LG Köln : Arzt, der vierjährigen Jungen beschnitten hat, beging Körperverletzung befand sich aber in nicht vermeidbarem Verbotsirrtum und war daher freizusprechen.

In einem sehr umstrittenen Urteil (LG Köln, Urt. v. 07.05.2012, Az. 151 Ns)   hat das OLG Köln entschieden, dass der angeklagte Arzt, der einen vierjährigen  Jungen auf Wunsch der muslimischen Eltern beschnitten hatte, den Tatbestand der Körperverletzung verwirklicht habe. Er habe sich aber in einem nicht vermeidbaren Verbotsirrtum befunden.

Der angeklagte Kölner Arzt, selbst frommer Muslim, hatte an einem vierjährigen Jungen auf Wunsch der islamischen Eltern  fachlich einwandfrei eine Beschneidung vorgenommen. Eine medizinische Indikation hat dabei nach den Feststellung des Gerichts nicht vorgelegen. . Zwei Tage später kam es  zu Nachblutungen. Die Mutter brachte den Jungen in die Kindernotaufnahme der Universitätsklinik Köln, wo die Blutungen gestillt werden konnten.

Die Staatsanwaltschaft bekam  Kenntnis von der Sache und erhob Anklage wegen Körperverletzung gegen den Beschneider. Das AG Köln sprach den Arzt in erster Instanu frei,  weil er wegen der religiösen Motivation der Eltern und deren Einwilligung schon kein Unrecht begangen habe. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung.

Die angerufene Strafkammer am LG verneinte in ihrem Urteil die Sozialadäquanz religiöser Beschneidungen und bejahte den Tatbestand der Körperverletzung. Das Handeln des Arztes sah das Gericht auch nicht durch die Einwilligung der Eltern gerechtfertigt. Es widerspreche dem Kindeswohl. Die Eltern hatten unter anderem argumentiert, dass sie dem Kind durch die Beschneidung eine soziale Ausgrenzung ersparen wollten. Dies wollten aber die Richter nicht gelten lassen.  Sie hoben stattdessen auf die irreversible Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit ab, die schwerer wiege.

Die   Grundrechte der Eltern auf freie Religionsausübung und ihr Erziehungsrecht stehen nach Ansicht des Gerichts nicht über dem  Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung. Die Rechte des Kindes würden dem  elterlichen Befugnissen eine verfassungsimmanente Schranke ziehen.  Die Beschneidung mit ihren dauerhaften und irreparablen Folgen laufe dem Interesse des Kindes zuwider, später selber über seine Religionszugehörigkeit zu entscheiden. Auch die Wertung der Vorschrift des § 1631 Abs. 1 S. 1 BGB , die Gewalt gegen Kinder verbiete, spreche gegen die Angemessenheit des Eingriffs.

Obwohl das LG das Verhalten des Beschneiders klar als rechtswidrig einstufte, sprach es ihn frei. Die Kölner Richter bescheinigten  ihm einen unvermeidbaren Verbotsirrtum nach § 17 S. 1 StGB. Der Arzt war offenbar davon ausgegangen, dass ihm die Beschneidung aus religiösen Gründen gestattet sei, er also rechtmäßig handele. Dieser Irrtum sei unvermeidbar gewesen, da zum Zeitpunkt des Urteils die Rechtslage unklar gewesen sei.

Wenn das Urteil Schule macht, werden sich allerdings Ärzte künftig nicht mehr auf einen Verbotsirrtum berufen können.

Das Urteil wird ausführlich dargestellt und besprochen bei  Legal Tribune Online

http://www.lto.de/recht/hintergruende/h/wegweisendes-urteil-religioese-beschneidungen-von-jungen-verboten/

Über die Reaktionen auf dieses Urteil werden wir noch gesondert berichten.

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Was sagt Wikipedia?

Die Zirkumzision (von lat. circumcido, rings abschneiden[1]), auch (männliche) Beschneidung ist die teilweise oder vollständige Entfernung der männlichen Vorhaut. Die Zirkumzision ist der weltweit häufigste chirurgische Eingriff. Er wird meist aus religiöser und kultureller Motivation durchgeführt, seltener als medizinische Behandlungsmaßnahme (vorrangig bei Verengung der Vorhaut). Außerdem empfiehlt die WHO den Einsatz auch als effiziente vorbeugende Maßnahme gegen die HIV-Ansteckung in Hochrisikogebieten.[2] Gegenwärtig sind schätzungsweise zwischen 25 %[3][4] und 33 %[5][6] der männlichen Weltbevölkerung beschnitten. Die Beschneidung gilt im Judentum als Gebot Gottes; im Islam wird sie zwar nicht im Koran erwähnt, ist jedoch im Rahmen der Sunna weit verbreitet.

Beschneidung ist umstritten, wenn auch nicht annähernd in einem Maße, das mit dem der universellen Ächtung der Beschneidung weiblicher Genitalien vergleichbar wäre. Im angelsächsischen Bereich wird schon länger eine gesellschaftliche Debatte geführt zwischen Gruppen, die sich dagegen einsetzen („Intaktivisten“-Bewegung)[7][8][9][10][11], und Gruppen, die Beschneidung befürworten.[12][13][14] Umstritten sind insbesondere medizinischer Nutzen und Risken, ethische und rechtliche Aspekte, sowie die Beurteilung im Hinblick auf die Menschenrechte.

Während in Deutschland die Beschneidung gesetzlich nicht explizit geregelt ist, geht die herrschende Meinung der Rechtswissenschaft davon aus, dass die religiös motivierte Zirkumzision Minderjähriger durch einen Arzt strafrechtlich unbedenklich ist.[15] Die in Teilen der Literatur vertretene Gegenmeinung, die eine strafbare Körperverletzung bejaht, hat in jüngerer Zeit an Zustimmung gewonnen. Das Landgericht Köln sprach im Mai 2012 ein Urteil, das dieser Auffassung folgte[16] und löste damit eine breite und teilweise international aufgenommene Debatte aus.

quelle und mehr: http://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumzision

Judentum

Hauptartikel: Brit Mila

Die Beschneidung Isaaks (Regensburg Pentateuch, zirka 1300; Israel Museum, Jerusalem)

Durchführung einer Brit Mila

Folgt man der Bibel (Gen 17,10–14 EU), so wurde die Beschneidung unter den Israeliten von ihrem mythischen Stammvater Abraham[18] eingeführt, der meist auf etwa 1800–1600 v. Chr. datiert wird. Neuere Forschungen nehmen an, dass erst unter Mose, also etwa 1400–1200 v. Chr. beziehungsweise erst während des Babylonischen Exils um etwa 600 v. Chr. die Juden diese Praktik übernahmen und ritualisierten. Dadurch wurde die Beschneidung von Neugeborenen (Brit Mila), die am achten Tag[19] nach der Geburt stattzufinden hat, zur Pflicht.

Die Beschneidung wird im Judentum als Eintritt in den Bund mit Gott angesehen. Diesen Bund ging Gott nach jüdischer Überlieferung mit Abraham (und seiner Familie) ein; daher wird der Beschneidungsbund auch als „abrahamitischer Bund“ bezeichnet. Die Juden berufen sich dabei auf das erste Buch Mose, in dem es heißt:

„Das aber ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinem Geschlecht nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden; eure Vorhaut sollt ihr beschneiden. Das soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und euch. Jedes Knäblein, wenn’s acht Tage alt ist, sollt ihr beschneiden bei euren Nachkommen. […] Wenn aber ein Männlicher nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut, wird er ausgerottet werden aus seinem Volk, weil er meinen Bund gebrochen hat.“

Gen 17,10–14 LUT

Im 12. Jahrhundert n. Chr. befürwortete der jüdische Arzt und Rabbi Moses Maimonides die Beschneidung auch wegen ihrer angeblich sexualtrieb-dämpfenden Wirkung:[20] Die Geschlechtsorgane sollten so verletzt und geschwächt werden, dass sie zwar noch funktionieren, aber keine „überschüssige“ Lust mehr zulassen.

In der jüdischen Geschichte war die Brit Mila einer der jüdischen Bräuche, die am stärksten verfolgt wurden. Unter nichtjüdischer Herrschaft stand auf das Beschneiden von Knaben oft die Todesstrafe, u. a. weil sie in der antijüdischen Polemik mit Kastration gleichgesetzt wurde. Dies war eine der Methoden, jüdisches Brauchtum zu unterdrücken in der Hoffnung, dass die Juden dann die Weltanschauung der Gesellschaft annehmen würden, in der sie lebten. Die Bibel überliefert in den nach jüdischem und protestantischem Verständnis als Apokryphen gewerteten Büchern 1. und 2. Makkabäer die älteste Quelle für eine derartige Unterdrückung; es handelt sich um den Versuch seitens Antiochos IV. Epiphanes, zu Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts das Judentum zu hellenisieren: „… Auch die Beschneidung verbot er und gebot, die Leute an alle Unreinheiten und heidnischen Bräuche zu gewöhnen, … Die Frauen, die ihre Söhne hatten beschneiden lassen, wurden getötet, wie Antiochos befohlen hatte; man hängte ihnen die Knäblein an den Hals in ihren Häusern und tötete auch sie, die sie beschnitten hatten.“ (1 Makk 1,51-64 EU) „Zwei Frauen nämlich wurden vorgeführt, weil sie ihre Söhne beschnitten hatten. Denen band man die Kindlein an die Brust und führte sie öffentlich herum durch die ganze Stadt und warf sie zuletzt über die Mauer hinab.“ (2 Makk 6,10 EU)

Auch unter dem Sowjetregime wurden die meisten jüdischen Knaben aus diesen Gründen nicht beschnitten.

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Islam

Muslimische Beschneidungszeremonie

Der Prophet Mohammed kam laut einer Überlieferung ohne oder mit einer sehr kurzen Vorhaut zur Welt. Die Beschneidung wird heute bei Muslimen als ein Zeichen der Religionszugehörigkeit im Kindesalter – bis zum Alter von 13 Jahren – durchgeführt. Oft wird aus diesem Anlass ein großes Familienfest gefeiert.

In manchen Ländern (z. B. der Türkei) werden Jungen im späteren Kindesalter beschnitten. Bei der aus diesem Anlass veranstalteten Familienfeier können sich islamische Elemente mit traditionellen Elementen mischen.

Die Beschneidung wird im Koran nicht explizit erwähnt und lässt sich lediglich aus der Anweisung, der Religion Abrahams zu folgen, ableiten:

„Sprich: ‚Was Gott sagt, ist die Wahrheit. Folgt dem Weg Abrahams, des Hanifen! Er glaubte innig an Gott, Dem er keine anderen Gottheiten zugesellte.“

– Koran 3:95

Die Beschneidung ist in der Sunna beschrieben. Sie wird heute von vielen als integraler Bestandteil des Islams angesehen; sie sei für die rituelle Reinheit (Tahāra) notwendig. Die Gültigkeit ritueller Handlungen, wie etwa des fünfmaligen täglichen Gebets (Salat), hängt von der rituellen Reinheit des Betenden ab.

Aussage Mohammeds in einem Hadith:

„Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete: Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: Zur Fitra (natürlichen Veranlagung) gehören fünf Dinge: Die Beschneidung (der Männer/Jungen), das Abrasieren der Schamhaare, das Schneiden der (Finger- und Fuß-) Nägel, das Auszupfen (bzw. Rasieren) der Achselhaare und das Kurzschneiden des Schnurrbarts.“

– Sahih Muslim: Buch 2, Nummer 495, 496[23]

Gleichwohl gilt die Beschneidung des männlichen Geschlechtsteils (= Entfernung der Vorhaut) vielen Muslims als Pflicht und wird in der Regel bei männlichen muslimischen Kindern schon frühzeitig – oft als Baby – von den Eltern in Auftrag gegeben. Bei später konvertierten Muslimen kann die Beschneidung durch eine Operation mit örtlicher Betäubung erfolgen. Es gilt als eines der Zeichen des Prophetentums, dass die Propheten bereits beschnitten – also ohne Vorhaut – geboren werden. Beschnitten zu sein kann interpretiert werden als ‚dem Vorbild der Propheten zu entsprechen‘.

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Nachtrag :

Stellungnahme des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

27.06.2012, 10:57 Uhr

» Angriff auf jüdisches Leben in Deutschland

Deutscher Koordinierungsrat hält Verbot der Beschneidung für verfassungswidrig und sieht Bedrohung der Grundrechte.

Der Deutsche Koordinierungsrat hält das Urteil des Kölner Landgerichts, das die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen als Körperverletzung bewertet, für verfassungswidrig.

Präsidium und Vorstand des Deutschen Koordinierungsrates erklärten heute:

„Die unveräußerlichen Grundrechte der Bundesrepublik Deutschland gewährleisten die ungestörte Religionsausübung‘ (Artikel 4 Grundgesetz). Die Beschneidung von jüdischen Jungen am achten Tag nach der Geburt ist ein biblisches ,Gebot an Mose vom Berg Sinai‘ und damit unaufgebbarer Bestandteil jüdischer Religionspraxis, mehr noch, sie ist Ausdruck des Bundes Gottes mit seinem Volk Israel.

Die Vornahme dieser Beschneidung zu kriminalisieren, bedeutet nichts anderes als jüdisches Leben in Deutschland grundsätzlich für unerwünscht zu erklären.“

Präsidium und Vorstand drückten ihre Hoffnung aus, dass das Urteil des Landgerichtes Köln (LG Köln, Urt. v. 07.05.2012, Az. 151 Ns 169/11) alsbald vom Bundesverfassungsgericht überprüft wird.

Sollte dieses die Grundrechte in Frage stellende Urteil, das ein vermeintliches Selbstbestimmungsrecht des Kindes in der Frage seiner Beschneidung über das Recht auf freie Religionsausübung stellt, nicht von höherer Instanz verworfen werden, wäre für ein religiös lebendes Judentum in Deutschland kein Platz mehr, so der Deutsche Koordinierungsrat, „ein einmaliger Fall auf der ganzen Welt“.

Zugleich versicherte der Deutscher Koordinierungsrat auch den Muslimen in Deutschland seine Solidarität in dieser existentiellen Frage.

Bad Nauheim, 27. Juni 2012

Präsidium und Vorstand

des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

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http://koordinationsrat.de/detail1.php?id=91&lang=de

KRM: Kölner Beschneidungsverbot ist ein massiver Eingriff in die Religionsfreiheit

Der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland, Ali Kizilkaya, kritisierte das Urteil des Landgerichts Köln zur Beschneidung von muslimischen Jungen auf das Schärfste. Das Kölner Beschneidungsverbot sei ein massiver Eingriff in die Religionsfreiheit und in das Elternrecht.

Kizilkaya sagte: „Das Urteil nimmt keinerlei Rücksicht auf die seit Jahrtausenden weltweit durchgeführte religiöse Praxis der Beschneidung von muslimischen und jüdischen Jungen. Handlungen, die wesentlicher Bestandteil von Islam und Judentum sind und als abrahamitische Tradition seit Jahrtausenden durchgeführt werden, werden damit in Deutschland kriminalisiert.“

Obwohl durch ein Gutachten festgestellt wurde, dass an der Art der Beschneidung der Arzt alle Regeln der ärztlichen Kunst befolgt hat, konnte er einer Verurteilung nur wegen der Annahme eines Verbotsirrtums entgehen. Fatal ist, dass das Gericht damit auch noch die Überprüfung des eigenen Urteils durch höhere Instanzen einen Riegel vorschiebt. „Wir können uns nicht vorstellen, dass solch ein Urteil vor höheren Gerichten Bestand haben könnte“ führte Kizilkaya hinzu.

Das Urteil führt zu Rechtsunsicherheit, schließlich ist in Deutschland seit Jahrtausenden die Beschneidung üblich und hatte aus gutem Grund keine strafrechtlichen Konsequenzen. Das Urteil wirft mehr Fragen auf, als dass es umfängliche Rechtssicherheit bietet. Zudem erweckt es den Eindruck, als ob der medizinische Eingriff ausschließlich einen gesundheitlichen Nachteil für den Jungen bedeuten würde – die internationale Forschung kommt jedoch genau zum umgekehrten Ergebnis.

Die dadurch entfachten Diskussionen werfen die Integration der Muslime um Schritte zurück, da sie entscheidend an der Ausübung ihrer Religion behindert werden, sollten sich die Ärzte dazu entschließen, Minderjährige nicht mehr zu beschneiden. Auch die Frage, ob man als Muslim überhaupt noch einen Platz in dieser Gesellschaft hat, werden sich viele Muslime angesichts solch massiver Eingriffe in die Religionsfreiheit stellen.

Der Koordinationsrat der Muslime wurde im März 2007 von den vier großen Dachverbänden DITIB, VIKZ, Islamrat und ZMD gegründet. Er organisiert die Vertretung der Muslime in Deutschland und ist Ansprechpartner für Politik und Gesellschaft

quelle: http://koordinationsrat.de/detail1.php?id=91&lang=de

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mehr zum thema:

Beschneidung – Streit um religiösen Brauch: Chaos nach Kölner Beschneidungs-Urteil
Das Kölner Urteil gegen religiöse Beschneidungen hat bei Muslimen und Juden Verbitterung und Verunsicherung ausgelöst. Islamverbände fordern ein Einschreiten der Politik. Kliniken lehnen Anfragen auf Beschneidung ab.
 
http://www1.wdr.de/themen/politik/beschneidung136.html
 
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8.7.2012
Eine Rabbinerin und Kinderurologin zum Beschneidungsurteil
„Wie wenn Sie Christen die Taufe verbieten wollten“

Das Landgericht Köln hatte Ende Juni die Beschneidung eines muslimischen Jungen als Körperverletzung gewertet. Vertreter der Kirchen kritisierten das Urteil scharf. Auch für die Bamberger Rabbinerin und Kinderurologin Antje Yael Deusel darf die Entscheidung so nicht stehenbleiben.

KNA: Frau Rabbinerin Deusel, eine rituelle Beschneidung kleiner Kinder soll jetzt in Deutschland als Körperverletzung strafbar sein. Wie bewerten Sie diese Gerichtsentscheidung?Deusel: Sie gilt zunächst für den Einzelfall, aber es ist davon auszugehen, dass sich andere Gerichte darauf beziehen werden. Insofern muss die Frage auf höchstrichterlicher Ebene noch einmal behandelt und entschieden werden. Das Urteil kann so nicht stehenbleiben…………

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Tritt die Kindstaufe in den meisten christlichen Kirchen an die Stelle der (Beschneidung bei Jungen)?

aus; Pfälzisches Pfarrerblatt, Tauftheologie heute

……………Als Bedeutung der Taufe nennt Calvin die Vergebung der Sünden und die geistliche Wiedergeburt. Diese werden in der Taufe abgebildet. Dem Wasser wird dabei eine „Ähnlichkeit mit diesen Dingen“ zugestanden, und somit ist es zur Repräsentation fähig. Die Vergebung der Sünden ist dann „eine Art von Bad, durch das die Seelen von ihren Flecken gereinigt werden, nicht anders als im Wasser der Schmutz des Leibes abgewaschen wird“. Ähnlich ist es mit der geistlichen Wiedergeburt: „Dieweil ihr Anfang die Ertötung unsrer Natur ist, ihr Ziel und Ende aber, dass wir neue Kreaturen seien, so wird uns das Bild des Todes darin vorgestellt, dass das Wasser über den Kopf gebracht wird, aber das des neuen Lebens darin, dass wir nicht unter das Wasser getaucht bleiben, sondern nur für einen Augenblick gleichsam wie ins Grab niedergehen, um alsogleich emporzutauchen.“…………………..

Anders als bei Luther geschieht bei Calvin in der Taufe kein als real verstandenes Sterben des „alten Menschen“, sondern es ist lediglich das Bild des Todes, das angeschaut werden kann. Es ist sozusagen ein heilswirkendes Drama, das erst dann real wirkt, „wenn der heilige Geist unsre Gewissen mit jenem heiligen Blute [Christi; M.S.] besprengt“. Auf die Frage des Lehrers, ob dem Wasser nicht doch etwas anderes zugeschrieben werden müsse, als dass es ein Bild der Abwaschung sei, antwortet der gelehrige Schüler, es sei „solchergestalt Bild, dass zugleich die Wahrheit daran geknüpft“ sei, denn Gott täusche uns nicht, wenn er uns seine Gaben zusage……..

Die Notwendigkeit (oder besser: die nicht notwendige Ablehnung) der Kindertaufe begründet sich bei Calvin dadurch, dass der „rechte Brauch der Taufe“ an „Glaube und Buße gelegen“ sei. Dabei sei es aber nicht nötig, dass Glaube und Buße „immer der Taufe vorhergehen, sondern sie werden nur von denen gefordert, die durch ihr Alter schon beider fähig sind. Es dürfte mithin genug sein, wenn die kleinen Kinder, nachdem sie herangewachsen sind, die Macht ihrer Taufe bekunden.“ (N. B.: In diesem Gedanken findet die Konfirmation ihre sachliche Begründung.) Jetzt spätestens ist der Lehrer mit der entscheidenden Frage gefordert: „Kannst du mir vernünftig darlegen, dass an dieser Sache nichts Sinnwidriges (absurdi) ist?“ Darauf die Antwort des Schülers: „Allerdings. Sofern mir zugegeben wird, dass der Herr nichts eingesetzt habe, was vernunftwidrig ist. Denn wiewohl Moses (Deut. 30,6) und alle Propheten (Jer 4,4), lehren, dass die Beschneidung Zeichen der Buße gewesen sei, sie auch, nach dem Zeugnis des Paulus (Röm. 6,4), Sakrament des Glaubens gewesen ist, sehen wir dennoch, dass er die kleinen Kinder von ihr nicht ausgeschlossen hat.“ Auf die Rückfrage des Lehrers: „Aber sind sie wohl aus dem gleichen Grunde, der bei der Beschneidung gegolten hat, jetzt zur Taufe zuzulassen?“, antwortet der Schüler: „Durchaus aus dem gleichen. Denn die Verheißungen, die Gott einst dem israelitischen Volke gegeben hatte, sind nun über den ganzen Erdkreis hin bekannt gemacht.“……………..

quele und mehr: http://www.pfarrerblatt.de/text_348.htm

mehr zum thema :  http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%A4ubigentaufe

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Die Kindstaufe als Akt der Befreiung von der Erbsünde

Augustinus und die Lehre von der Erbsünde

Der theologische Disput zwischen Augustinus und Pelagius ist symptomatisch für die spätere Diskussion um die Kindertaufe. In diesem Streit um die Sünde des Menschen und die Gnade Gottes ging es insbesondere um die Erbsünde und die Größe der Gnade Gottes. Dabei war für Augustinus die bestehende kirchliche Übung, auch kleine Kinder zu taufen, ein Beleg für das Vorhandensein ererbter Schuld. Der Glaube könne später dazutreten. Die Säuglingstaufe sei dabei besonders empfehlenswert, weil das unmündige Kind der heiligen Handlung noch keine widersetzlichen Gedanken entgegensetzen könne.[5]

Da die Säuglingstaufe als Ausdruck der Gnade angesehen wurde, verschärften sich in der Folge die Positionen. Die Kirche entschied sich nach einigem Schwanken für die augustinische Position und ordnete in der 4. Synode von Karthago 418 die Taufe von Kindern christlicher Eltern bald nach der Geburt an, „um sie der Gefahr der Verdammnis zu entreißen, die ihnen droht, falls sie ungetauft sterben …“ Ebenfalls ist dort von einer Art „Zwischenhimmel“ für ungetauft verstorbene Kinder die Rede.[6] Diese Lehre vom Limbus infantium wurde im Mittelalter noch weiter spezifiziert,[7] hat aber keine biblische Grundlage.

Auch die Deutung der Taufe als Sakrament, ein ebenfalls von Augustinus geprägter Ausdruck,[8] führte dazu, dass sich das Verständnis der Taufe vom bewussten Eintritt unter die Herrschaft Christi zu einem Heilswerk (opus operandum) wandelte, das vollzogen werden musste, um Anteil an der göttlichen Sphäre zu erlangen.

quelle : http://de.wikipedia.org/wiki/Kindertaufe

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In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau äussert sich der Theologe Thomas Lentes

über den Wandel im Verständnis von Körperzeichen und deren Legitimation, der durch das Kölner Urteil verdeutlicht werde………

…..Die medizinische und ästhetische Perfektionierung des Körpers – so Lentes -scheine zunehmend seine religiöse Perfektionierung zu verdrängen. Während Impfung, Tätowierung und Piercing kulturell akzeptiert seien, stünden die religiösen Mutilationen des Körpers unter Verdacht. Judentum und Islam treffe nun, was das Christentum bereits in den Debatten um das Kruzifix habe erleben müssen. So sehr dabei auf juristischer Ebene um die kulturelle Dominanz religiöser Zeichen gestritten wurde. Subkutan sei es dabei immer auch um die Körperlichkeit von Religion gegangen. Dann jedenfalls, wenn viele Klageführer mit der möglichen Traumatisierung von Kindern durch den Anblick eines geschundenen Körpers argumentieren. Dem Kölner Urteil wie vielen seiner Befürworter fehle es an einer kulturellen Selbstaufklärung und Toleranz…………………………..

http://www.fr-online.de/meinung/gastbeitrag-zur-beschneidungs-debatte-zwischen-kulturmarke-und-saekularisierung,1472602,16536300.html

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Eine Antwort zu LG Köln : Arzt, der vierjährigen Jungen beschnitten hat, beging Körperverletzung befand sich aber in nicht vermeidbarem Verbotsirrtum und war daher freizusprechen.

  1. Khyber Markhor schreibt:

    Leseempfehlung zum Thema Jungenbeschneidung:

    Blutige Neugeburt im afro­pa­zi­fi­schen Jägerbund
    Von Jacques Auvergne (2007)

    http://eifelginster.wordpress.com/2007/11/13/010/

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