Zum Gedenken an das Heppenheimer Gefecht vom 30.Mai 1849

foto: DSE Reporter Rudi Rastlos ; zur freien Verfügung

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gesehen in einer Parkanlage in der Heppenheimer Innenstadt:
Der Text auf dem Gedenkstein lautet:

Zum Gedenken an das Heppenhheimer Gefecht vom 30.Mai 1849

Für

Freiheit

Einheit und Demokratie

und

Verfassung Deutschlands

.

Gewidmet den Gefallenen
der badisch – pfälzischen Revolutionsarmee, die am
30. Mai 1849 bei
Heppenheim in dem Gefecht
mit hessichen Truppen für
die erste freiheitliche Verfassung Deutschlands ihr Leben
gaben.

Heppenheimer Geschichtsverein
Heppenheime Altstradtfreunde

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warum der Gedenkstein aufgestellt wurde:

http://www.bergstrasse.de/geschichtsverein-hp/Presse/P20090520-Gedenktafel.htm

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Hintergrundwissen : 

aus Wikipedia, Geschichte der Stadt Heppenheim (http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Stadt_Heppenheim)

Im „Vormärz“ und der deutschen Revolution der Jahre 1848/49 war Heppenheim mehrfach Schauplatz bedeutsamer Ereignisse. Am 10. Oktober 1847 trafen sich führende Vertreter der deutschen Freiheitsbewegung – unter ihnen Heinrich von Gagern, Paul Theodor Welker und Adam von Ittstein – im Hotel Halber Mond zur „Heppenheimer Versammlung“ und formulierten Ihre Forderungen nach einem deutschen Parlament, Garantie bürgerlicher Freiheiten und Grundrechte einschließlich Pressefreiheit, Öffentlichkeit der Gerichte und konstitutionellem Leben. Dies war der Auftakt der Revolution und zugleich einer der wichtigsten Stationen auf dem Weg zur deutschen Nationalversammlung, die am 28. März 1849 in der Frankfurter Paulskirche die Reichsverfassung verabschiedete. Aber wie der Beginn war auch das Ende der Revolution mit Begebenheiten verbunden, die sich zu einem wesentlichen Teil in Heppenheim zugetragen haben. An sich war die Revolution schon gescheitert, als am 3. April 1849 der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die ihm von der Nationalversammlung angebotene Kaiserkrone ablehnte. Noch aber war ihr Feuer nicht erloschen. Unter den verzweifelten Versuchen, die Revolution zu retten, nahm der „badische Aufstand“ einen besonderen Platz ein. Am 11. Mai 1849 meuterten badische Garnisonen in der Bundesfestung Rastatt. Rasch breitete sich der Aufstand aus; die demokratischen Volksvereine, von Anfang an Träger der Revolution in Baden, übernahmen die Regierungsgewalt. Da bildete sich am 24. Mai 1849 im heutigen Heppenheimer Stadtteil Oberlaudenbach eine (zuvor im badischen Unterlaudenbach verbotene) Versammlung mit 3.000 bis 5.000 Teilnehmern, die durch Vorbereitung eines militärischen Einfalles in das Großherzogtum Hessen mit der zusätzlichen Stoßrichtung Frankfurt am Main das Paulskirchenparlament und die Reichsverfassung zu retten versuchte. Darüber hinaus sollte versucht werden, die großherzoglich-hessische Armee oder zumindest Einheiten davon zum Überlaufen zu bewegen. Die hessische Regierung hatte drei Kompanien aus Heppenheim und Umgebung herbeigeordert und ihren um Vermittlung bemühten Regierungskommissar Prinz entsandt, der ein heftiges Streitgespräch mit dem Anführer der Revolutionäre Wilhelm Zimmermann führte. Plötzlich fielen aus der aufgebrachten Menge Schüsse und trafen Prinz tödlich. Dies führte zum Eingreifen der hessischen Soldaten, die entgegen allen Hoffnungen nicht die Fronten wechselten. In dem sich entwickelnden Gefecht wurden 13 Revolutionäre getötet und über 100 verletzt. Folgen dieses „Gefechtes von Oberlaudenbach“ war die Verkündung des Kriegsrechtes in Teilen der Provinz Starkenburg auf vier Wochen durch Verordnung vom 28. Mai 1849, aber auch eine abschreckende Wirkung auf das Bürgertum wegen der ausgebrochenen Gewalt und eine Schwächung der revolutionären Bewegung in Baden aufgrund der erwiesenen Fürstentreue der hessischen Soldaten insgesamt. Aber schon wenige Tage später kam es zum nächsten verhängnisvollen Gefecht. Noch immer versuchten die badischen Truppen, Unterstützung durch die hessischen Soldaten zu erlangen Das Hauptquartier des Stabes der großherzoglichen Truppen in den Unternehmungen gegen die revolutionäre Bewegung in Südhessen war im Hotel Halber Mond in Heppenheim eingerichtet. Als plötzlich die – falsche – Nachricht übermittelt wurde, badische Truppen seien zur Unterstützung der revolutionären hessischen Odenwälder im Anmarsch, nahm ein Geplänkel mit den badischen Revolutionstruppen den Charakter eines ernsthaften Gefechtes an. Von Heppenheim aus griffen die Hessen zunächst Unterlaudenbach an und nahmen dieses ohne großen Widerstand ein. Der weitere Vormarsch auf Hemsbach führte dann zu erbitterten Kämpfen, in denen die Badener den Hessen letztlich unterlagen. Diese „Schlacht von Heppenheim und Hemsbach“ (obwohl die wesentlichen und letztlich entscheidenden Kämpfe in Hemsbach stattfanden, sprechen Historiker vielfach auch einfach nur von der „Schlacht von Heppenheim“) war der Wendepunkt in der badischen Revolution, mit deren Zusammenbruch dann die revolutionäre Bewegung in Deutschland insgesamt erstickte.

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einen Abriss der Badischen Revolution finden Sie bei :

http://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Revolution

Auszug:

  • 29. Januar 1849: In Freiburg gründet Karl von Rotteck junior den Republikanischen Volksverein. Als Gegenbewegung ruft sein Cousin Bürgermeister Joseph von Rotteck mit anderen konstitutionellen Liberalen am 18. Februar zur Gründungsversammlung eines fürstentreuen Vaterländischen Vereins auf. Beide Vereine bekämpfen sich in einem verbissenen Propagandakrieg.
  • 20. März 1849: In Freiburg Prozess gegen Gustav Struve und Karl Blind im Basler Hof vor einem Schwurgericht. Zur Haftverbüßung der verhängten acht Jahre Zuchthaus bringt man die Verurteilten in die Festung Rastatt.
  • 9. Mai 1849: Im Zuge der Maiaufstände 1849, mit denen das Volk die Anerkennung der revolutionären Errungenschaften der Reichsverfassung in einzelnen Staaten des deutschen Bundes erzwingen will, meutern in der Bundesfestung Rastatt Soldaten der badischen Garnison und verbrüdern sich mit Teilen der revolutionären Bürgerwehr feierlich unter „Beschwörung der Treue und Liebe zum Volk“.
  • 11. Mai 1849: Verbrüderung der Republikaner mit dem 2. Badischen Infanterieregiment in Freiburg
  • 12./13. Mai 1849: Auf der Delegiertenkonferenz der badischen Volksvereine in Freiburg stellt Amand Goegg „die Frage über die Proklamation der Republik“, findet aber keine Zustimmung.
  • 13. Mai 1849: Eine Volksversammlung in Offenburg beschließt ein 16-Punkte-Programm, das u.a. die unbedingte Anerkennung der Reichsverfassung und die Bildung einer neuen – allerdings noch immer großherzoglichen – Regierung unter dem liberalen Politiker Lorenz Brentano fordert. Die amtierende großherzogliche Regierung lehnt die Forderungen der Offenburger Versammlung ab. Am Abend des 13. Mai fährt der revolutionäre Landesausschuss der Volksvereine nach Rastatt, wo Amand Goegg vom Balkon des Rathauses die Offenburger Beschlüsse verkündet und Brentano Bürgerwehr und Soldaten auf die Reichsverfassung vereidigt. Noch in der gleichen Nacht vom 13. zum 14. Mai flieht Großherzog Leopold aus seiner Residenz in Karlsruhe ins Exil nach Koblenz.
  • 14. Mai 1849: Das Ministerium Hoffmann / Bekk wird für abgesetzt erklärt und eine Exekutivkommission des Landesausschusses, der zunächst anstelle der geflüchteten großherzoglichen Regierung die Regierungsgeschäfte übernimmt, etabliert sich mit Amand Goegg, Joseph Ignatz Peter und Carl Joseph Eichfeldt unter ihrem Präsidenten Lorenz Brentano.
  • Mai 1849: Johann Philipp Becker wird mit der Schaffung und Organisation der Volkswehr beauftragt. Sein erster Tagesbefehl datiert vom 21. Mai.
  • 30. Mai 1849: Gefecht der Volkswehr gegen hessische Truppen bei Heppenheim.
  • 1. Juni 1849: Unter Lorenz Brentano wird eine provisorische demokratische Regierung gebildet, in der die konservativ-liberalen Kräfte dominieren; der Landesausschuss löst sich auf.
  • 5. Juni 1849: In Karlsruhe bildet sich unter der Führung des aus seiner Haft befreiten Struve und Becker ein „Klub des entschiedenen Fortschritts“ und fordert von der Regierung entschiedene revolutionäre Maßnahmen. Diese lässt die Delegation festnehmen, muss sie jedoch unter dem Druck der in der Stadt stationierten Freischaren wieder frei lassen.
  • Juni 1849: Der polnische Revolutionär Ludwik Mierosławski wird zum General der Revolutionsarmee ernannt. Bundestruppen unter dem Kommando des Generalleutnant von Peucker und mehrere preußische Armeekorps unter dem Prinzen von Preußen Wilhelm dringen in Baden ein, um die Revolution niederzuschlagen.
  • 15./16. Juni 1849: Siegreiche Gefechte der badischen Truppen an der Neckarlinie bei Mannheim, Käferthal, Ladenburg und Hirschhorn
  • 20. Juni 1849: Preußische Truppen erzwingen bei Germersheim den Rheinübergang
  • 21./22. Juni 1849: Gefecht bei Waghäusel, daraufhin Rückzug der badischen Truppen, um einer drohenden Umklammerung zu entgehen.
  • 25. Juni 1849: Gefecht bei Durlach bei dem Beckers Volkswehr den Rückzug der Armee auf die Murglinie deckt. Die Revolutionsregierung flieht nach Freiburg im Breisgau und mit ihr Einheiten der Revolutionstruppen.
  • 28. Juni 1849: Eine verfassunggebende Versammlung tagt im Basler Hof zu Freiburg. Auf Antrag Struves beschließt das Gremium, den Krieg gegen die Feinde der deutschen Einheit und Freiheit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln fortzusetzen. Darauf tritt Brentano als Regierungschef zurück, Amand Goegg bildet gemeinsam mit Kriegsminister Werner die „provisorische Regierung von Baden mit diktatorischer Gewalt“.
  • 29./30. Juni 1849: Verlustreiche Gefechte an der Murg (Gefecht bei Gernsbach am 29. Juni).[1] Ludwik Mierosławski ernennt Major Gustav Tiedemann aus dem Kreis um Struve zum Gouverneur der Festung Rastatt. Die revolutionären Einheiten ziehen sich nach Südbaden zurück. Das eingeschlossene Rastatt wehrt sich erfolgreich gegen die preußische Zernierung.
  • 1. Juli 1849: Ein letztes Aufgebot von etwa 4000 Mann marschiert in Freiburg an den Repräsentanten der Revolutionsregierung und ihrem Oberkommandierenden Franz Sigel vorbei.
  • 7. Juli 1849: Die Preußen rücken kampflos in Freiburg ein.
  • 9. Juli 1949 Die Bürgerwehr Sipplingen nimmt in Bodman Aufständische fest und überführt sie nach Pfullendorf.[2]
  • 12. Juli 1849 Die revolutionären Truppen überqueren bei Baltersweil und Konstanz die Grenze zur Schweiz und bitten um Asyl.[3]
  • 23. Juli 1849: Nach dreiwöchiger Belagerung wird die umkämpfte Festung Rastatt von preußischen Truppen eingenommen.

Die Revolution war gescheitert. Die badische Armee wurde aufgelöst und später unter preußischer Führung neu aufgebaut. Vielen Revolutionären gelang die Flucht ins Exil, darunter Struve, Brentano, Carl Schurz, Friedrich Engels, andere wurden verhaftet und vor Standgerichte mit preußisch-badischer Besetzung gestellt. Nach dem Fall Rastatts hatte das preußische Kommando Karl Alois Fickler den Bruder des badischen Agitators Joseph Fickler mit der Verteidigung der Angeklagten beauftragt.[4] Die Standgerichte verurteilten 27 Revolutionäre zum Tode durch Erschießen (darunter den letzten Festungskommandanten von Rastatt, Gustav Tiedemann) und verhängten gegen andere lange Haftstrafen in preußischen Gefängnissen.

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