Tag der Russlanddeutschen 28.08.

 zum tag der russlanddeutschen am 28.8..
gab es verschiedene berichte in rundfunk und fernsehen, u.a. auch im Bayerischen Rundfunk

Der nachfolgende Text ist der Internetseite des BR entnommen. Dort findet sich auch ein link zur entsprechenden audio datei

Link zur BR Seite am Ende dieses Textes

„Tag der Russlanddeutschen“
Eine Familie zwischen neuer und alter Heimat
Vor allem in den 1990ern kamen viele Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland und auch nach Unterfranken: zum Beispiel Familie Fast aus Schweinfurt. Ein Familienporträt zum „Tag der Russlanddeutschen“ am 28. August.

Stand: 28.08.2009

Seit knapp sieben Jahren leben Willi Fast und seine Frau Valentina mit den Familien ihrer beiden Töchter Olga und Ludmilla in Schweinfurt. Die Familie gehört zu den rund 7.600 Russlanddeutschen, die derzeit in Schweinfurt leben – das sind 14 Prozent der Bevölkerung. Valentina Fast arbeitet als Krankenschwester, das Einleben in Unterfranken fiel ihr leicht: „Ich habe keine Schwierigkeiten gehabt, mich hier zurecht zu finden“, sagt Valentina. „Mit der Sprache ging alles gut und ich bin froh, dass wir alle hier zusammen sind“.

Anderes Land, anderer Beruf

Bildunterschrift: Vor knapp sieben Jahren zog Familie Fast von Sibirien nach Schweinfurt.
Umstellung war aber durchaus gefordert, denn beruflich mussten die Fasts umsatteln. Die 34-jährige Tochter Olga war in Russland Lehrerin für Erdkunde, Biologie und Musik. Nun arbeitet sie als Musiktherapeutin Senioren in einem Altenheim. Ihr Mann Oleg muss die Schulbank drücken. Sein russisches Diplom als Maschinenbauingenieur wird in Deutschland nicht anerkannt. Nun macht Oleg mit 33 Jahren noch eine Ausbildung zum Technischen Zeichner.

„Ich fühle mich deutsch“

Bildunterschrift: Volkstänze sind ein Stück gelebte Heimatkultur.
Die Vorfahren der Familie Fast waren in der Zeit von Katharina der Großen von Norddeutschland nach Russland gezogen. Der Wohlstand, den sich deutsche Familien aufgebaut hatten, ging durch den Sozialismus und Enteignungen verloren. In ihrem Dorf in Sibirien, zwischen Omsk und der Mongolei, lebten fast nur Deutsche. Und so kann Valentina Fast die Frage, wie deutsch sie sich in Schweinfurt fühlt, nicht verstehen: „Ich fühle mich deutsch, das ist so“. Auch die drei Enkel der Familie fühlen sich bestens integriert. Alexander geht noch in den Kindergarten, Alina und Irina besuchen in Schweinfurt die Realschule und eine Wirtschaftsschule. Aber eines vermissen sie doch: die Großeltern, die in Russland geblieben sind. Wenn das vermissen zu stark wird, singen die Fasts Lieder aus Sibirien – und dann rücken die Großeltern wieder ein Stückchen näher.

Integration verbesserungswürdig

Bildunterschrift: Der Würzburger Stadtteil Heuchelhof
In Sachen Integration ist Familie Fast ist ein besonders positives Beispiel. Denn nicht alle Spätaussiedler sind ähnlich gut integriert, sagt Peter Freser vom Projekt „Gerne leben in Schweinfurt“: „Die meisten fühlen sich hier durchaus wohl, aber die Kontakte zur einheimischen Bevölkerung fehlen oft. Da müssen beide Seiten noch stärker aufeinander  zugehen“. Integrationsprojekte sollen da helfen – so auch in Würzburg. Hier leben die meisten Spätaussiedler im Stadtteil Heuchelhof, außerhalb und oberhalb der Innenstadt. Von den rund 3.000 Bewohnern innerhalb der Hochaussiedlung „Straßburger Ring“ hat jeder zweite Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion – und wegen sozialer Spannungen besonders in den 1990ern hat sich der Stadtteil den Ruf eines „sozialen Brennpunkts“ eingehandelt. Initiativen wie das Förderprogramm „Soziale Stadt“ versuchen, durch Sprachkurse und andere Angebote die Integration zu erleichtern – und durch Kulturveranstaltungen auch den einen oder anderen „urwüchsigen“ Unterfranken einmal hoch auf den Heuchelhof zu locken.

Der „Tag der Russlanddeutschen“
Der Gedenktag wurde 1982 eingeführt – in Erinnerung an das „Stalin-Dekret“ vom 28. August 1941, das die Zwangsdeportation der Deutschen von der Wolga und aus der Südukraine nach Sibirien besiegelte. Dort mussten sich die Umgesiedelten zweimal im Monat bei den Behörden melden. Statt eines normalen Ausweises führten sie einen Deportiertenausweis mit sich. Es war verboten, Deutsch auf den Straßen zu sprechen. Bücher und Dokumente in deutscher Sprache waren verboten. Ebenso war die Ausübung einer Religion untersagt.

 

zum BR: beitrag BR

weitere infos:  artikel bei wikipedia  ,  rbb, russlanddeutsche ru, bundestreffen wiesbaden 2007

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