Was ist eigentlich ein shitstorm?

Shitstorm [ˈʃɪtstɔːm], (englisch shitstorm, „Scheißesturm“, zusammengesetzt aus shit „Scheiße“ und storm „Sturm“[1]) bezeichnet im Deutschen das Auftreten des als Flamewar bekannten Phänomens bei Diskussionen im Rahmen von sozialen Netzwerken, Blogs oder Kommentarfunktionen von Internetseiten. Massenhafte öffentliche Entrüstung führt dazu, dass sachliche Kritik mit zahlreichen unsachlichen Beiträgen bis hin zur Schmähkritik vermischt und eine sinnvolle Diskussion dadurch verhindert wird. Der Duden definiert einen Shitstorm als „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“.[1] Der Begriff Shitstorm bezieht sich vor allem auf „Blogbeiträge oder -kommentare, Twitternachrichten oder Facebook-Meldungen“.[2]

Dabei richtet sich „in kurzem Zeitraum eine subjektiv große Anzahl von kritischen Äußerungen […], von denen sich zumindest ein Teil vom ursprünglichen Thema ablöst und [die] stattdessen aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend geführt [werden]“[3] gegen Unternehmen, Institutionen, Einzelpersonen oder in der Öffentlichkeit aktive Personengruppen, etwa Parteien oder Verbände. Der Begriff wurde zum Anglizismus des Jahres 2011[4] und in der Schweiz zum Wort des Jahres 2012[5] gewählt.

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Beispiele

Der Shitstorm ist ein Phänomen, das gerade in der jüngeren Vergangenheit häufig in Erscheinung trat. Die betroffenen Unternehmen und Einzelpersonen sahen sich teilweise mit Reputationsschäden konfrontiert.

  • Pril steht seit Jahrzehnten für Spülmittel und seit Frühling 2011 für eines der größten deutschen Online-PR-Debakel. Henkel hatte die Netzgemeinschaft aufgerufen, kreative Design-Vorschläge einzusenden, die von der Netzgemeinschaft bewertet werden konnten und zukünftig die Pril-Flasche zieren sollten. Nach kurzer Zeit befanden sich fast ausschließlich absurde Vorschläge auf den ersten Plätzen. Nach einer Bereinigung der Ergebnisliste, die Henkel mit einer angeblichen Manipulation der Abstimmung erklärte, tauchten die vormaligen Design-Spitzenreiter nur noch abgeschlagen wieder auf. Die Netzgemeinschaft war erzürnt und Henkel entstand ein großer Imageschaden.[20]
  • Die Umweltorganisation Greenpeace berichtete Anfang 2010, dass bei der Palmöl-Produktion für Nestlés Produkt KitKat Lebensräume von Orang-Utans zerstört würden und die Population der Primaten dadurch gefährdet sei. Greenpeace startete daraufhin eine Social-Media-Kampagne gegen Nestlé und KitKat und produzierte zusätzlich ein abschreckendes Video. Dass diese Kampagne zu einem Shitstorm wurde, lag unter anderem an Nestlé selbst. Durch das Abschalten von Fansites und das gerichtliche Durchsetzen eines Verbot des Videos setzte der sogenannte Streisand-Effekt ein. Das Video wurde mehrfach neu hochgeladen; die Kampagne gewann öffentliche Aufmerksamkeit.[21]
  • Im Herbst 2010 wollte die Deutsche Bahn über ihre Facebook-Fansite das sogenannte „Chef-Ticket“ anbieten. Die Teilnehmer konnten sich für 25 € ein Ticket kaufen, mit dem man durch ganz Deutschland fahren konnte. Die Plattform wurde jedoch von den meisten Personen dafür genutzt, um ihrem Ärger über die Deutsche Bahn Luft zu machen. Der Verzicht auf sämtliche Kommunikation oder Mediation mit der Netzgemeinde verwandelte die Kritik in einen Shitstorm und bescherte der Deutschen Bahn ein Public-Relations-Debakel.[22]
  • Ein Shitstorm kann auch einzelne Personen treffen, wie die 13-jährige Rebecca Black. Die Eltern der US-Amerikanerin ließen 2011 für mehrere Tausend US-Dollar ein Musikvideo produzieren und stellten dieses auf YouTube ein. 44 Millionen Mal wurde das Video zum Song Friday innerhalb relativ kurzer Zeit angeklickt und mit zumeist negativen oder beleidigenden Kommentaren versehen. Trotz der schlechten Kritiken brachte diese öffentliche Wahrnehmung der Schülerin einen neuen Plattenvertrag ein; sie konnte so die popularitätsbildende Kritik der Netzgemeinschaft nutzen.[23]
  • Ein ING-DiBa-Werbespot, in dem Basketball-Star Dirk Nowitzki eine Scheibe Fleischwurst isst, veranlasste im Januar 2012 zahlreiche Vegetarier, auf der ING-DiBa-Seite Proteste zu posten.[24]
  • Eine Kundin von Vodafone D2 beschwerte sich Ende Juli 2012 auf der Facebook-Seite des Mobilfunkbetreibers über angeblich unangemessen hohe Rechnungen. Vodafone habe zwar nach eigenen Angaben bereits nach kurzer Zeit auf den Beitrag reagiert, was jedoch aufgrund eines Softwarefehlers nicht richtig übermittelt worden und daher untergegangen sei.[25] Innerhalb von vier Tagen erhielt der Beitrag mehr als 65.000 „Gefällt mir“-Angaben und über 6.500 gegen Vodafone gerichtete Kommentare.[26] Mitte August 2012 hatte der Post knapp 150.000 „Gefällt mir“-Angaben und über 15.000 Kommentare.[27]
  • Anfang August 2012 beschwerte sich ein Kunde via Facebook bei McDonald’s über die Preiserhöhung des Cheeseburgers. Dabei wurde die Geldgier des Konzerns mit den hohen Lizenzgebühren für Franchisenehmer und der eigentlichen Kritik, der Burger sei um 39 Cent teurer geworden, vermischt. Dennoch erhielt das Posting über 75.000 zustimmende Bewertungen und mehr als 6.000 Kommentare.[19]
  • Am 17. Oktober 2012 strahlte RTL zur Hauptsendezeit um 20:15 Uhr die Sendung Christopher Posch – Ich kämpfe für Ihr Recht aus, in der ein Rechtsstreit zwischen dem Schlagersänger Michael Wendler und Sylvia und Nadine Simbeck thematisiert wurde. Noch während der Sendung wurde bei Facebook die Seite „100.000 Menschen die Michael Wendler scheiße finden“ ins Leben gerufen. Auf dem Höhepunkt des gegen Michael Wendler gerichteten Shitstorms gewann die Seite 300 Fans pro Minute.[28] Zwei Tage nach Ausstrahlung der Sendung zählte die Seite bereits über 230.000 Fans.[29] Dieser Shitstorm gilt als einer der schnellsten der deutschen Facebook-Geschichte und wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen, die sich insbesondere kritisch mit der Haltung Wendlers auseinandersetzten.[30][31]
  • Volkswagen versendet seit 2010 verstärkt Abmahnungen an Händler, die Markenschutzverletzungen begangen haben. Am 10. Oktober 2012 wurde erstmals eine Abmahnung an die privat betriebene Internetplattform doppel-wobber.de versendet. Die Proteste darüber fanden am 23. Oktober 2012 ihren bisherigen Höhepunkt mit einem Shitstorm auf der Facebookseite von Volkswagen Deutschland. Volkswagen hat bisher, wie bei den ersten zwei größeren Abmahnwellen zuvor, keine Stellungnahme veröffentlicht. Am 18. Dezember 2013 griff der Spiegel das ungelöste Problem der Volkswagen Kunden und Fans wieder auf und veröffentlichte einen Hintergrundbericht.[32][33][34][35][36][37][38]
  • Ein Aufruf des Vatikan auf Twitter führte 2012 zu einer Masse an unsinnigen Fragen. Zudem fanden sich Fragen, die an den Themen vorbeigehen, die sich der Vatikan bei diesem Aufruf vermutlich vorstellte, oder amüsant gemeinte. Ein Beispiel davon war die Frage, wie der Papst den Bildvergleich von ihm mit dem Imperator aus Star Wars sehe, der seit Jahren im Internet verbreitet ist.[39]
  • Eine ARD-Dokumentation über Amazon.com, in der über „schlechtbezahlte Leiharbeiter, die in Massenunterkünften schlafen und von offenbar rechtsradikalen Sicherheitskräften bewacht werden“ berichtet wurde,[40] löste im Februar 2013 Hunderte von Wut-Kommentaren auf der Facebook-Seite der deutschen Niederlassung des Online-Versandhändlers aus, der eigentlich dort zu einem Gewinnspiel geladen hatte.[41] Einige der Nutzer, selbst Kunden bei Amazon, riefen zu einem Boykott auf.[42][43] Amazon-Mitarbeiter wurden verdächtigt als Kunden getarnt „Lob-Beiträge“ hinterlassen zu haben. Eine Sprecherin des Unternehmens sagte hierzu: „Unsere Mitarbeiter haben sich bei Facebook aktuell nicht in die Debatte eingemischt.“[40]
  • quelle und mehr: wikipedia
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