Ökoinstitut: In Deutschland kompletter Ausstieg aus der Kernenergie bis 2020 möglich

In einer Kurzanalyse für die Umweltstiftung WWF Deutschland kommt das Ökoinstitut zu dem Ergebnis, dass ein schneller Ausstieg aus der Kernenergie möglich ist.

Die zentralen Aussagen lauten:    


>>> Die Bundesregierung hat am 14. März 2011 angekündigt, die deutschen Kernkraftwer-ke im Lichte der aktuellen Ereignisse in Japan einer intensiven Sicherheitsprüfung zu unterziehen und in diesem Kontext auch die sieben ältesten Kernkraftwerke zumindest zeitweise außer Betrieb zu nehmen. Damit stellt sich die Herausforderung, ein sehr kurzfristiges Auslaufen der deutschen Kernkraftwerke mit Blick auf die Gewährleistung der Versorgungssicherheit und –qualität sowie hinsichtlich der Effekte für Strom- und CO2-Zertifikatspreise näher zu analysieren. Mit Blick auf die Außerbetriebnahme der sieben ältesten Kraftwerke ist zunächst fest-zuhalten, dass der deutsche Strommarkt auf die vergleichsweise schnelle Stilllegung der sieben ältesten KWK in naher Zukunft weitgehend vorbereitet war und schon aus diesem Grund aus der kurzfristigen Stilllegung dieser Anlagen keine signifikanten Prob-leme hinsichtlich Versorgungssicherheit oder Preisverwerfungen zu erwarten waren bzw. sind. In jeweils konservativer Annahme können nach den vorstehenden Analysen und Ab-schätzungen die folgenden Möglichkeiten zur alternativen Lastdeckung für verschiede-ne Zeithorizonte erschlossen werden:

  • Im derzeit betriebenen Kraftwerkspark sind – unter Berücksichtigung aller Nichtverfügbarkeiten und der notwendigen Reservekapazitäten – für den Fall der Abschaltung von Kernkraftwerken noch Kapazitäten von mindestens 8.700 MW verfügbar.
  •  Aus der Kaltreserve können deutschlandweit Kraftwerkskapazitäten von etwa 2.500 MW im Verlauf einiger Wochen bzw. Monate für die Stromproduktion ver-fügbar gemacht werden.
  •  Im Verlauf von ein bis zwei Jahren sollten in konservativer Schätzung nachfrageseitige Potenziale zur Spitzenlastreduzierung (in weniger als 50 Stunden des Jahres) von mindestens 2.000 MW erschlossen werden können.
  • Bis zum Jahr 2013 werden erhebliche Kraftwerkskapazitäten in Betrieb gehen, die sich derzeit im Bau befinden und deren Fertigstellung als gesichert angese-hen werden kann. Im Saldo mit den mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Netz ge-henden fossilen Kraftwerkskapazitäten werden mindestens zusätzliche Erzeu-gungskapazitäten von etwa 2.800 MW für die Bedarfsdeckung ab 2013 zur Ver-fügung stehen.
  • Für den Zeitraum bis 2020, vor allem in der Periode 2015 bis 2020, ist die Er-richtung von bis zu 5.000 MW zusätzlicher Kraftwerkskapazitäten vorstellbar (Ausbau der Biomasseverstromung, dezentrale Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung, sonstige Gaskraftwerke).
  • Insgesamt könnten mit den hier analysierten Maßnahmen Kraftwerkskapazitäten von insgesamt 21.000 MW substituiert werden, also etwas mehr als die installierte Netto-leistung der heute am Netz befindlichen Kernkraftwerke von insgesamt 20.500 MW.
  • Damit könnte sich ein beschleunigter Auslaufpfad für die deutschen Kernkraftwerke wie folgt gestalten lassen:
  •  Sehr kurzfristige Stilllegung der sieben ältesten Kernkraftwerke sowie des derzeit nicht betriebenen KKW Krümmel, ermöglicht durch die vorhandenen Reserven des Systems.
  •  Sehr kurzfristige Stilllegung von zwei weiteren KKW-Blöcken im Zuge der Aktivierung der Kaltreserven im deutschen Stromversorgungssystem.
  • Stillegung von vier weiteren KKW-Blöcken bis 2013 in Kombination mit Lastmanagement- Maßnahmen sowie der zusätzlichen Kapazitäten derzeit im Bau befindlicher und mit hoher Sicherheit ans Netz gehender Neubauprojekte.
  • Stillegung von drei weiteren KKW-Blöcken im zweiten oder ggf. dritten Drittel dieser Dekade, leistungsseitig kompensiert durch gesicherte Leistung von Neubauprojekten im Bereich Biomasse, KWK-Anlagen sowie anderen Erdgas- Kraftwerken.
  • Eine Kurzanalyse der Strom- und CO2-Preiseffekte nach der Ankündigung der Bundesregierung, etwa 40% der deutschen Kernkraftwerkskapazität kurzfristig vom Netz zu nehmen, zeigt deutlich erkennbare Preiseffekte dieser Ankündigung. Bereits am zweiten Handelstag nach der Ankündigung lassen sich jedoch auch wieder durchgängig rückläufige Preiseffekte identifizieren. Insgesamt lässt die Größenordnung der beobachteten Markteffekte den Schluss zu, dass die Preisänderungen sowohl auf den Strom- als auch den CO2-Märkten sehr begrenzt sind und letztlich in der Bandbreite der Preisschwankungen der letzten Monate und Jahre liegen. Optionen für ein beschleunigtes Auslaufen der deutschen KKW Öko-Institut 5 Insgesamt wäre mit den hier skizzierten Optionen unter Wahrung eines sehr hohen Niveaus der Versorgungssicherheit und –qualität sowie bei akzeptablen Kosten ein beschleunigter Ausstieg aus der Kernenergie umzusetzen, in dem das letzte deutsche KKW zwischen 2015 und 2020 abgeschaltet werden könnte.
  • <<<<< quelle und mehr: http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/2011_03_15%20WWF%20%C3%96I_KKW-Ausstieg.pdf 
  • und : http://www.wwf.de/presse/details/news/rascher_atomausstieg_geht_ohne_stromluecke_und_preisexplosion/

            >>>>mehr zum thema : http://www.spiegel.de/thema/energiewende/index.rss


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