Brauchen wir einen Heiner Geißler

Gesprächsrunde zur künftigen Nutzung des Synagogengeländes

Am 3. November fand im „Kupferkessel“ ein Gesprächskreis statt, zu der die Eigentümerfamilie Saul Vertreter der Initiativgruppe zur Erhaltung des Geländes der ehemaligen Synagoge und Vertreter der an der Initiative beteiligten katholischen und evangelischen Kirchengemeinden, der Agenda 21 und des Heppenheimer Geschichtsvereins sowie Bernd Neher vom Planungsbüro Neher und den Stadtverordnetenvorsteher Philipp-Otto Vock (CDU) geladen hatten. Dazu wurde jetzt sowohl im BA als auch im Starkenburger Erche eine gemeinsame Erklärung publiziert, die von Karl Härter für die Initiativgruppe und Ulrich M. von der Linden für die Eigentümer unterzeichnet wurde. Die Erklärung mutet für Nichteingeweihte eher kryptisch als erhellend an, was die zukünftige Nutzung des Arreals anbelangt. Die Frage ist, brauchen wir in Heppenheim vielleicht einen Heiner Geissler, damit alles auf den Tisch kommt?

Die Erklärung im Wortlaut, so wie sie im morgenweb zu lesen war:

„Bei dem Gespräch ging es grundsätzlich um die Zukunft des Grundstücksareals, das aus mehreren Flurstücken besteht: dem eigentlichen Grundstück, auf dem die Synagoge stand, mit den dahinter am Schlossberg anschließenden Parzellen – im Gesamtumfang von rund 2800 Quadratmetern – sowie dem unmittelbar davor am Starkenburgweg liegenden kleineren Grundstücksteil im Umfang von 200 Quadratmetern. Unter letzterem befindet sich ein Gewölbekeller.

Davor an der Mauer zum Starkenburgweg bei der Einmündung des Eisenpfads liegt die 1965 durch eine Tafel markierte und 1988 erweiterte Gedenkstätte für die ermordeten Heppenheimer Juden und die 1938 zerstörte Synagoge.

Bauvoranfrage der Eigentümer

Alle Grundstücksteile befanden sich bis 1950 im Eigentum der Stifter der Synagoge (Familie Hirsch) und der jüdischen Gemeinde, auf die laut Stiftungsvertrag im Jahr 1947 auch der Grundstücksteil, auf dem die Synagoge stand, übergehen sollte.

Gegenstand des Gesprächs waren die Bauvoranfrage der beiden Eigentümerinnen des besagten Grundstücksareals sowie zwei Resolutionen der Initiativgruppe, die sich gegen eine Bebauung wandten. In sachlicher Atmosphäre wurden zunächst die unterschiedlichen Positionen deutlich gemacht und die Geschichte der Grundstücke aufgearbeitet.

Übereinstimmung herrschte, dass die Grundstücke rechtmäßig erworben wurden. Das kleinere vordere Flurstück am Starkenburgweg wurde 1951 gekauft. Das Flurstück, auf dem die Synagoge stand, und die angrenzenden Parzellen gingen 1986 nach 38 Jahren Grundstückspflege durch die Familie Saul per Gerichtsbeschluss in deren Eigentum über, da der im Grundbuch eingetragene, bereits 1890 nach London ausgewanderte Eigentümer Hirsch und dessen Nachkommen nicht mehr ermittelt werden konnte. Danach pflegte die Familie Saul das Grundstück weitere 24 Jahre.

Die Eigentümer betonten, dass sich die erste Bauvoranfrage im Wesentlichen auf das vordere kleine Flurstück am Starkenburgweg beziehe, gleichwohl weitere zusätzliche Baufläche beantragt worden sei. Ein Eingriff in den ursprünglichen Standort der Synagoge sei jedoch nicht beabsichtigt. Vielmehr habe die Bauvoranfrage nach Paragraf 34 des Baugesetzes die Zulässigkeit eines Bauvorhabens prüfen lassen, um den realen Wert insgesamt zu ermitteln. Denn es sei Grundsteuer bezahlt und im Rahmen der Flurneuordnung 2007 potenzielle Bebaubarkeit von rund 300 Quadratmetern angenommen worden.

In diesem Zusammenhang verwies die Eigentümerfamilie Saul auf eine zweite, aktuelle Bauvoranfrage, die davon ausgehe, dass sich das beantragte Bauvorhaben in einer Baulücke befinde und bei einer eventuellen Bebauung den denkmalgeschützten Synagogenstandort und den Gewölbekeller erhalten wolle.

Gelände über viele Jahre gepflegt

Die Eigentümerfamilie betonte, dass sie alle Bereiche des Grundstücks, einschließlich des ehemaligen Synagogenstandortes, über viele Jahre gepflegt habe und die potenzielle Bebaubarkeit des vorderen Flurstücks berücksichtigt werden müsse. Ihr sei aber auch an einer Lösung im Sinne der Erhaltung des Gedenkortes gelegen.

Die Vertreter der Initiative unterstrichen, dass sie dieses Engagement würdigen, betonten aber auch, dass das Synagogengrundstück letztlich eine Gesamtheit bilde. Denn auch der vordere Grundstücksteil war von der Heppenheimer jüdischen Gemeinde erworben worden, und zwar, um eine Bebauung unmittelbar vor der Synagoge zu verhindern.

Aktuelle Rechtslage

Hingewiesen wurde von der Initiative auf die aktuelle Rechtslage, nach der für kein Grundstücksteil Baurecht vorliegt. Vielmehr sind sowohl Mauer und Keller des vorderen Grundstücks mit der hier liegenden Gedenkstätte als auch die Reste der Synagoge unter Denkmalschutz gestellt; eine erste Bauvoranfrage wurde daher negativ beschieden.

Nach Auffassung der Vertreter der Initiativen, Vereine und der Kirchen würde jegliche Bebauung auf allen Flurstücken den Gedenkort als solchen zerstören. Das Synagogengrundstück und dessen Umfeld dürften daher nicht bebaut werden, sondern sollen als Denkmal erhalten bleiben, und es solle eine dauerhafte Lösung für die Gedenkstätte gefunden werden.

Weitere Runde vereinbart

Einigkeit zwischen der Familie Saul und den Teilnehmern des Gesprächskreises bestand darin, dass eine einvernehmliche und faire Lösung gefunden werden solle, die möglichst beide Interessen berücksichtigt: Langjährige Pflege, Aufwand und Investitionen sowie ein angemessener Grundstückswert sollten Berücksichtigung finden, aber auch der Erwerb, die Erhaltung und der Ausbau der Gedenkstätte zu fairen Bedingungen ermöglicht werden.

Auf dieser Grundlage wurde diese gemeinsame Presseerklärung sowie eine weitere Gesprächsrunde vereinbart, zu der auch Bürgermeister Gerhard Herbert (SPD) als Vertreter des Magistrats geladen werden soll.“  

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