Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung (relaunched)

Bei einem Symposium im Heppenheimer Haus der Kirche ist die ökumenische „Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung“ mit leichten Änderungen neu verabschiedet worden. Die gemeinsam vom Evangelischen und den Katholischen Dekanaten erarbeitete Stellungnahme wird jetzt auch vom Diakonischen Werk Bergstraße, vom Caritasverband, dem DGB-Kreisverband, dem GEW-Kreisverband, der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Orbishöhe sowie der Regionalstelle der Katholischen Betriebsseelsorge Rüsselsheim/Bergstraße unterstützt.„Das Problem der Armut ist nicht gelöst. Für uns ist die Heppenheimer Erklärung deshalb nach wie vor hoch aktuell“ sagte der Präses des Evangelischen Dekanats, Axel Rothermel, der das Symposium moderierte.  Der Text wurde vor allem deshalb  aktualisiert, weil die in der Heppenheimer Erklärung vom Oktober 2010 geäußerten Befürchtungen inzwischen eingetreten sind.  In der Passage „Es verletzt das Gerechtigkeitsempfinden, dass der Staat und damit die Steuerzahler für hochspekulative Kreditgeschäfte geradestehen, während zugleich Langzeitarbeitslosen der Renten- und Heizkostenzuschuss gestrichen werden soll“, heißt es jetzt zum Beispiel „… gestrichen worden ist.“„Niemand darf einfach durchs Raster fallen, niemand darf vergessen werden. Die Würde des Menschen hängt nicht von seiner Leistung ab. Es gibt keine Ungerechtigkeit auf Gottes Erde, die uns Christinnen und Christen nichts angeht“, sagte Dekanin Ulrike Scherf zum Anliegen des Symposiums, das konkrete Problem von Armut und Ausgrenzung in der Region
 
quelle und mehr: http://bergstrasse-evangelisch.de/aktuell/Aktuell%2012/aktuell12-175.html
 
Die neugefasste Erklärung im Wortlaut:
 
Gemeinsame Erklärung des Evangelischen Dekanats Bergstraße und der Katholischen Dekanate
Bergstraße unterstützt vom Diakonischen Werk Bergstraße, Caritasverband, DGB-Kreisverband, GEWKreisverband,
der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Orbishöhe und der Regionalstelle der Katholischen
Betriebsseelsorge Rüsselsheim/Bergstraße (Stand Oktober 2012)

 

Mehr Mut und Phantasie für Gerechtigkeit

Heppenheimer Erklärung gegen Armut und Ausgrenzung

Ausgehend von unserer christlichen Überzeugung der Gottebenbildlichkeit des Menschen
treten wir dafür ein, dass jeder Mensch in Würde leben und unabhängig vom Einkommen in
vollem Umfang am gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben teilhaben kann.
Wir appellieren an die politisch Verantwortlichen, allen Kindern unabhängig vom Einkommen
ihrer Eltern die gleichen Bildungschancen einzuräumen.
Wir sind der Ansicht, dass keine Generation auf Kosten der nachfolgenden leben darf –
weder in finanzieller noch in ökologischer Hinsicht.
Wir sind ebenso überzeugt: beim Sparen dürfen Gerechtigkeit und Menschenwürde nicht auf
der Strecke bleiben.
Die Schere zwischen arm und reich geht in Deutschland immer weiter auseinander.
Das hat in diesem Jahr auch eine Studie der Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und
Zusammenarbeit OECD  bestätigt.
Nicht nur die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Auch die Anzahl der
Reichen und die Anzahl der Armen nehmen stetig zu.
Einkommenspolarisierung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden vieler Menschen.
Es verletzt das Gerechtigkeitsempfinden, dass der Einkommenssteuersatz für
Gutverdienende von bis zu 52 Prozent im Jahr 1998 auf heute 43 Prozent gesunken ist,
während im gleichen Zeitraum immer mehr Menschen ein so geringes Einkommen haben,
dass sie auf ergänzende Hilfe zum Lebensunterhalt angewiesen sind, obwohl sie voll erwerbstätig sind.
Es verletzt das Gerechtigkeitsempfinden, dass der Staat und damit die Steuerzahler für
hochspekulative Kreditgeschäfte geradestehen, während zugleich Langzeitarbeitslosen der
Renten- und Heizkostenzuschuss gestrichen  worden ist.
Es verletzt das Gerechtigkeitsempfinden, dass Besserverdienende, die nach der Geburt
ihres Kindes zu Hause bleiben, weiter den Höchstbetrag des Elterngeldes bekommen,
während einer allein erziehenden Frau, die von Hartz-IV lebt, eine entsprechende
Unterstützung ersatzlos gestrichen worden ist.
Die Folgen dieser Entwicklung können wir bei uns täglich beobachten – etwa wenn
Menschen an den Tafeln in Bensheim, Bürstadt, Lampertheim, Rimbach oder Viernheim
Schlange stehen, um sich ausreichend mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen.
Als Christinnen und Christen wissen wir, vollkommene Gerechtigkeit kann es auf Erden nicht
geben. Doch es gibt Ungerechtigkeiten, die zum Himmel schreien, die das gesellschaftliche
Klima vergiften, die nicht hinnehmbar sind. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar.
Wer bei uns in einem insgesamt reichen Land Gerechtigkeit erfährt, wird sich leichter für
einen gerechten Umgang mit Menschen in den armen Ländern einsetzen können. Wir
fordern deshalb mehr Mut und mehr Phantasie für Gerechtigkeit – in Deutschland und weltweit.
Heppenheim, Oktober  2012

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Die Heppenheimer Erkllärung 2012 als pdf

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