Dekanin: Die Existenz der Tafeln ist im Grunde ein Skandal

Bedenkliche Entwicklung

aus einem Bericht über aktuelle Entwicklungen im evangelischen Dekanat Bergstrasse (morgenweb )

Als bedenkliche gesellschaftliche Entwicklung kommentiert die Dekanin die zunehmende Gründung der „Tafeln“ zur Lebensmittelversorgung bedürftiger Menschen. Die Einrichtungen sind eine der größten sozialen Bewegungen unserer Zeit: Sie sammeln Lebensmittel und verteilen sie an sozial und wirtschaftlich benachteiligte Personen, darunter viele Arbeitslose, Geringverdiener, Alleinerziehende und Kleinrentner. „Die Existenz der Tafeln ist im Grunde ein Skandal„, so Ulrike Scherf, die ebenso wie Präses Axel Rothermel einen klaren Handlungsbedarf auf politischer Ebene sieht. „Hier wird deutlich, in welche Richtung sich unser Wohlfahrtsstaat entwickelt hat“, so der Vorsitzende der Dekanatssynode.

Rothermel bezeichnete die ehrenamtliche Arbeit in den „Tafeln“ als praktizierte Nächstenliebe, erklärte aber, dass eine Gesellschaft erst dann funktioniere, wenn eine solche Hilfseinrichtung überflüssig geworden sei.

Die Kirche sei der Anwalt der Armen. Eine Regierung indes, die sich als christlich bezeichne, müsse den Menschen entsprechend gute Lebensbedingungen ermöglichen. Insofern sei es ein Armutszeugnis, wenn die Kürzung staatlicher Sozialleistungen derartige Hilfsprojekte erforderlich machten.

Im Dekanatsgebiet gibt es derzeit „Tafeln“ in Lampertheim, Viernheim und Bensheim, wobei letztere unter der Obhut der katholischen Kirche arbeiten. Bis April will das Diakonische Werk Bergstraße auch in Bürstadt eine solche Einrichtung eröffnen. Bereits im Mai hat die „Tafel“ in Rimbach ihre Arbeit aufgenommen.

Hilfe für rund 500 Menschen

Diakonieleiter Hendrik Raekow freut sich über die Unterstützung des Dekanats, das für die Versorgung der Menschen im Weschnitztal im September 10 000 Euro gespendet hat. Laut Raekow nutzen in Rimbach aktuell 169 Haushalte mit insgesamt 500 Personen das Angebot, darunter 250 Kinder unter 14 Jahren. Der Bedarf sei damit aber noch nicht gedeckt, erklärte der Vorsitzende des Diakonischen Werks Bergstraße.

In Rimbach werden bevorzugt Alleinerziehende und Kleinrentner versorgt. Die ehrenamtliche Arbeit wird von den Kirchengemeinden in Weschnitztal und Überwald trotz deren bisweilen sehr knappen finanziellen Spielraum tatkräftig unterstützt. Gegenwärtig sind 66 Helfer im Boot, weitere Mitarbeiter werden dringend gesucht. Raekow betonte die regionale Dimension der „Tafel“, die gesunde Lebensmittel zu einem symbolischen Preis von einem Euro je Einkauf und Nutzer ausgibt. Auch er plädiert an die Politik, hier mittel- bis langfristig andere Weichen zu stellen, um den Boom der Einrichtungen zu stoppen.

Neben der Unterstützung der „Tafel“ hat das evangelische Dekanat im vergangenen Jahr ein eigenes soziales Projekt unter dem Titel „Ohne Moos nix los“ gestartet. Dies ermöglicht Kindern und Jugendlichen aus Familien mit geringem Einkommen die kostenfreie Teilnahme an den Freizeitangeboten des Dekanats.

Weil die Premiere mit 15 Teilnehmern sehr erfolgreich war, soll das Projekt in diesem Jahr in eine weitere Runde gehen. Zur finanziellen Unterstützung werden noch Partner gesucht. Das Konzept geht laut Dekanin Scherf betont unbürokratisch über die Bühne, als Mittler sind die Kirchengemeinden und die Orbishöhe in Zwingenberg dabei. tr

Bergsträßer Anzeiger
27. Januar 2010

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