Unter Beschuss

Marc Lindemann: Unter Beschuss
Warum Deutschland in Afghanistan scheitert

Seit Ende 2001 kämpfen deutsche Soldaten in Afghanistan gegen einen unsichtbaren Feind, die Taliban. Inzwischen dauert ihr Einsatz länger als der Zweite Weltkrieg. Offiziell soll die deutsche Bundeswehr am Hindukusch verfassungsgemäß lediglich die Aufbauarbeit sichern. Die Realität sieht aber anders aus.

Vor wenigen Wochen kam der deutsche Nachrichtenoffizier Marc Lindemann von seinem zweiten Afghanistan-Einsatz zurück. Der Politologe war dort für sicherheitsrelevante Information zuständig. Er verfasste Lageberichte, die an alle verantwortlichen politischen Schaltstellen gingen, hatte Kontakt zur afghanischen Bevölkerung, den NATO-Streitkräften und Geheimdiensten. Gerade ist sein Buch Unter Beschuss erschienen – der Inhalt: brisant und politisch hochexplosiv. Lindemanns ungeschminkter Bericht bestätigt das, was man schon ahnte und geht weit darüber hinaus. Zunächst wirft er den politisch Verantwortlichen Etikettenschwindel und Verharmlosung vor. Die Bundeswehr führe Krieg! Dieser stehe in direktem Bezug zur Religion des Islam. Der Islam dürfe in seiner scharfen Radikalität keine Grundlage für Verhandlungen sein. „Wenn deutsche Soldaten ihre Feldlager verlassen, so Lindemann, „fahren sie in eine völlig andere Welt hinaus , stehen einem Feind gegenüber, der völlig unverständlich ist, nichts achtet, was uns als Wert erscheint, der bereit ist, alles einzusetzen, um uns als Repräsentanten der westlichen Idee zu vernichten.“ Noch nie habe es eine effektive Strategie für diesen Einsatz gegeben. Von den vier gleichermaßen verantwortlichen Ministerien – Außen, Innen, Entwicklung- und Wirtschaftliche Zusammenarbeit- sei kaum etwas zu hören. Die deutsche Politik feiere jahrelang symbolische Erfolge, wie Mädchenschulen, Internetcafés und Gleichberechtigungsprojekte. Lindemann fordert lückenlose Aufklärung und ein sofortiges Umdenken. Unter Beschuss ist eine alarmierende Analyse der aktuellen Situation Afghanistan, die sich nicht in Vorwürfen verliert, sondern wichtige Impulse liefert. Soldatinnen und Soldaten sollen nicht länger unter diesen Umständen ihr Leben einsetzten.

Marc Lindemann:
„Alle demokratischen Parteien Deutschlands mit Ausnahme der Linken haben sich für den Afghanistaneinsatz ausgesprochen und unterstützen diesen bis heute offen. Sie sind somit auch für dessen Entwicklung und insbesondere für einen erfolgreichen Abschluss des Engagements in die Pflicht zu nehmen.“


Unter Beschuss
von Marc Lindemann
Econ, 2010

quelle: 3sat bookmark

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