Augsburg, 19. Dezember 2011, (pm). 
Sehr geehrte Damen und Herren der Geschäftsführung,
Diesen Offenen Brief kurz vor Weihnachten schreibe ich Ihnen, weil fast täglich beunruhigende Berichte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Ihrer Firma bei uns eingehen. Wir in der Betriebsseelsorge und in der KAB sind uns bewusst, dass eine neue Firma noch dazu im Versandgeschäft vor dem Weihnachtsfest alle Hände voll zu tun hat. Jedoch können wir die Berichte von Beschäftigten bei uns nicht einfach ad acta legen. Wesentliche Rechtsstandards und wichtige Einrichtungen in unserer Arbeitswelt in Deutschland sind bei AMAZON offensichtlich nicht gegeben.
Deshalb richten wir heute folgende Fragen an Sie mit der Bitte um Beantwortung:
Einige Beschäftigte berichten uns, dass sie, seitdem sie bei AMAZON arbeiten, seit August keinen Lohn bekommen haben. Andere haben 2 oder 3 Monate keinen Lohn gesehen, wieder Andere sprechen von unvollständigen und falschen Lohnabrechnungen. Wie sehen Sie diese Vorwürfe? Beschäftigte berichten: „Ich habe im Dezember bis jetzt jeden Tag durcharbeiten müssen, inklusive jeden Sonntag.” Andere reden davon, dass sie 13, 16 oder auch 19 Tage durcharbeiten mussten. Ist das möglich? Das kann und darf aber so nicht sein. Offensichtlich liegen auch keine Genehmigungen für Sonntagsarbeit vor. Ist das zutreffend? Wie steht es mit dem Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer?
Beschäftigte berichten, dass sie täglich um ihre Plätze im Bustransfer rennen müssen und nicht selten stundenlange Wartezeiten aufgrund ungenügender Organisation der Verkehrsmittel haben. Stimmt das? Beschäftigte berichten, dass sie sehr weite Wege im Unternehmen in Kaufnehmen müssen und deshalb ihre Pausen erheblich gekürzt werden. Wie kann dies anders werden? Beschäftigte berichten, dass fast nur befristete Arbeitsverträge existieren. Das ist zwar legal, erfüllt aber nicht unsere Vorstellungen von Sozialer Marktwirtschaft in Deutschland. Wie werden Sie in Zukunft damit umgehen?
Wir als Betriebsseelsorger und Aktive in der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung(KAB) sehen uns in der Pflicht, für menschenwürdige und gute Arbeit einzutreten. Arbeit ist „eine Quelle von Rechten”, durch Arbeit können wir „mehr Mensch werden” und uns entfalten und der Lohn der Arbeit muss ausreichen, um ein gutes Leben in Familie und Gesellschaft aufbauen zu können. Die Soziallehre der Katholischen Kirche steht eindeutig auf der Seite der menschenwürdigen Arbeit und ruft zu einer „weltweiten Koalition für würdige Arbeit” in diesem Sinne auf:
„Es bedeutet eine Arbeit, die in jeder Gesellschaft Ausdruck der wesenseigenen Würde jedes Mannes und jeder Frau ist: eine frei gewählte Arbeit, die die Arbeitnehmer, Männer und Frauen, wirksam an der Entwicklung ihrer Gemeinschaft teilhaben lässt; eine Arbeit, die auf diese Weise den Arbeitern erlaubt, ohne jede Diskriminierung geachtet zu werden; eine Arbeit, die es gestattet, die Bedürfnisse der Familie zu erfüllen …; eine Arbeit, die den Arbeitnehmern erlaubt, sich frei zu organisieren und ihre Stimme zu Gehör zu bringen; eine Arbeit, die genügend Raum lässt, um die eigenen persönlichen, familiären und spirituellen Wurzeln wieder zu finden.”
(P. Benedikt XVI, Caritas in veritate Nr.63)
Damit diese Sicht der Arbeit Raum gewinnt, setzen wir uns intensiv für Verbesserungen der Arbeitsbedingungen bei AMAZON und anderswo ein.
Gerne können wir einen Gesprächstermin vereinbaren.
In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
ErwinHelmer, Diakon
Diözesanpräsesder KAB, Leiter der Betriebsseelsorge
zum thema auch : http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-land/Amazon-Ein-Fall-fuer-die-Behoerden-id18015876.html lies auch : http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,800166,00.html zu thema einarbeitung
mehr zu amazon auch auf : http://www.amazon-verdi.de/ schreiben sie einen brief : http://www.amazon-verdi.de/aktion/




