andere wege widerspricht MdB s Meister und Weiß

  Initiative widerspricht den Abgeordneten
Andere Wege: Kritik an Weiß und Meister (beide CDU) – Vorwürfe an Fallmanager
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HEPPENHEIM. Es sei einfach, schreibt die Erwerbsloseninitiative Andere Wege,sich die Welt schön zu reden, wenn diejenigen, über die geredet wird, nicht an dem Gespräch teilnehmen. Die Initiative kritisiert die Aussagen der Bundestagsabgeordneten Michael Meister und Gerald Weiß (beide CDU) anlässlich deren Besuchs beim Bergsträßer Eigenbetrieb Neue Wege.Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, würden nicht mehr als Bittsteller und Versager, sondern als Kunden gesehen, könne man in dem Echo-Artikel lesen. Leider, so Andere Wege, sei diese Sichtweise noch nicht bis zu allen Fallmanagern vorgedrungen. Es habe sich zwar unter der Leitung von Rainer Burelbach einiges gebessert. Nach wie vor gebe es aber Berichte von Arbeitslosen, die sich von ihren Fallmanagern nicht ernst genommen und durch abwertende Behandlung entwürdigt fühlen.Arbeitslose würden nach wie vor teilweise falsch beraten und mit falschen Versprechungen in Kurse gesteckt, die niemandem außer dem Anbieter etwas bringen und dem Steuerzahler unnötig Geld kosten würden, so die Initiative. Ganz abgesehen davon, dass immer noch Kurse angeboten würden, die eindeutig gegen geltende Gesetze verstießen und erst gestoppt worden seien, als Andere Wege entsprechend interveniert habe – wie das unentgeltlich zu leistende sechswöchige Praktikum bei einer Supermarkt-Kette (gesetzlich sind nur vier Wochen erlaubt), mit der eine Zeitarbeitsfirma Arbeitslose im Auftrag von Neue Wege monatelang als kostenlose Kommissionierer missbraucht habe.Als „völlig wirklichkeitsfremd“ wertet die Initiative die Aussage von Weiß, durch die Einstiegsoffensive seinen 152 Menschen in Arbeit vermittelt worden, „von der sie leben können“. Die Zahl derjenigen, die Vollzeit arbeiten, aber so wenig verdienen, dass sie weiterhin mit Hartz IV unterstützt werden müssen, steige auch an der Bergstraße, schreibt die Erwerbsloseninitiative – unter anderem deshalb, weil gerade CDU-Politiker sich weigerten, für ein flächendeckendes Mindesteinkommen einzutreten. Man solle, schlägt Andere Wege vor, Weiß ein halbes Jahr bei einer Zeitarbeitsfirma für 700 Euro netto schuften lassen und ihn dann einmal fragen, ob er davon „leben könne“.  

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31.8.2009
 

echo online 2siehe auch:  andere-wege

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  Neue Wege aus neuem Blickwinkel
Wahlkampf: Abgeordnete Meister und Weiß (CDU) informieren sich an Tafel und im Jobcenter
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HEPPENHEIM. Die Bundestagsabgeordneten Michael Meister und Gerald Weiß (beide CDU) wollen sich dafür einsetzen, dass das sogenannte Optionsmodell zur Qualifizierung und Vermittlung von Langzeitarbeitslosen gesetzlich so abgesichert wird, dass der Bergsträßer Eigenbetrieb Neue Wege bestehen bleiben kann. Außerdem müssten alles Kreise und kreisfreien Städte darüber entscheiden können, ob sie die in den Hartz-IV-Gesetzen vorgesehenen Aufgaben übernehmen oder mit den Arbeitsagenturen kooperieren. Seit 2005 ist der Eigenbetrieb Neue Wege eine von bundesweit 69 Modellen. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts und dem gültigen Sozialgesetzbuch würde die Modellphase Ende 2010 auslaufen.Wie Neue-Wege-Geschäftsführer Rainer Burelbach im Gespräch mit den Abgeordneten sagte, führt die Rechtslage zur Verunsicherung seiner Mitarbeiter. 130 der 150 Menschen, die den Eigenbetrieb arbeiten, seien befristet eingestellt.Meister hatte seinen Kollegen deshalb auf die Wahlkampfreise mitgenommen, weil Weiß noch Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales ist. Am 27. September bewirbt sich der Groß-Gerauer Abgeordnete nicht mehr um ein Bundestagsmandat. Meister dagegen will sein Direktmandat verteidigen.Für Weiß war es der zweite Besuch bei Neue Wege. 2006 informierte er sich in der Anfangsphase. Schon damals lobte er die Art und Weise, wie das Optionsmodell in die Praxis umgesetzt wurde. Er konnte nicht ahnen, dass kurze Zeit später die skandalösen Methoden ans Tageslicht kamen, mit denen Arbeitslose in sinnlosen Kursen mehr schikaniert als geschult und wie öffentliche Mittel verschwendet wurden.Nach der Aufarbeitung des Skandals wird dem Eigenbetrieb allgemein bescheinigt, aus den Fehlern gelernt zu haben. Zur Aufarbeitung gehörte, dass Burelbach die Geschäftsführung übernahm. Auch der Amtsantritt des Ersten Kreisbeigeordneten Thomas Metz (CDU) am 1. September 2007 trug zur Beruhigung und Versachlichung bei. Metz ist als Dezernent für den Eigenbetrieb verantwortlich.Im Pressegespräch in der Neue-Wege-Zentrale an der Walther-Rathenau-Straße in Heppenheim wurde am Freitag deutlich, dass Weiß, Meister, Metz und Burelbach die Arbeit der insgesamt vier Jobcenter unter neuen Gesichtspunkten betrachten. Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren und nicht innerhalb eines Jahres einen neuen gefunden haben, werden nicht mehr als Bittsteller und Versager, sondern als Kunden gesehen.Umgekehrt werde diesen Kunden verdeutlicht, dass deren Hauptaufgabe darin besteht, Eigeninitiative zu entwickeln. Mit der sogenannten Einstiegsoffensive sei es innerhalb weniger Monate gelungen, 152 Menschen in einen Arbeitsplatz zu vermitteln Arbeit, von der sie leben können, wie es Weiß formulierte. Metz sagte, der Vorteil des Optionsmodells bestehe darin, auf Besonderheiten des Arbeitsmarktes rasch reagieren zu können. So sei erkannt worden, dass alleinerziehenden Müttern ein Einstellungshindernis im Weg steht, wenn die Betreuung der Kinder nicht geregelt ist. Entsprechend kümmere sich Neue Wege um Betreuungsangebote.Der Kontakt mit den Trägern von Qualifizierungsprogrammen, mit der Wirtschaftsförderungs GmbH und mit der Schuldnerberatung erleichtere die Arbeit, sagte Metz. Er informierte Weiß darüber, dass sich der Kreistag für die unbefristete Verlängerung des Optionsmodells ausgesprochen hat.

Metz und Burelbach ließen erkennen, dass sich das Verhältnis zur Arbeitsagentur im Vergleich zur Anfangsphase deutlich entspannt hat. Ebenso wird akzeptiert, dass der Bund die Kommunen kontrolliert, allein deshalb, weil 70 Prozent der Finanzmittel, über die Neue Wege verfügt, aus der Staatskasse stammen.

Zur neuen Sichtweise des Themas Langzeitarbeitslosigkeit mag beigetragen haben, dass sich Meister und Weiß am Freitag über die Bensheimer Tafel informierten, bevor sie nach Heppenheim kamen. Als sehr eindrucksvoll bezeichnete Weiß das, was er dort erfahren hat. 167 Menschen engagieren sich in diesem Projekt der beiden christlichen Kirchen ehrenamtlich. Sie versorgen 200 Menschen Tendenz steigend mit Lebensmitteln, die hygienisch einwandfrei sind, deren Haltbarkeitsdatum sich allerdings dem Ende nähert. Die Ware stammt aus den Beständen der Supermärkte und von Metzgereien.

Meister schätzt, dass ohne die Tafel jährlich Lebensmittel im Wert von 500000 Euro vernichtet würden. Hilfe zur Selbsthilfe biete die Tafel. Denn die Lebensmittel seien mehr als ein Almosen. Die soziale Zuwendung und die Vermittlung von Kochkursen trügen mit dazu bei, dass den Bedürftigen ein Ausweg aus ihrer oft unverschuldeten Lage gezeigt wird.

Die Tafel räume auch mit einem Vorurteil über den Zustand der Gesellschaft auf, die oft als verhärtet und egoistisch dargestellt wird. Weiß: Die Tafel ist ein wunderbares Signal der gesellschaftlichen Mitverantwortung, der Bereitschaft zum Engagement und der Nächstenliebe.

echo online 1

 

 

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29.8.2009
 
 
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