, noch unter dem Sultan, das ihn geführt hat.
Die Hauptkriegsverbrecher, das jungtürkische Triumvirat mit den bereites genannten Enver, Cemal und Talaat Pascha, sind in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden, weil die deutsche Regierung nach Kriegsende diese drei Verbrecher mit einem U-Boot nach Russland und von dort aus nach Berlin gebracht hatte. Sie sind dann in Berlin zum Teil frei herum gelaufen.
“Kriegsverbrecher in türkischer Regierung”
Als dann Talaat Pascha von einem armenischen Studenten, der aus einem Massengrab flüchten konnte, in dem er alle Angehörigen verlor, 1921 in Berlin erschossen wurde und dieser Student vor Gericht stand, da konnten Zeugen und Fachleute Beweise vorlegen, dass es sich um Völkermord gehandelt hat und dass Talaat Pascha einer der treibenden Kräfte war.
Die Türkei und auch Atatürk sind dann umgeschwenkt, als Pläne der Sieger bekannt geworden sind, die restliche Türkei völlig aufzuteilen. Atatürk hat dann später Kriegsverbrecher, die führend bei Massakern beteiligt waren, in die Regierung aufgenommen. Leider!
Sie haben den Roman von Franz Werfel angesprochen “Die vierzig Tage des Musa Dagh”. Worum geht es da?
Der Prager Jude Franz Werfel hat 1929 in Damaskus überlebende Armenier kennen gelernt, die zum Teil unter sehr schlechten Bedingungen in Armut und Not lebten. Er wollte damals, wie er im Vorwort des Romans sagt, “dieses unfassbare Geschehen dem Totenreich des Vergessens entreißen”.
Am Musa Dagh hatten sich 1915 die Armenier gegen die Deportation gewehrt und auf den Berg zurück gezogen, wo sie sich vierzig Tage gegen die Türken verteidigten, ehe sie von einem französischen Kriegsschiff gerettet und nach Ägypten gebracht wurde.
Werfel konnte mit vielen Überlebenden sprechen, hat dann später im Mechitaristen-Kloster in Wien darüber geforscht und dort auch einen Pater kennen gelernt, der am Musa Dagh Zeitzeuge war.
Das Buch “Die vierzig Tage des Musa Dagh” ist ein historischer Roman, in dem eigentlich alles der Wirklichkeit entspricht, nur der Hauptheld des Buches ist erfunden. Deshalb lässt ihn der Autor auch am Ende des Romans umkommen. Ich habe als Student 1966 noch Dutzende Überlebende des Musa Dagh im damals noch jordanischen Jerusalem, aber auch im Libanon und Syrien getroffen und interviewt.
Was ist vom armenischen Christentum in der Türkei heute übriggeblieben?
Der Vertrag von Lausanne von 1923 hat einen Bevölkerungsaustausch zwischen Muslimen aus Griechenland und orthodoxen Christen aus der Türkei geregelt. Aber es gab Ausnahmen für die Christen in Istanbul, auf den Prinzeninseln und auf zwei Inseln am Eingang der Dardanellen. Dort sollten griechische und armenische Christen sowie Juden bleiben können.
Heute leben dort höchstens noch hunderttausend Armenier mit einem Patriarchen und über 50 Kirchen, darunter etwa 40 orthodoxe, zwölf katholische und drei protestantische.
* Der Völkermord an den Armeniern und seine Lehren. Vortrag des Erzbischofs der armenisch-apostolischen Kirche in Österreich, Dr. Mesrob Krikorian
* Ein Berg des sechsten Sinns. Die Bedeutung des Ararat für die Armenier
* Ein arg gebeuteltes Land. Soziale und kirchliche Herausforderungen in Armenien
* Istanbul: Stadt der Ökumene. Über den Dialog des Heiligen Stuhls mit Orthodoxen und Alt-Orientalen
*
* Ausführliches Dossier zum Christentum in der Türkei
* So können Sie die Christen in Armenien und in der Türkei unterstützen
Schlagworte:
Aktuelle Meldungen · Armenien · Eriwan · Gedenktag · Interview · Rudolf Grulich · Türkei · Völkermord
G. Sachinian
2. Vorsitzender des DeESe
Sohn eines Überlebenden DES ARMENISCHEN HOLOCAUSTS
16. November 2010 um 10:25
Ein sehr interessante Artikel über den ARMENISCHEN HOLOCAUST kann man online bei der WELT lesen!
http://www.welt.de/print-welt/article690763/Maenner_Frauen_Kinder.html
Männer, Frauen, Kinder
“Der Armenier ist wie der Jude”: Erinnerung an den Völkermord von 1915
Am 15. März 1921 wurde in der Hardenbergstrasse im Berliner Stadtteil Charlottenburg der einstige Großwesir und osmanisch-türkische Innenminister Talaat Pascha von einem armenischen Studenten namens Salomon Teilirian erschossen. Der Attentäter, unmittelbar nach dem Anschlag festgenommen und zuvor von Passanten halb tot geprügelt, wurde vor Gericht gestellt. Zur allgemeinen Überraschung der Prozessbeobachter wurde er am 3. Juni 1921 vom Berliner Schwurgericht jedoch freigesprochen. Die Richter hielten sich bei der Urteilsfindung an den paradoxen Satz, dass nicht der Mörder sondern der Ermordete an dem Attentat Schuld gewesen sei.
Wenn man wissen will, warum das Urteil so ausfiel, wie es ausgefallen ist, dann muss man sich mit den Beweggründen des Attentäters beschäftigen. Das Motiv für den Anschlag in der Berliner Hardenbergstrasse war, dass Salomon Teilirian sich für die Greueltaten rächen wollte, die auf Veranlassung von Talaat Pascha an der armenisch-christlichen Minderheit im türkisch-osmanischen Reich in der Zeit des Ersten Weltkrieges verübt worden waren.
Im Prozessverlauf erfuhren die Geschworenen, dass alle Mitglieder der Teilirian-Familie bei dem Blutbad getötet worden sind. Zwei Tage, so Salomon Teilirian, habe er nach einem betäubenden Schlag auf den Kopf unter der Leiche seines Bruders gelegen. Er sei dadurch nicht entdeckt worden, habe aber die Verzweiflungs- und Schmerzensschreie seiner Schwestern mit anhören müssen, die von der türkischen Soldateska gequält, vergewaltigt und schließlich getötet wurden.
Zu welchem Zeitpunkt die Vernichtung der Armenier beschlossene Sache war, lässt sich nicht mit letzter Bestimmtheit ermitteln. Angeblich wurde der Genozid, der mehr als eine Million armenischer Männer, Frauen und Kinder das Leben kostete, bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges vorgeplant. Inzwischen aufgetauchte Dokumente aus dem englischen Foreign Office belegen, dass der Beschluß zur Vernichtung keine Kurzschlusshandlung, sondern wohl durchdacht war.
Am 24 April 1915 kam es in Konstantinopel zu Massenverhaftungen hunderter armenischer Intellektueller, die zusammengetrieben, getötet oder in das Innere Anatoliens abtransportiert wurden. Am 27. Mai erließ Innenminister Talaat Pascha den Befehl zur Deportation der Armenier, der eine der größten Katastrophen auslöste, die je über ein Volk hereingebrochen ist. In Artikel 2 des “Provisorischen Gesetzes über die Verschickung verdächtiger Personen” heißt es: “Die Kommandanten der Armeen, Armeekorps und Divisionen können, wenn militärische Bedürfnisse es fordern, die Bevölkerung von Städten und Dörfern, die sie der Schuld des Verrats oder der Spionage für verdächtig halten, dislozieren und in anderen Orten ansiedeln.”
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Dieses Gesetz, das besagte, dass schon allein der Verdacht ausreicht, ein Verräter oder Spion zu sein, war die Grundlage für ein großangelegtes Ausrottungsprogramm. Der Ablauf der vom Militär und den Behörden abgeschirmten Aktionen war meist derselbe: Der Ausschaltung der politischen Führer und der intellektuellen Eliten folgte der Deportationsbefehl und anschließend dessen Durchführung. Die Männer, derer man habhaft wurde, erschoss man meist sofort oder erschlug sie, Frauen und Kinder wurden in bewachten Konvois in Richtung Mesopotamien abtransportiert – wobei häufig jüngere Frauen und Mädchen an Meistbietende versteigert wurden.
Bei den Deportationen im Juni, Juli und August 1915 wurden die Menschen gnadenlos wie Vieh durch die glühendheißen baum- und wasserlosen Gebirgstäler Anatoliens getrieben. “Die Wanderzüge”, kann man bei Johannes Lepsius nachlesen, “waren Monate unterwegs, schlecht oder gar nicht ernährt, von angeworbenen Tschettäs und Kurdenbanden überfallen, getötet, geschändet, misshandelt, durch Hunger und Krankheit aufgerieben.” Geschätzt wird, dass von den Deportierten nur knapp ein Drittel das Verschickungsziel, die Ränder der arabischen Wüste, erreichte.
Die Deportationsmaßnahmen dienten eindeutig dem Ziel der Vernichtung. Selbst am Ende des Todesweges ließ man den Deportierten-Karawanen keine Ruhe, sondern trieb sie wochenlang im Kreis herum und ließ sie an Hunger und Seuchen krepieren.
Ein häufig nicht beachteter Aspekt bei der Verfolgung der armenischen Christen war die von den Behörden betriebene Politik der Zwangsislamisierung. Die Vorgänge erinnern an die Zwangstaufen der Juden im 15. Jahrhundert in Spanien. Wer dort nicht zum Christentum übertrat, starb den Tod auf dem Scheiterhaufen. Ähnlich war die Politik der Behörden in der Türkei, die in ihrem Wahn ganz Anatolien islamisieren zu wollen, christliche Kirchen schlossen, Priester und Prediger töteten oder deportierten. Wer sich für einen Übertritt zum Islam entschied, hatte andererseits mit einem äußerst bürokratischen Verfahren zu tun, in dem der Ablauf des Übertritts minutiös geregelt war. Der Eingabe folgte die Genehmigung, dann die Namensveränderung und schließlich die Beschneidung.
Es waren die irritierenden Nachrichten von den Zwangsbekehrungen, die deutsche Proteste auslösten. Graf Wolff Metternich, Botschafter in außerordentlicher Mission, war in dieser Angelegenheit wiederholt bei der Pforte vorstellig: “So sehr es auch zu beklagen ist”, bemerkte er in einem Schreiben, “dass es uns nicht gelungen ist, die Armenierpolitik der Pforte in andere Bahnen zu lenken, so haben andererseits weder unsere Feinde noch die Neutralen ein Recht, uns daraus einen Vorwurf zu machen …”
Die in dieser Bemerkung unterschwellig mitklingende Frage war die, ob das Deutsche Reich nicht vielleicht doch mit verantwortlich gemacht werden müsse für den Genozid an den Armeniern. Tatsache ist, dass im Ersten Weltkrieg das Osmanische Reich der wichtigste Bündnispartner der Deutschen gegen die Russen war. Und Tatsache ist auch, dass Hunderte deutscher Offiziere im Dienst der Türkei gestanden und einige von ihnen an der “Planung und Durchführung” der Deportationen teilgenommen haben.
Der USPD-Abgeordnete Karl Liebknecht, der im Reichstag die “Kleine Anfrage” stellte, ob der Reichsregierung bekannt sei, dass die armenische Bevölkerung zu Hunderttausenden von ihren Wohnsitzen vertrieben und niedergemetzelt worden sei, wird von diesen Verwicklungen geahnt haben. Nicht gewusst haben dürfte er aber, dass deutsche Offiziere, so Colmar Freiherr von der Goltz oder ein gewisser Oberstleutnant Boettrich, die Deportationsmaßnahmen mitgeplant und sogar an diesen mitgewirkt haben. Sonst wäre seine Anfrage vermutlich dringlicher ausgefallen.
In der Antwort auf die von Karl Liebknecht eingereichte Anfrage erklärte der Vertreter des Auswärtigen Amtes, dem Reichskanzler sei zwar bekannt, dass, “durch aufrührerische Umtriebe unserer Gegner veranlasst, die armenische Bevölkerung bestimmter Gebietsteile des türkischen Reiches ausgesiedelt und ihr neue Wohnstätten angewiesen” worden seien. Weitere Auskünfte könnten jedoch nicht gegeben werden, da es sich um eine “innertürkische Verwaltungsangelegenheit” handle.
Bezeichnend für das vorurteilsgeladene Denken, das bei deutschen Politikern und Militärs jener Jahre herrschte, ist eine Bemerkung des Generals Fritz Bronsart von Schellendorf, damals Chef des osmanischen Feldheeres in Istanbul. “Der Armenier ist wie der Jude”, bemerkte er Anfang 1919, “außerhalb seiner Heimat ein Parasit, der die Gesundheit des anderen Landes, in dem er sich niedergelassen hat, aufsaugt. Daher kommt auch der Hass, der sich in mittelalterlicher Weise gegen sie als unerwünschtes Volk entladen hatte und zu ihrer Ermordung führte.”
Die Verantwortung für den Genozid an den Armeniern zu übernehmen, hat sich die Türkei bis heute geweigert. Nach offizieller Lesart war die Deportation der Armenier eine als legitim anzusehende Maßnahme im Kriege. Bis heute bestreitet die Türkei, dass es überhaupt zu einer nennenswerten Zahl von Morden an Armeniern gekommen ist. Wer in der heutigen Türkei an den Armeniermord erinnert, muss damit rechnen, dass er wegen “öffentlicher Herabsetzung des Ansehens der türkischen Nation” vor Gericht gestellt und zu einer Haftstrafe bis zu fünf Jahren verurteilt wird.
Nicht minder skandalös ist die Tatsache, dass Regierungen und Parlamente anderer Staaten aus wirtschaftlichen, militärischen oder geostrategischen Überlegungen zu dem einstigen Völkermord schweigen. Dazu gehört leider auch der Staat Israel. Immerhin haben in den letzten Jahren aber rund ein Dutzend Staaten in aller Welt den Völkermord an den Armeniern anerkannt. Es fällt auf, dass der deutsche Bundestag, obgleich in den letzten Jahren eine Reihe von Anträgen gestellt wurden, es bis heute vermieden hat, eine entsprechende Resolution zu verabschieden. Der Grund dafür dürfte sein, dass zum einen die Türkei Nato-Partner ist, den man nicht verprellen will; zum anderen glaubt man, dass man Rücksichten auf die zwei Millionen in Deutschland ansässiger Türken Rücksicht nehmen müsse, die durch eine solche Resolution brüskiert werden könnten.
Der 24. April wird jährlich von den armenischen Diaspora-Gemeinden in aller Welt als Gedenktag an den türkischen Genozid begangen. An diesem Tag erinnert man sich nicht nur der Massenverhaftungen hunderter armenischer Intellektueller sondern vor allem an den bis heute von der Türkei offiziell geleugneten Völkermordes in den Jahren 1915 bis 1917. Es ist ein Gedenken, das zweifellos nicht realer, sondern eher virtueller Natur ist. Deutlich lässt sich das zum Beispiel an der Tatsache festmachen, dass den Armeniern kein Erinnerungsort zur Verfügung steht, an dem des Völkermordes vor 88 Jahren gedacht werden könnte. Auch in den Geschichtslehrbüchern, zumindest in Deutschland, wird der Genozid verschwiegen oder bagatellisiert, so dass ein Kapitel armenischer Nationalerfahrung nicht die Beachtung erfährt, das es erfahren müsste, will man als Armenier wissen, wer man ist und woher man kommt. Die Kinder, Enkel und Urenkel der einstigen Opfer beklagen zu Recht, dass dadurch, dass man ihnen das Erinnern und Gedenken verwehrt, ihnen auch das Bekenntnis zu einer nationalen Identität verweigert wird.
Es ist überaus bedauerlich, dass die bundesdeutschen Politiker bis heute nicht den Mut haben aufbringen können, klar und unmißverständlich Position zu beziehen. Das wäre schon deshalb notwendig, als die Bundesrepublik politisch und moralisch Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches ist. Sie kann sich nicht vor der Teilübernahme der historischen Verantwortung drücken mit der Begründung, politisch und wirtschaftliche Gründe, oder sagen wir besser realpolitische Interessen, stünden dagegen. Das wäre eine zutiefst opportunistische Einstellung, die zur Folge hätte, dass Deutschland noch im Nachhinein die Schuld legitimiert, die es einst durch Mithilfe auf sich geladen hat. Der deutsche Bundestag wäre gut beraten, wenn er alle bisher vorgebrachten Bedenken zurückstellte und eine interfraktionelle Resolution verabschiedete, in der die Mitverantwortung des Deutschen Reiches am Genozid an den Armeniern anerkannt wird. Gelänge dies, hätte das zweifellos eine politisches Signalwirkung – nicht nur für das vereinte Deutschland sondern auch für die heutige Türkei und, was besonders betont werden sollte, für das gegenwärtig im Zusammenwachsen begriffene Europa.
MfG
G. Sachinian
Sohn eines Überlebenden des ARMENISCHEN HOLOCAUSTS
16. November 2010 um 10:12
Die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern ist eine höchst ethische und lehrreiche Handlung.
Die Mörder des armenischen Volkes war die Jungtürken. Namen gibt es in Massen: Emmanuel Carraso, Tallaat Pasha, Djavid Bey, Messim Russo, Refik Saydam Bey, Vladimir Jabotinsky, Alexander Helphand, AKA Parvus, Mustafa Kemal ‘Ataturk’.
In den “THE TIMES OF LONDON” vom 8,8,1915 lesen wir:
(Hier ist der Link: http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/europe/article2641064.ece?token=null&offset=0)
From The Times, Friday October 8, 1915
THE ARMENIAN MASSACRES
EXTERMINATING A RACE
A RECORD OF HORRORS
Dort steht, dass die Armenier zuerst 1909 das Massaker von ADANA zu überleben hatten, nach dem die Jung”türken” den Sultan in Thessaloniki deportiert hatten. Original text:
Talaat Bey and his extremist allies have out-Hamided Abdul Hamid. They have even shocked their German friends, thus attaining eminence in “frightfulness” to which the “Red Sultan” never soared.
Das heisst, sogar die Deutschen, allierte der Türken, waren schockiert, wie “leicht” der Sultan von den Jung”Türken” abserviert wurde.
ORIGINAL TEXT:
Armenians were thrown over cliffs, their women violated and abducted, their children frequently Islamised.
Dh, Armenier wurden über den Abgrund geworfen, die Frauen wurden vergewaltigt und die Kinder zwangsislamisiert!
Weiter:
The systematic massacre of the 25,000 Armenians of the Bashkala district, of whom less than 10 per cent are said by Russian newspapers to have escaped slaughter or forced conversion, appears to have been ordered and carried out at this period.
Systematische Vernichtung und Massaker an 25,000 Armenier in Bashkala.
TALAAT BEY’S POLICY
Der Hauptmörder des Armenischen Volkes war Talaat Bey.
Aussage von Talaat Bey nach der LONDONER TIMES: “I intend to prevent any talk of Armenian autonomy for 50 years” and “The Armenians are a…race; their disappearance would be no loss”
Dh, Das Verschwinden der Armenischen Rasse wird KEIN VERLUST sein.
Bitte lesen Sie weiter den Link der LONDONER TIMES.
Wer war Talaat Bey? Bitte nachgoogeln!
MfG
G. Sachinian
Sohn eines überlebenden des ARMENISCHEN HOLOCAUSTS
15. November 2010 um 11:11
“Dies trifft ausdrücklich nicht zu, ich beurteile nur das Konfliktgeschehen anders, weil dieses letztlich unzählige Opfer und schweres Leid auf beiden Seiten verursachte.”
Als Armenier, möchte ich den Herrn Hakki Keskin fragen, ob ich für meinen Großvater, Avedis Sachinian, der 1918 umgebracht wurde, mich noch bei der Türkei entschuldigen muß.
Was nimmt dieser Mann zu behaupten, es gäbe Opfer auf beiden Seiten? Und so einer läuft jier in Deutschland frei rum?
G. Sachinian
Grieche armenischer Abstammung
2. Vorsitzender des Vereins deese
PS: Ich wundere mich noch, daß die deutsche Flagge neben der türkischen auf seiner Homepage weht.