Heppenheim 19.11.2012: Initiativgruppe Stolpersteine konstituiert sich / Bericht, ergänzt durch Literaturhinweise und Links

Am 19.11.2012 konstituierte  sich in der Gaststätte Kupferkessel die Initiativgruppe Stolpersteine

Diskutiert wurde,  nun auch in Heppenheim sogenannte Stolpersteine zu verlegen,mit denen an einst in Heppenheim lebende Juden erinnert werden soll. Verwiesen wurde darauf, dass in Zwingenberg und  in Bensheim aber auch in vielen anderen Städten im In- und Ausland derartige Steine verlegt wurden und dass man damit überwiegend gute Erfahrungen gemacht habe. Heppenheim habe dagegen einen Nachholbedarf bei der Aufarbeitung der Nazivergangenheit und speziell was die Aufarbeitung der  Schicksale der jüdischen Mitbürger anbelange. Andere Teilnehmer wiesen darauf hin, dass in Heppenheim die Thematik bereits literarisch aufgearbeitet worden sei. Erwähnt wurde immer wieder das Buch von Wilhelm Metzendorf, Geschichte und Geschicke der Heppenheimer Juden, das ggf. als Grundlage dienen könnte, neuere Erkenntnissse müssten aber berücksichtigt werden. Ausserdem stünde eine Broschüre zur Verfügung, in der das Schicksal der Familie Sundheimer von Frau Exner beschrieben werde. Es gebe auch ein Stadtarchiv. Und es gäbe den Geschichtsverein. Andere Teilnehmer hielten zunächst einmal gründliche eigene Recherchen für notwendig. Ein Teilnehmer warnte davor, sich nicht zu verzetteln. Das Thema Bebauung des Synagogengeländes sei noch lange nicht vom Tisch. Die Bebauung  müsse verhindert werden. Darauf solle das Hauptaugenmerk liegen. Weitgehend Konsens war, dass es mit einem Stein ( oder bei Familien mit 1 Stein pro Person) nicht getan sei, auf dem nur wenige Daten stehen werden. Wichtig sei der Prozess, der zur Verlegung eines Steins führe. Das Projekt Stolpersteine – so wurde von einem Teilnehmer betont – müsse aus der Mitte der    Gesellschaft kommen. Ein Lehrer aus der Odenwaldschule wies darauf hin, dass man an der Schule über ehemalige Schüler und Mitarbeiter jüdischen Glaubens geforscht, deren Schicksal versucht habe, nachzuvollziehen und mit noch lebenden Angehörigen in Kontakt zu treten. Auch an anderen Schulen gibt es wohl Projekte von engagierten Lehrern und Schülern, wie berichtet wurde. Offen ist wohl noch, wer einen Stein bekommen solle . Nur die jüdischen    Mitbürger, die umgekommen sind oder auch diejenigen die es geschafft haben, das Land rechtzeitig zu verlassen? Sollte man ggf auch Euthanasieopfer ins Gedächtnis zurückrufen? Was ist mit ehemaligen Zwangsarbeitern, die es auch gegeben hat? Es gab auch eher grundsätzliche Kritik an den Stolpersteinen, die möglicherweise eine eher ritualisierte Form des Sicherinnerns seien. Sie hätten mittlerweile ihre provokante Wirkung verloren, seien bereits gesellschaftlich akzeptiert. Sie seienmöglichrweise  nicht in der Lage, diejenigen in unser kollektives Bewusstsein zurückzuholen, die vom NAZI Regime ausgegrenzt wurden. Auch müsse man sich darüber Gedanken machen, wer die Adressaten der Stolpersteine sein sollen und wie diese aufgenommen werden. Die ganz übrwiegende Mehrheit der Anwesenden war allerdings fest entschlossen, das Projekt Stolpersteine zügig anzugehen. Ggf könnten die Steine ja auch nach und nach verlegt werden.

Für Anfang 2013 ist ein weiteres öffentlches Treffen geplant mit einem Referenten
aus Bensheim, der über die dortigen Erfahrungen bei der Umsetzung eines vergleich-
baren Projekts informieren soll.

Wir bleiben am Ball und werden berichten.

Wer mit dem Arbeitskreis Stolpersteine in Kontakt treten möchte kann dies tun über

sabinefraune@web.de

Mitstreiter sind willkommen.

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Eine – sicher unvollständige –  Liste mit Literatur, Zeitungberichten, Links zum Thema (zusammengestellt von ffduseh) soll dem geneigten Leser eine Anregung sein, selbst weiter zu forschen:

Die Novemberpogrome 1938
– bezogen auf die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch (Reichs-)Kristallnacht oder Reichspogromnacht genannt – waren vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich.
Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben.[1] Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört.[2] Ab dem 10. November wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.
Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust an den europäischen Juden im Machtbereich der Nationalsozialisten mündete.[3] mehr bei wikipedia_novemberprogrome

Die Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben
Die Judenvermögensabgabe war eine willkürliche Sonderabgabe, die deutsche Juden in der Zeit des Nationalsozialismus leisten mussten. Nach dem Attentat auf den deutschen Legationssekretär Ernst Eduard vom Rath und den Novemberpogromen 1938 verlangte Hermann Göring eine Kontributionszahlung von einer Milliarde Reichsmark (RM) als „Sühneleistung“ für „die feindliche Haltung des Judentums gegenüber dem deutschen Volk“. Die Verordnung über eine Sühneleistung der Juden deutscher Staatsangehörigkeit (RGBl. I S. 1579) vom 12. November 1938 war von Hermann Göring unterzeichnet, dem 1936 eine Generalvollmacht zum Erlass von Rechtsverordnungen erteilt worden war.[1]
Am selben Tag wurde auch die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben erlassen, drei Wochen später die Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens. mehr bei wikipia_judenvermögensabgabe

Dr. Fritz Kilthau
Als die Synagogen brannten, Die Reichsprogromnacht 1938 im Kreis Bergstraße, herausgegeben vom Arbeitskreis Zwingenberger Syxnagoge e.V., 3. Auflage, März 2011

Wilhelm Metzendorf
Geschichte und Geschicke der Heppenheimer Juden, Geschichtsblätter Kreis Bergstrasse,
Sonderband 5, Lorsch 1982, S. 203ff  zum katalog der stadtbibliothek/findus.

Wolf-Arno Kropat
Kristallnacht in Hessen, Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, Wiesbaden 1988, zum katalog der stadtbibliothek/findus2

Margarete Exner
Die Sundheimers- Schicksale einer jüdischen Familie aus einer deutschen Kleinstadt –
in: „Zum Beispiel Heppenheim – Schicksale einer jüdischen Familie“, Materialdienst  evangelischer Arbeitskreis Kirche und Israel in Hessen und Nassau, Heppenheim 2000; Restexemplare bei der Christuskirche erhältlich

Margarete Exner
Die Sundheimers- Von den Schicksalen einer jüdischen Familie aus einer deutschen Kleinstadt –
in: „Zum Beispiel Heppenheim – Schicksale einer jüdischen Familie“, Geshichtsblätte Kreis
Bergstraße, Band 33, Heppenheim 2000, S. 273ff

Schülerwettbewerb, Alltag im Nationalsozialismus /
Thema : Reichskristallnacht im Kreis Bergstraße

Bregler, Klaus:
Die jüdischen Schüler der Odenwaldschule 1910 bis 1934  ; verfügbar als pdf auf dem Server der Schule :  link: http://www.odenwaldschule.de/home/geschichte/archiv/literatur.html

Shirley, Dennis ,
Reformpädagogik im Nationalsozialismus , Die Odenwaldschule 1910 – 1945                                                                                                                Beltz-Verlagsgruppe

Der Band beschreibt die Leitung der Odenwaldschule durch Paul Geheeb nach der Machtergreifung der Nazis 1933 und analysiert die sich daraus ergebende Situation. Er schildert den Konflikt zwischen Geheeb und den Nazis, die Spaltung der Odenwaldschule und das spätere Schicksal der „Gemeinschaft der Odenwaldschule“ und der „Ecole d’Humanité“.

Metzendorf, Peter,
Laß den Jüngsten Kaufmann werden, in: Erika Hertl (Hrsg), Heppenheimer Geschichten, 1989

Zitat1 : „Mein Vater und der jüdische Kaufmnann Jacob Mainzer waren  beide 1874 geboren. Das hat mit dazu beigetragen, daß ich 1924 eine kaufmännische Lehr bei Mainzer anfangen konnte. Mainzer führte ein Möbelhaus, in dem er Möbel aus der eigenen Wekstatt verkaufte. Gleichzeitig hatte er Damenwäsche im Sortiment….“ ……..Zitat 2:“…. Ab dem esten April 1933 wurden alle jüdischen Geschäfte boykottiert….. “   Zitat 3 .“..1935 meldete Mainzer sein Geschäft ab….“ ……………….(Metzendorf a.a.O., Seite 83)

Löffler, Margret, geb. Friedrich
Denke oft und gern an Deine Freundin Berthl Stern, in: Erika Hertl (Hrsg), Heppenheimer Geschichten, 1989

Zitat: ……Im Stenografenverein gabe es immer wieder Wettschreib-Übungen, für die Bethl und ich eifrig trainierten. Unser Stenolehrer, der mit den Nazis nichts zu schaffen hatte, hieß Walter Plenk. Eines Tages, als wir alle schon sehr konzentriert mit dem Bleistift in der Hand dasaßen und auf den ersten Satz warteten, sagte der Lehrer bedrückt: Berthl,du kannst nicht mitschreiben“. Erst fiel sie aus allen Wolken und dann weinte sie und fragte nach dem Warum. “ Berthl, wir sind ein deutscher Stenografenverein, und weil du keine Deutsche bist, darfst du jetzt nicht mehr mitschreiben.“……….Löffler, a.a.O., Seite 71ff…..

Kuhn,Fritz
Aufstieg und Niedergang der „Bewegung“
Versuch einer Annäherung (1918-1945)
in: 1250 Jahre Heppenheim,  Verkehrs- und Heimatverein unter Mithilfe des Geschichtsvereins und mit finanzieller Unterstützung durch die Kreisstadt Heppenheim, Heppenheim 2005

Zitat: …“ Als Wolfgang Paechnatz, Pfarrer an der evangelischen Christuskirche im Westen Heppenheim, in einer Feierstunde zum Volkstrauertag 1973 den seinerzeit durchaus noch gebräuchlichen Begriff  „Heldentod“ in Frage stellte, mußte er sich vieler entrüsteter Anfrufer erwehren. Paechnatz‘ kritischer Einwand war vor dem Ehrenmal am Graben geäußert worden, mithin an jener Stätte, an der Heppenheim seiner Kriegsopfer gedenkt……“ Kuhn, a.a.O. , Seite 225 f)…

Jost, Harald E.
Die Jüdische Gemeinde Heppenheims und ihr prominentestes Mitglied Martin Buber
in: 1250 Jahre Heppenheim,  Verkehrs- und Heimatverein unter Mithilfe des Geschichtsvereins und mit finanzieller Unterstützung durch die Kreisstadt Heppenheim, Heppenheim 2005

Zitat: „…Das katholisch geprägt Heppenheim, in dem politisch die Zentrumspartei das Sagen hatte, war in den 1890er Jahren vom politischen Antisemitismus verschont geblieben, und auch die Nationalsozialisten und ihre antijüdische Agitation fanden zunächst wenig  Zuspruch. Das änderte sich nach Hitlers Machtübernahme rasch. Nicht nur Bürgermeister Schiffers, als Zentrumsmitglied gewählt und seit 1925 im Amt, bekannte sich nun eifrig zur „nationalen Erhebung“. Und auch der bislang eher im verborgene gebliebene Antisemitismus wurde nun offener ausgelebt……….“  Jost, a.a.O., Seite 158

Wirth, Werner
Ergänzendes Nachwort zu Kapitel 15 „Die große Tragödie“
und Versuch einer Deutung;
in Wilhelm Metzendorf, Geschichte und Geschicke der Heppenheimer Juden (siehe oben)

Munk, Georg
alias: Paula Judith Buber
Muckensturm, Ein Jahr im Leben einer kleinen Stadt
mit einem Nachwort von Judith Buber Agassi, LIT Verlag, Berlin 2008

………In diesem Roman, der am Tag nach dem Reichstagsbrand beginnt, holt die geschichtliche Umwälzung aus dem Wesen des Ortes in die Handlung und das Schicksal, was an verhohlener Fragwürdigkeit, aber auch manches, was an Bekennnerturm und Tapferkeit in ihm schlummerte. Im Getümmel des Provinznestes wird der historische Mückensturm wie in einem Taschenspiegel aufgefangen. Doch nciht der Geist der hoffnungsbaren Satire waltet hier, sonder des wahren Humors, der auch alles Widrige mit aufnimmt in seine große Sicht und Zuversicht………  ( Text auf dem Buchcover)

Hoffmann, Volker
Die Verfolgung der NS-Verbrechen in Heppenheim
in:  Die Starkenburg, Blätter für Heimatkunde und Heimatpflege,  2 / 2010
http://www.bergstrasse.de/geschichtsverein-hp/

AKG Bensheim

17. November 2012: Verbeugung vor den Opfern des Nazi-Terrors
Schülerinnen und Schüler des AKG halfen unter Leitung von Studienreferendar Alexander Regel bei der Recherche für die Verlegung der Stolpersteine am 16. November 2012. Mit ihnen soll an die Opfer des NS-Terrors gedacht werden….mehr:  AKG Pressearchiv

Juden in Gross Gerau,
eine interaktive Spurensuche
http://www.erinnerung.org/gg/index.htm

über das schwierige Verhältnis von Christen und Juden

Micha Brumlik,
Martin Luther und die Juden, eine politologische Betrachtung
als pdf auf dem server der EKHN

über die Deutschen Christen

Die Deutschen Christen (DC) waren eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen von 1932 bis 1945 an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte.

Sie wurden 1932 als eigene Kirchenpartei gegründet und gewannen 1933 die Leitung einiger Landeskirchen in der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK). Mit ihrer Gleichschaltungspolitik und dem Versuch, durch die Übernahme des Arierparagraphen in die Kirchenverfassung Christen jüdischer Herkunft auszuschließen, lösten sie den Kirchenkampf mit anderen evangelischen Christen aus. Diese gründeten daraufhin 1934 die Bekennende Kirche, die die DC als Häretiker betrachtete und aus der Kirchengemeinschaft ausschloss  —-   > quelle und mehr: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen

über die Bekennende Kirche

Die Bekennende Kirche (BK) war eine Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen Versuche einer Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) in der Zeit des Nationalsozialismus. Solche Versuche unternahmen bis 1934 die „Deutschen Christen“, dann staatlich eingesetzte Kirchenausschüsse und teilweise direkte Staatskommissare, die die Kirchenvertreter absetzten.

Die Bekennende Kirche reagierte darauf mit einer Abgrenzung ihrer Lehre, Organisation und Ausbildung, später auch mit politischen Protesten. Sie beanspruchte seit ihrer Gründung im Mai 1934, die einzige rechtmäßige Kirche zu sein, und schuf sich mit einem kirchlichen „Notrecht“ seit Oktober 1934 eigene Leitungs- und Verwaltungsstrukturen (Kirchenkampf). Ihre Pastoren konnten sich aber in vielen Landeskirchen als offizielle Beamte der DEK halten (besonders in den relativ unabhängigen Kirchen in Württemberg, Bayern und Hannover). Die BK verstand sich von Anfang an vor allem als eine kirchliche Bekenntnisbewegung, die sich gegen staatliche Übergriffe zur Wehr zu setzen versuchte (Barmer Erklärung von 1934, bes. These II und V). Auch wenn sie den Nationalsozialismus als Ideologie formell seit 1934 als unchristliche Irrlehre verurteilte (Barmer Erklärung), bildete sie als BK keine einheitliche politische Opposition gegen das NS-Regime.   …..http://de.wikipedia.org/wiki/Bekennende_Kirche

über das bundesweite Projekt Stolpersteine
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden in der Regel vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer niveaugleich in das Pflaster des Gehweges eingelassen….mehr:  wikipedia

zur geplanten Bebauung des Synagogengrundstücks (ffduseh 03.11.2010)

Mit Bestürzung haben Heppenheimer Bürgerinnen und Bürger und die Initiativgruppe zur Erhaltung des Geländes der ehemaligen Synagoge davon erfahren, dass die Eigentümer des Grundstücks der ehemaligen Synagoge am Starkenburgweg eine neue Bauvoranfrage eingereicht haben. In der ersten Jahreshälfte 2010 haben über 1000 Bürgerinnen und Bürger den »Aufruf zur Erhaltung des Denkmals ehemalige Heppenheimer Synagoge« unterschrieben und sich gegen eine Bebauung des Synagogengrundstücks und dessen Umfeld ausgesprochen. Die Stadtverordnetenversammlung hat sich einstimmig diesem Aufruf angeschlossen..mehr auf ffdusehs weblog

über andere Opfer des NAZI Regimes
Endstation Hadamar. Bergsträsser Opfer der NS-Rassenpolitik. Sulzbach-Rosenberg 2008, 141 Seiten DIN A 4, ISBN 978-3-000-23698-3

  • Hadamar“ symbolisiert heute die Krankenmorde wie „Auschwitz“ den Holocaust.
  • Zwischen März und Mai 1941 wurden 240 Patientinnen und Patienten der damaligen Heppenheimer „Landesheil- und Pflegeanstalt“ nach Hadamar gebracht. Dort wurden sie in der Gaskammer umgebracht. Heppenheim war ab 1940 Teil der aus Berlin zentral gesteuerten Mordaktion der Nationalsozialisten, bei der kranke Menschen aus „rassehygienischen“ Gründen systematisch getötet wurden.
  • Auf der Grundlage umfassender Archivrecherchen konnten wir insgesamt sechsunddreißig aus Bensheim stammende Euthanasieopfer feststellen, davon achtzehn Männer (davon 3 verh.) und achtzehn Frauen (davon 7 verh.). Die ältesten Opfer waren zwei Männer der Jahrgänge 1865 und 1872. Die beiden jüngsten Opfer wurden 1923 bzw. 1920 geboren. Auf das Schicksal des jüngsten Opfers, Philipp L., gehen wir in einem eigenen Kapitel ausführlich ein.
  • Die Geschichtswerkstatt hatte Dr. Hartmann -den Leiter des heutigen Zentrums für soziale Psychiatrie in Heppenheim- bereits frühzeitig von ihrem Forschungsprojekt informiert und in ihm einen interessierten sachkundigen Berater gefunden. Es lag den Autoren der Geschichtswerkstatt sehr daran, auch die Gegenwartsdimension zu berücksichtigen: Wie gehen wir heute mit psychisch und physisch kranken Menschen um? Was haben wir den NS – Mechanismen von Unterdrückung und Ausgrenzung kranker und behinderter Menschen entgegenzusetzen? Auch dazu baten wir Dr. Hartmann um einen Beitrag für die vorliegende Veröffentlichung.
  • http://lakk.bildung.hessen.de/netzwerk/geschichtswerkstatt/hadamar/index.html

Wer Vater und Mutter nicht ehrt, der muß ins Tonwerk!“ Ein Heppenheimer Unternehmen und seine Zwangsarbeiter. (Diese Forschungsarbeit wurde mit einem Vorwort des damaligen Kultusministers Holzapfel als Buch veröffentlicht. Wiesbaden 1999. 221 Seiten DIN A 4, ISBN 3-88327-408)

Die Veröffentlichung der „Projektgruppe Tonwerk“ der Geschwister-Scholl-Schule Bensheim unter der Leitung von Peter Lotz und Franz Josef Schäfer basiert auf einem Aktenfund ehemaliger Schüler im Verwaltungsgebäude der stillgelegten Fabrik „Tonwerk Heppenheim Fritz Strauch & Co.“

  • Zentrum der Publikation bilden die Darstellung der Lebensweise, Arbeitsbedingungen und Übergriffe gegenüber den ehemaligen Zwangsarbeitern im Stammwerk Heppenheim und den Zweigwerken Bensheim, Frankfurt/Main und Bad Vilbel-Massenheim. Recherchen zum Schicksal der schwangeren Ostarbeiterinnen und ihrer Kinder sowie der jüdischen Zwangsarbeiter.
  • Neben dem Aktenfundus wurden die Entnazifizierungsakten der Firmeninhaber, Meister und Betriebsleiter der Untersuchung zugrunde gelegt.
  • Darstellung der Werksgeschichte, der Produktionsabläufe und Einbettung in die Wirtschafts- und Zwangsarbeiterpolitik des NS-Regimes.
  • Exkurs zur Haltung der Bevölkerung gegenüber dem NS-Regime und zu den Zwangsarbeitern.
  • Auswertung von Interviews mit Heppenheimer Zeitzeugen, ehemaligen Arbeitern im Tonwerk, den Söhnen der Firmeninhaber und ehemaligen Zwangsarbeiterinnen.
  • Im Anhang wird eine Unterrichtseinheit zur Thematik dokumentiert, verfasst von Stefan Mitze. Diese Unterrichtseinheit enthält auch die verwendeten Materialien.
  • http://lakk.bildung.hessen.de/netzwerk/geschichtswerkstatt/tonwerk/index.html

Displaced Persons in den Lagern Bensheim und Auerbach. Vgl.: „Displaced Persons“ in Bensheim und Auerbach 1945-1950. Eine Dokumentation des Leistungskurses Geschichte, Jahrgangstufe 12, Geschwister-Scholl-Schule Bensheim 1997

  • Als die Alliierten 1945 Deutschland besetzten, fanden sie im späteren Gebiet der drei westlichen Besatzungszonen etwa 7-8 Millionen „Displaced Persons“ (DPs) vor, also Personen, die in Folge des Zweiten Weltkriegs aus ihrer Heimat durch Kriegseinwirkungen und deren Landsleute geflohen, verschleppt oder vertrieben worden waren, z. B. Kriegsgefangene, ausländische Zwangsarbeiter, ehemalige Konzentrationslagerhäftlinge und Osteuropäer, die 1944 vor der sowjetischen Armee geflüchtet waren.
  • Ihre Repatriierung in die Herkunftsländer erwies sich als außerordentlich schwierig, nicht selten sogar als unmöglich, beispielsweise bei osteuropäischen Juden: Ihre Gemeinden waren weitgehend zerstört, der Antisemitismus noch stark verbreitet. Diese vergleichsweise kleine Gruppe von etwa 150 000 Menschen stellte die Alliierten vor unlösbar erscheinende Probleme, da sie keineswegs repatriiert werden wollten und eigene Lager forderten. Sie wollten verständlicherweise nicht- wie bei Kriegsende häufig- mit Nazi-Kollaborateuren, freiwilligen Soldaten der Waffen-SS aus allen Teilen der von den Nazis besetzten Gebieten, ja sogar KZ-Bewachern gemeinsam in einem Sammellager untergebracht werden.
  • Die von den Alliierten bereits während des Krieges im Rahmen der Vereinten Nationen gegründete Flüchtlingsorganisation UNRRA (United Nations Relief und Rehabilitation Administration) übernahm die Aufgabe, die DPs in Sammellagern unterzubringen, zu verköstigen und zu bekleiden. Im Kreis Bergstraße wurden in Lampertheim (1945), Lindenfels und Bensheim (Juli 19461949) Lager für jüdische DPs eingerichtet. Wie die anderen Lager in der US-Zone waren auch sie als Durchgangsstationen bis zur erhofften, häufig aber nicht oder zum Teil mit großer Verzögerung erteilten Einreisegenehmigung nach Palästina oder in die USA gedacht. Das letzte Lager für jüdische DPs konnte so erst 1957 aufgelöst werden.
  • Der Leistungskurs Geschichte der Geschwister-Scholl-Schule (Jahrgangstufe 12, Schuljahr 96/97) hat sich zunächst vorrangig bemüht, Informationen zum jüdischen DP-Lager in Bensheim zusammenzutragen, um die Ausstellung EIN LEBEN AUFS NEU (eine Zusammenstellung von Orginalfotos aus dem jüdischen DP-Lager Frankfurt-Zeilsheim) die im Rathaus Bensheim vom 17. April bis 4. Mai 1997 gezeigt wurde, durch Dokumente aus dem Bensheimer/Auerbacher Raum zu ergänzen. Dazu wurden von uns zahlreiche Zeitzeugen befragt, Fachliteratur und verschieden Archive ausgewertet.
  • Die nachfolgende Dokumentation enthält nach sachanalytischen Überlegungen vor allem Berichte über das Lager für jüdische DPs in Bensheim und das „allgemeine“ DP-Lager in Auerbach.
  • http://lakk.bildung.hessen.de/netzwerk/geschichtswerkstatt/displaced/index.html

Projektgruppe Ernst Schneider: „Ernst Schneider-ein Wegweiser?“. Beitrag zum Wettbewerb „Protest in der Geschichte“ um den Preis des Bundespräsidenten 1999. (4.Preis). Dieser Beitrag wurde in gekürzter Form unter dem Titel „Ernst Schneider – Ein Schicksal im Dritten Reich“ veröffentlicht in: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße, Bd. 34, Heppenheim 2001  //   siehe auch Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl Schule:

  • Nach Ernst Schneider ist 1945 in Heppenheim eine Straße benannt worden. Schneider, geb. 1914, wurde 1943 vom Reichskriegsgericht Berlin wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und 1944 in Tegel hingerichtet.
  • Schneider war Fernmeldesoldat in Berlin. Aufgrund seines Wissens über die Lage an der Front äußerte er in einem Berliner Chinarestaurant, für die Besucher klar vernehmbar, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen und Hitler ein Verbrecher sei. Ein Kriegskamerad Schneiders denunzierte ihn.
  • Grundlage für den Beitrag waren die Prozessakten, Briefe von und an Ernst Schneider vor und während der Haft, sein Abschiedsbrief und Interviews mit seinen Verwandten und Freunden.
  • Darstellung der Person: Charakter, Sozialisation, politische Position; Aufarbeitung der Widerstandsproblematik und diesbezügliche Verortung Ernst Schneiders.
  • Rekonstruktion der Biografie des Denunzianten auf der Grundlage von dessen Entnazifizierungsakte im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden und einem von ihm 1934 veröffentlichten Roman: Jugend in Not.

Beitrag der Leistungskurse 12 Geschichte der Geschwister-Scholl-Schule Bensheim beim Wettbewerb deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten 1998/98: Aufbegehren, Handeln, Verändern. Protest in der Geschichte. Leitung: Peter Lotz / Franz Josef Schäfer

http://lakk.bildung.hessen.de/netzwerk/geschichtswerkstatt/schneider/index.html

zu Ernst-Schneider siehe auch: Ein Opfer des Nationalsozialismus, Die Ernst-Schneider-Straße und die Gründe, die für ihren Namen den Ausschlag gegeben haben auf:  www.echo-online.de/

Emig, Alfred ,  Der Russenstein

Der Russenstein in der Grünanlage am Graben nahe beim Ehrenmal für die Gefallenen von 1870/71 kündet davon, dass in Heppenheim Kriegsgefangene aus zahlreichen Ländern festgehalten und hier auch zu Tode gekommen sind. Auf dem Findling ist eine Bronzetafel mit folgender Inschrift angebracht: “ Zum Gedächtnis an die im Weltkrieg 1939-1945 und insbesondere in folge des Fliegerangriffs auf Darmstadt und Heppenheim verstorbenen Soldaten aus Rußland, Polen, Jugsolawien, Italien, Griechenland und Frankreich, die bis zur Umbettung auf den großen Ehrenfriedhof in Auerbach im Jahre 1955 unweit don dieem Plaze, ihre vorübergehende Ruhestätte gefunden haben“……..mehr zum thema Kriegsgefangene bei  : Alfred Emig, in: Erika Hertl, Hrsg, Heppenheimer Geschichten Band 2 , 1997; Seite 15ff )

Alfred Emig berichtet auch über das Schicksal von Patienten der Landes -Heil- und Pfleganstalt:

„….ImKrieg wurden Pfleger und Patitenten….nach Goddelau und Alzey verlegt. Einige der geisteskranken Patienten wurden selektiert, kamen nach Hadamar und worden dort in den Gaskammern ermordet……….“  a.a.O., Seite 15

etwas kurz geraten: Die Zeit des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg auf Wikipedia / Geschichte der Stadt Heppenheim _eine Nachbearbeitung erscheint dringend geboten, wer machts ???

Ab 1930 wurde eine Vergrößerung der Verwaltungsbezirke im Volkstaat Hessen angestrebt und im Jahre 1938 dann auch verwirklicht. In den drei hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurde jeweils ein Landkreis aufgelöst. In Starkenburg traf es den Kreis Bensheim (in Oberhessen: Schotten; in Rheinhessen: Oppenheim), der zum überwiegenden Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde; Letzterer wurde auch zum Rechtsnachfolger des Kreises Bensheim bestimmt und in Kreis Bergstraße umbenannt. Für den verlorenen Kreissitz wurde Bensheim mit der Kreisleitung der NSDAP entschädigt (????) (was freilich 1945 gegenstandslos wurde). Das Gebiet um Lampertheim (mit Bürstadt, Hofheim und Biblis) wurde allerdings nicht Teil des Kreises Bergstraße, sondern dem Kreis Worms angegliedert.
 
…In der „Reichspogromnacht“ (9./10. November 1938) wurden alle noch genutzten Synagogen im Kreis Bergstraße zerstört, auch die architektonisch besonders gelungene, von Heinrich Metzendorf im Jahre 1900 am Fuß des Starkenburgweges in rotem und weißem Sandstein erbaute Synagoge in Heppenheim. Sie war so massiv errichtet, dass das Anzünden noch nicht zur Zerstörung ausreichte, sondern zusätzlich gesprengt werden musste.
Von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges wurde Heppenheim nur wenig betroffen. Es blieb von unmittelbaren Kampfhandlungen ebenso verschont wie von den Bombenangriffen der Alliierten auf friedliche Wohnviertel. Am 27. März 1945 marschierten die von Norden herangerückten amerikanischen Truppen in Heppenheim ein. Die Stadt wurde nicht verteidigt und blieb deshalb weitgehend unversehrt. Allerdings war dem Einmarsch stundenlanger…….     (abgefragt am 23.12.2012!!)

Blick über die Landesgrenze nach Hemsbach

Der Förderverein Ehemalige Synagoge in Hemsbach e.V.

Juden sind in Hemsbach seit 1660 nachweisbar. Sie sind zunächst nur mit einem Eigennamen und der Beifügung „Jud“, ab 1705 dann mit Vornamen und Familiennamen erwähnt. Sie gehörten meist zu den ärmeren Bevölkerungskreisen. 1729 wohnten hier 14 Familien, von denen 6 ein eigenes Haus besaßen. Die jüdische Gemeinde erreichte 1875 mit 111 Personen ihren höchsten Bevölkerungsanteil (6,9 %). Die erste Synagoge stand am Werretor (=Wehrtor), sie musste 1799 verpfändet werden. Erst über 4 Jahrzehnte später konnte die Gemeinde einen Neubau ins Auge fassen. Sie erwarb dafür das Grundstück Mittelgasse 16 und errichtete dort 1845 die Synagoge und die Mikwe. Im 19. Jahrhundert waren hier nacheinander 3 Rabbiner tätig, denen später 5 Kantoren folgten, die zugleich den Unterricht der Kinder übernahmen, bis diese ab 1872 in die allgemeine Volksschule wechselten.

Ein Licht auf die soziale und ökonomische Lage der jüdischen Bevölkerung wirft die Zahl der Auswanderer: von 1833 bis 1932 emigrierten 37 Personen. Demgegenüber stand der reiche jüdische Bankierssohn Carl Meyer Freiherr von Rothschild (1788 – 1855), der das Hemsbacher Schloss kaufte. Er erweiterte und verschönerte es sogleich durch Anbauten im toskanischen Stil und legte einen repräsentativen Park mit seltenen Sträuchern und Bäumen an. Seine Verdienste belohnte die Gemeinde 1839 durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts. Der Freiherr dokumentierte sein Wohlwollen später erneut, als er zur Unterstützung bedürftiger christlicher Gemeindebürger einen ansehnlichen Betrag stiftete, aus dem bis 1917 Unterstützungsgelder nach Hemsbach flossen. Das Schloss dient heute als Rathaus…..http://ehemalige-synagoge-hemsbach.de/Die_ehemalige_j%C3%BCdische_Gemeinde-13.html

über neue Herausforderungen:

Gebhardt, Klein, Meier (Hrsg)
Antisemitismus  in der Einwanderungsgesellschaft
Beiträge zur kritischen Bildungsarbeit
1.Auflage, 2012   http://www.beltz.de/de/beltz-juventa/juventa-fachbuch/katalog/titel/antisemitismus-in-der-einwanderungsgesellschaft-1.html

Zitat:……………….„Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an
Erziehung“ schrieb Theodor W. Adorno im Jahre 1966 (vgl. Adorno 1971).
Dieses Diktum war und ist ein Leitmotiv der poltischen und historischen
Bildungsarbeit, in der gegenwärtig die Beschäftigung mit Nationalsozialis-
mus, Vernichtungskrieg und Shoah eine zentrale Rolle spielt. Seit den
1990er Jahren ist das Lernen über die Shoah zudem ein fester – wenn auch
je nach Schulform unterschiedlich intensiv thematisierter – Bestandteil des
Schulunterrichts und der Erwachsenenbildung. Auseinandersetzungen über
Antisemitismus und Antirassismus, Rechtsextremismus und Fremdenfeind-
lichkeit, Täter- und Opferdiskurse, Zivilcourage und das Recht auf Wider-
stand sind zentrale Themen auch in aktuellen demokratietheoretischen De-
batten sowie medialen Diskursen über die Erinnerungspolitik. Doch in den
heutigen Klassenzimmern sitzen junge Menschen, die mit Krieg nicht Sta-
lingrad oder Dresden, mit Völkermord nicht Auschwitz oder Treblinka ver-
binden und bei Widerstand nicht direkt an die Geschwister Scholl denken.
Krieg, Flucht und Vertreibung prägen nicht nur die familiären Erfahrungen
von Schülerinnen und Schülern, deren Eltern aus dem ehemaligen Jugosla-
wien stammen. Auch in der Jugend- und Erwachsenenbildung – auf deren
Voraussetzungen und Erfordernisse dieser Sammelband den Blick primär
richtet

Gryglewski, Elke
Erinnerung in der Einwanderungsgesellschaft
Interview mit Elke Gryglewski 6.2.2009, bundeszentrale für politische bildung

Wie vermittelt man die NS-Geschichte in einer Einwanderungsgesellschaft? Brauchen wir neue Konzepte? Elke Gryglewski von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz über neue Ansätze in der Bildungsarbeit. – prägen internationale Kontexte die Perspektive……………..“

zum interview ( video )

Böhmer, Jochen

Sekundärer Antisemitismus

„…. Durch den Genozid an den europäischen Juden war der „herkömmliche“ Antisemitismus in der Öffentlichkeit delegitimiert. Das bedeutete aber keineswegs ein Verschwinden dieses traditionellen Ressentiments (was nun eher „hinter vorgehaltener Hand“ geäußert werden musste). Der alte Antisemitismus wurde an die neue Situation angepasst und äußerte sich primär – aber nicht ausschließlich – in Deutschland als sog. „sekundärer Antisemitismus“, als Antisemitismus nach Auschwitz oder als Antisemitismus nicht trotz, sondern wegen Auschwitz.

Dabei beginne ich mit einem historischen Streifzug der, sowohl in West- wie in Ostdeutschland, anhand einiger antisemitischer Skandale den Wandel des primären zum sekundären Antisemitismus verdeutlichen soll….

..mehr auf: http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/nachkriegsdeutschland/rechtsradikalismus-und-antisemitismus/694-sekundaerer-antisemitismus.html?q=sekund%C3%A4rer+antisemitismus

Schäuble, Barbara/Scherr,Albert (2006):
Ich habe nichts gegen Juden, aber..“
Ausgangsbedingungen und Perspektiven gesellschaftlicher Bildungsarbeit gegen Antisemitismus:
http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/schaueblescherrichhabenichtslangversion.pdf

Frevert, Ute,  (2005)
Der jüngste Erinnerungsboom in der Kritik;  bpb / Dossier Nachtionalsozialismus und zweiter Weltkrieg…

Zitat: “ Sich zu erinnern – das war spätestens seit Richard von Weizsäckers Gedenkrede zum 8. Mai 1985 ein Sesam-Öffne-Dich. Dazu trugen die in rascher Folge abgefeierten Jubiläumsjahre (Kriegsbeginn, Kriegsende, Novemberpogrom, Stalingrad, Auschwitz-Befreiung) ebenso bei wie das In-die-Jahre-Kommen der verbliebenen Zeitzeugen. Ihnen blieb nur noch eine begrenzte Spanne, um über ihre Erfahrungen und Erlebnisse zu berichten, und das öffentliche Interesse an diesen Erzählungen war groß. Zugleich aber war das Interesse nicht neutral, sondern es konfrontierte die Erzählenden mit neuen, aufwühlenden Fragen nach individueller Schuld und Verantwortung.

In diesen Fragen lag der explosive Zündstoff, der die Vergangenheitsdebatten jenseits politischer Instrumentalisierung und demographischer Bedrängnis kurz vor der Jahrhundertwende noch einmal kräftig anfachte. Fragen nach persönlicher Teilhabe und Mitwirkung der Vielen waren bislang weder in der DDR noch in der alten Bundesrepublik gestellt worden. Die SBZ/DDR hatte, nach anfänglichen radikalen Entnazifizierungsaktionen in Verwaltung, Justiz, Bildung und Militär, ihre Bevölkerung kollektiv entschuldet und die Verantwortung für den Nationalsozialismus den „usual suspects“ aufgebürdet: Monopolkapitalisten und Militaristen, also jenen, die im neuen sozialistischen Staat ohnehin zu Personae non gratae erklärt worden waren.

In der Bundesrepublik hingegen hatte man sich daran gewöhnt, das „Dritte Reich“ als „Gewaltherrschaft“ zu etikettieren und so ebenfalls die eigene Bevölkerung gewissermaßen zu entlasten. Denn selbst Schergen des Regimes konnten sich lange darauf berufen, nur Befehle ausgeführt, im „Befehlsnotstand“ gehandelt zu haben. Die Masse der „kleinen Leute“ nahm sich als Opfer wahr, die unter dem Nationalsozialismus und seinen Kriegsfolgen schwer gelitten hätten und deshalb für nichts verantwortlich seien………… mehr

Oliver Decker, Johannes Kiess, Elmar Brähler et al.
Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012
Herausgegeben für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Ralf Melzer
Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 2012.
Repräsentative Erhebung im Sommer 2012; Stichprobe von 2.415 deutschen
Staatsangehörigen (ohne und mit Migrationshintergrund) sowie 95 Personen mit
Migrationshintergrund ohne deutsche Staatsbürgerschaft; per Fragebogen (face-to-face),
durchgeführt vom Berliner Meinungsforschungsinstitut USUMA)

Seit Jahren weist die Friedrich-Ebert-Stiftung anhand eindeutiger empirischer Befunde darauf
hin, dass rechtsextremes Denken in Deutschland kein „Randproblem“, sondern eines der
Mitte der Gesellschaft ist. Die seit 2006 im Zweijahresrhythmus von der Friedrich-Ebert-
Stiftung in Auftrag gegebenen „Mitte“-Studien“ belegen, dass rechtsextreme Haltungen in
allen Teilen der Gesellschaft in erheblichem Maße anzutreffen sind. Auch 2012 wurde wieder
eine bundesweite repräsentative Befragung durchgeführt: „Die Mitte im Umbruch“ ist ein
Barometer aktueller antidemokratischer Einstellungen in Deutschland…………………

….4. Primärer und sekundärer Antisemitismus
Die „Mitte-Studien“ belegen seit Jahren, dass mit leichten Schwankungen knapp 10 % der
Deutschen manifest antisemitisch eingestellt sind. Allerdings ist auch eine
„Kommunikationslatenz“ zu beobachten. Das heißt, Deutsche äußern ihren Antisemitismus
nicht im selben Maße offen, wie zum Beispiel Ausländerfeindlichkeit. Erstmals in einer
„Mitte-Studie“ wurde neben der Zustimmung zu „klassischen“ antisemitischen Aussagen
auch sekundärer Antisemitismus gemessen („Antisemitismus trotz und wegen Auschwitz“).
Beispielsweise stimmen 31,9 % der Deutschen dem Satz zu: „Die Juden nutzen die
Erinnerung an den Holocaust heute für ihren eigenen Vorteil aus.“ Durchgängig ist die
Zustimmung zu sekundär-antisemitischen Aussagen noch höher als die zu primär-
antisemitischen Aussagen. Beim primären Antisemitismus fällt zudem auf, dass dieser gerade
in der muslimischen Bevölkerung sehr ausgeprägt ist. Beim sekundären Antisemitismus
erreichen Muslime in Deutschland dagegen eher durchschnittliche Werte.
………….mehr zur studie und zur arbeit der FES : http://www.fes-gegen-rechtsextremismus.de/

Avnery,Uri
Antisemitismus, ein praktischer Leitfaden;
http://www.attac-netzwerk.de/kommunikation/interaktiv/debatten/israel-palaestina-konflikt/

Kreuznet abgeschaltet:

kreuz.net war ein deutschsprachiges, anonymes Blog mit religions- und kirchenbezogenen Texten, das erstmals 2004[3] erschien. Es verbreitete rechtsextreme, antisemitische, homophobe und diffamierende[3] Inhalte.

Teile der Website wurden durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert und dürfen damit in Deutschland weder offen beworben noch Kindern oder Jugendlichen zugänglich gemacht werden. Das Portal wird von Verfassungsschutzbehörden in Deutschland und Österreich beobachtet, die Staatsanwaltschaft Berlin hat 2012 Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung aufgenommen.[4] Auch die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt (Stand November 2012).[5][6]

Die Seite ist aus bisher unbekannten Gründen seit dem 2. Dezember 2012 offline.[7][8] Es sind sowohl der Webserver, als auch die Nameserver nicht erreichbar. Der Domaineintrag wurde in den Status „LOCKED“ versetzt, der vor einer Änderung vom Besitzer kurzzeitig aufgehoben werden müsste…..http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuz.net

Erinnern, aber wie?

Herausforderungen der Gedenkstättenpädagogik von morgen
video zum anschauen und downloaden auf der internetseite der bundeszentrale für politische bildung

von: Gabriela Hermer und Carsten Hueck
Was kann an historischen Orten gelernt werden, was können Gedenkstätten leisten und wo liegen die Grenzen? Der Filmbeitrag lässt vielfältige Positionen zu Wort kommen, die Idee ist es, dass dieser Film in der Bildungsarbeit als Einstieg und/oder Vorbereitung auf einen Gedenkstättenbesuch eingesetzt werden kann

Zum Gedenken an den 9./10. November 1938 Novemberpogrom

……“Deutsche und österreichische Juden gewannen Nobelpreise und olympische Goldmedaillen für ihre Länder. Sie hatten in den Armeen ihrer Länder gekämpft, Geschäfte aufgebaut und Familien gegründet.

Doch all dies war umsonst.

Anlässlich des 70. Jahrestages des Novemberpogroms 1938
präsentiert Centropa Auszüge aus den Interviews, die persönliche Geschichten von Wiener Juden aus dem Jahr 1938 erzählen. Zudem können Sie eine Foto-Slideshow unser Wiener Interviewpartner und -partnerinnen anschauen und in unserer speziell zusammengestellten Artikelsammlung mehr über die Ereignisse im Jahr 1938 erfahren:……..“

Centropa.org  :   

Remembering the 70th anniversary of The Night of Broken Glass
Kristallnacht
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