2010-11-05 Eigentümer des Synagogengrundstück sperren Teil der Öffentlichkeit und die Presse aus

Wie mehrfach  auf diesem blog berichtet– zuletzt 30.10.2010 – streben die Eigentümer des Synagogengrundstücks in Heppenheim offenbar an, das Grundstück wieder zu bebauen. Dagegen regt sich heftiger Widerstand. Am 4.11.2010 nun hatten die Eigentümer in das Lokal Kupferkessel geladen, um dort ihre Pläne zu erläutern. Wie sich herausstellte war die Präsentation aber wohl nicht als öffentliche Veranstaltung geplant sondern nur geladenen Gesten vorbehalten. Schade eigentlich, man hätte gern etwas genaueres erfahren. Fürchtet man auf seiten der Eigentümer die öffentliche Debatte?     

Wir dokumentieren hierzu einen Bericht aus dem morgenweb vom 5.11.2010:

„Die Öffentlichkeit muss draußen bleiben

Heppenheim. Rund fünfzig Personen mussten schon vor Veranstaltungsbeginn enttäuscht wieder den Nachhauseweg antreten, als am Mittwochabend die von Rudgild Saul (Karben) und Heike von der Linden-Saul (Rheinfelden) einberufene Versammlung zur Bebauung des Synagogengeländes über die Bühne ging. Die Eingangstür zum kleinen Nebensaal im „Kupferkessel“ durfte nur passieren, wer sich mit einer schriftlichen Einladung ausweisen konnte

Abgewiesen wurde auch der Mitarbeiter der Tageszeitung. „Mir ist nicht bekannt, dass wir die Presse um ihr Erscheinen gebeten hätten“, begründete Ulrich von der Linden seine Verweigerungshaltung. Vermittlungsbemühungen von Professor Karl Härter, dem Vorsitzenden des Heppenheimer Geschichtsvereins, fruchteten ebenso wenig wie dessen Hinweis darauf, dass die Bebauungsgegner nicht im luftleeren Raum agieren, sondern Interesse daran haben, die Problematik publik zu machen. „Wir sind eine in die Öffentlichkeit wirkende Initiativgruppe, und das ist Ihnen bekannt“, untermauerte Härter seinen Standpunkt.
 
Erst nach längerem Disput machte der in gewisser Weise als „Türsteher“ auftretende von der Linden Anstalten, wenigstens teilweise einzulenken. Entscheiden darüber, ob die Zeitung berichten dürfe, solle mehrheitlich der Gesprächskreis. Solange möge sich der Pressevertreter gedulden; was der dann aber aus grundsätzlichen Erwägungen nicht tat. In die Rolle eines Bittstellers wollte er sich nicht abdrängen lassen. Dabei hatte er zu verstehen gegeben, nicht für eine Seite Partei zu ergreifen, sondern nach geübtem Brauch auch die Argumente der Befürworter aufzunehmen. Insofern haben die Antragsteller eine Chance verpasst.

Verärgert über Ankündigung

Besonders ärgerlich reagierte von der Linden auf eine in der Heppenheimer BA-Ausgabe vom 30. Oktober abgedruckte Vorankündigung: „Woher habt Ihr das überhaupt gewusst?“ Die Frage an sich verwundert. Offenbar haben sich die in Karben und Rheinfelden wohnenden Antragsteller noch kein Bild gemacht über die tatsächliche Stimmungslage in Heppenheim, die eindeutig gegen eine Bebauung gerichtet ist. Tausend Protestunterschriften in nur wenigen Wochen sprechen eine deutliche Sprache.
Dass sich der Gesprächstermin bei einem so großen öffentlichen Interesse herumsprechen würde, hätte den Veranstaltern umso mehr klar sein müssen, als in ihrer Einladung ausdrücklich von einer „Versammlung“ und nicht von einer internen Besprechung die Rede war. Beigefügt war eine fünf Punkte umfassende Tagesordnung. Auf diese Weise laden normalerweise Vereine ein.

Magistrat auch nicht eingeladen

Erstaunlich auch, dass in der Gesprächsrunde kein einziges Mitglied des Magistrats vertreten war. Grund: Die Damen und Herren des von Bürgermeister Gerhard Herbert (SPD) angeführten Gremiums wurden ebenfalls nicht eingeladen; dafür aber Architekt Bernd Neher, der wohl mit den Bauplänen beauftragt werden soll – falls es tatsächlich soweit kommen sollte.
In der Runde Platz genommen hatte außerdem Stadtverordnetenvorsteher Philipp-Otto Vock (CDU). Auch wenn sich das von ihm repräsentierte Parlament ohne Wenn und Aber den Forderungen der Initiativgruppe angeschlossen hat, kann es nach geltender Rechtslage eine Bebauung nicht verhindern. 
Dass sich die Stadtverordneten der Resolution einstimmig anschlossen, war indessen eine von der Bevölkerung mit großer Genugtuung registrierte Symbolik. Hier manifestierte sich Verantwortung vor dem düstersten Kapitel Heppenheimer Geschichtsschreibung.

Natürlich sind inzwischen erste Ergebnisse des Gesprächs bekanntgeworden:

1. Befürworter und Gegner sind an einer einvernehmlichen Lösung des Problems interessiert
2. Weitere Gespräche sollen folgen.
3. Der Magistrat wird künftig hinzugezogen

Um die Bevölkerung über den aktuellen Sachstand zu informieren, einigten sich Gegner und Befürworter darauf, eine von beiden Seiten abgesegnete Erklärung. “

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Eine Antwort zu 2010-11-05 Eigentümer des Synagogengrundstück sperren Teil der Öffentlichkeit und die Presse aus

  1. Sat Anlage schreibt:

    Danke sehr an den Autor.

    Gruss Nadja

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