Jesuiten – Flüchtlingsdienst : Abschiebungen vermeidbar

Jesuiten-Flüchtlingsdienst - Jesuit Refugee Service Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland ist ein Werk der Deutschen Provinz der Jesuiten K.d.ö.R. P. Martin Stark SJ, Direktor Witzlebenstr. 30a, D-14057 Berlin Nähe S-Bahnhof Charlottenburg / U 2 Sophie-Charlotte-Platz Spendenkonto: 6000 401 020 Pax-Bank Berlin BLZ 370 601 93 Telefon (030) 3260-2590 Telefax (030) 3260-2592 E-Mail info@jesuiten-fluechtlingsdienst.de Internet www.jesuiten-fluechtlingsdienst.de Datum 2. April 2012

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Europäische Studie stellt Modelle vor

JRS: „Es gibt Alternativen zur Abschiebungshaft!“

Abschiebungshaft kann vermieden werden, wenn Behörden den davon bedrohten Flüchtlingen und Migranten auf Augenhöhe begegnen. Das ist das Ergebnis einer Studie in mehreren EU-Ländern, die der Jesuiten-Flüchtlingsdienst vorgelegt hat.

Unsere Ergebnisse zeigen: Es gibt Alternativen zur Abschiebungshaft! Die Betroffenen sind bereit, mit den Behörden zu kooperieren, wenn sie den Eindruck haben, mit ihren Anliegen ernst genommen zu werden“, sagt Martin Stark SJ, Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes Deutschland. Dazu gehöre eine umfassende, möglichst unabhängige Beratung über ihre Chance auf Asyl oder eine Aufenthaltserlaubnis, ein qualifizierter Rechtsbeistand und die Absicherung existenzieller Bedürfnisse. „Wenn sie den Eindruck haben, dass ihr Antrag ernsthaft und ergebnisoffen geprüft wird, dann sind sie am Ende auch bereit, selbst ein negatives Ergebnis und die Ausreisepflicht zu akzeptieren“, so Stark. „Die Praxis vieler Ausländerbehörden geht aber nicht vom Guten, sondern vom Schlimmsten im Menschen aus. Oft wird pauschal unterstellt, dass Ausländer untertauchen wollen, und dann werden sie verhaftet.“

Stark kritisiert die hohe Zahl von Flüchtlingen, die inhaftiert werden, um wegen europäischer Zuständigkeitsregeln in einen anderen EU-Staat abgeschoben zu werden. „Diese Menschen suchen in Europa Schutz, sie haben also ein Anliegen, das sie an die Behörden bindet. Ihnen sollte nicht pauschal fehlende Kooperationsbereitschaft unterstellt werden.“ Auch Jugendliche, Familien, psychisch Kranke und andere schutzbedürftige Personen gehören nicht ins Gefängnis. „Mit gezielten Beratungsangeboten, wie etwa in Belgien für Familien mit Kindern, lässt sich die Mitwirkung der Betroffenen stärken und Abschiebungshaft vermeiden“, so Stark.

Den Einsatz elektronischer Fußfesseln zur Überwachung ausreisepflichtiger Ausländer, wie in Großbritannien praktiziert, lehnt der Jesuit ab. „Die Fußfessel ist nur eine andere Form, den Freiheitsentzug zu vollziehen. Sie führt zur Stigmatisierung, zur Gleichstellung mit Kriminellen. Zudem verursacht die Fessel Schmerzen und manchmal Verletzungen.“

Für die Studie wurden im Sommer und Herbst 2011 Alternativen zur Abschiebungshaft in drei europäischen Ländern untersucht: ein Projekt zur Unterbringung von Familien ohne Aufenthaltsstatus in Belgien, eine Einrichtung der Jugendhilfe speziell für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland und der Einsatz von Meldepflichten und elektronischen Fußfesseln im Vereinigten Königreich. Hintergrund ist die Umsetzung der sog. Rückführungsrichtlinie der EU, die Abschiebungshaft nur im Ausnahmefall erlaubt und nur dann, wenn kein weniger einschneidendes Mittel gegeben ist, um die Ausreise sicherzustellen.

quelle:  http://www.jesuiten-fluechtlingsdienst.de/images/pdf/jrs%20pm%202012-04-02%20abschiebungshaft%20ist%20vermeidbar.pdf

zur studie:  http://www.jesuiten-fluechtlingsdienst.de/images/pdf/120401%20jrs-studie%20abschiebungshaft%20vermeiden.pdf

Abschiebehaft macht krank

Berlin, 1. Juli 2010. „Quälendes Warten – wie Abschiebungshaft Menschen krank macht“, so ist eine Studie des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes überschrieben, deren Ergebnisse für Deutschland heute vorgestellt wurden. Abschiebungshaft fügt Menschen unnötiges Leid zu und beeinträchtigt ihre körperliche und seelische Gesundheit, so das zentrale Ergebnis. Die Studie zeichnet ein umfassendes Bild der Lage von Abschiebungshäftlingen in 22 europäischen Staaten und lässt erstmals die Betroffenen selbst ausführlich zu Wort kommen. Es zeigt sich, dass die Häftlinge in erheblichem Maß unter der Unsicherheit über die eigene Zukunft, einem Mangel an Informationen und der Isolation von Familie und Freunden leiden. Sie fühlen sich als Kriminelle behandelt, obwohl ihnen in der Regel nicht mehr als der Verstoß gegen Einreisebestimmungen vorgeworfen wird. Angesichts der Ergebnisse der Untersuchung tritt der Jesuiten-Flüchtlingsdienst dafür ein, stärker als bisher Alternativen zur Verhängung von Abschiebungshaft zu berücksichtigen, die Betroffenen konsequent getrennt von Strafgefangenen unterzubringen, die Dauer der Haft auf maximal drei Monate zu begrenzen und kostenlose Rechtsberatung zu ermöglichen.


quelle und weitere infos/ links  :  quälendes warten

zur startseite : http://www.jesuiten-fluechtlingsdienst.de/

lies auch:  pro asyl 07.07.2010 erneut selbstmord in der abschiebehaft


verwandte themen:  http://ffduseh.wordpress.com/2010/07/07/hoffnungsschimmer-fur-kurdenfamilie/


Veröffentlicht in abschiebehaft, asyl, jesuiten flüchtlingsdienst. Kommentare deaktiviert
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