Wie fr – online berichtet, starb der ägyptische Literaturwissenschaftler und Vertreter eines Reformislam am 5.7.2010 im Scheich-Zayed-Hospital in Kairo.
Zeitlebens habe er dafür geworben, auch die heilige Schrift der Muslime – wie die Bibel der Juden und der Christen – in ihrem zeitgeschichtlichen Kontext zu interpretieren und nicht als wortwörtlich vom Himmel gefallenen sakrosankten Text anzusehen.
In Ägypten habe vor allem sein 1992 erschienenes Buch “Kritik des religiösen Diskurses” den Unmut des religiösen Establishments erregt, in dem Abu Zaid nicht nur den Missbrauch der Religion durch die Fundamentalisten, sondern auch die selbstverständliche “Indienstnahme” des Islam durch die Alltagspolitik kritisierte.
Abu Zaid sei für seine Haltung in Ägypten zu einem Abtrünnigen des Islam gestempelt worden. Religiöse Eiferer setzten sogar vor einem Scharia-Gericht die Zwangsscheidung von seiner Frau Ibtihal Yunes durch und zwangen den Gelehrten 1995 schließlich ins niederländische Exil.
In den letzten Jahren war der Verfemte wieder häufiger zu Besuch am Nil, wo er jetzt auch verstarb.
- buchtipps: Nasr Hamid Abu Zaid und Hilal Sezgin, Mohammed und die Zeichen Gottes
- buchbesprechung: FAZ_ NET zu: Abu Zaid, Islam und Politik, Kritik des religiösen Diskurses,
- anmerkung: Abu Zaid erhielt im Jahre 2005 den Ibn-Rushd-Preis für freies Denken
zur Person des Ibn Rushd, auch als Averroes bekannt.




