Flüchtlingsrat NRW und andere kritisieren Schwerte für Flüchtlingsunterkunft auf Gelände eines ehemaligen Aussenlagers von Buchenwald..Stadt kontert

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Flüchtlingsrat NRW kritisiert Schwerte für Flüchtlingsunterkunft in SS-Baracke in zahlreichen Zeitungen. Eine Linkübersicht

Die Ruhrnachrichten, der MDR, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Spiegel Online, Focus Online, die taz, der WDR, die Welt und ZEIT ONLINE berichteten am 10., 11., 12., 13. und 16. Januar über das Vorhaben der Stadt Schwerte Flüchtlinge künftig in einem Außenlager des KZ Buchenwald unterzubringen. Die Mitarbeiterinnen des Flüchtlingsrates NRW e.V Birgit Naujoks und Antonia Keul kritisieren das Vorhaben in den folgenden Artikeln:

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In Schwerte sind die ersten Flüchtlinge in die umstrittene Unterkunft auf dem ehemaligen Außengelände des KZ Buchenwald eingezogen. In der kommenden Woche sollen dann weitere Flüchtlinge folgen. Die Entscheidung hatte im Vorfeld eine heftige Debatte ausgelöst.

Elf Flüchtlinge aus Ägypten, Guinea, Marokko und Bangladesch sind am Montagnachmittag (19.01.2015) in dem Haus untergekommen. Wenn die übrigen Zimmer möbliert sind, sollen in der kommenden Woche weitere zehn Flüchtlinge einziehen. Mit ihrem Schritt auf dem ehemaligen KZ-Gelände eine Unterkunft für Flüchtlinge einzurichten, hatte die Stadt Schwerte bundesweit und sogar international für Kritik und Entsetzen gesorgt. Selbst Ministerpräsidentin Kraft hatte der Stadt geraten, eine andere Lösung zu suchen. Schwertes Bürgermeister Heinrich Böckelühr hatte die Entscheidung der Stadt am Freitag als sachgerecht verteidigt und sich Einmischung von außen verbeten.

Böckelühr: Alles andere als geschichtsvergessen

Bürgermeister Heinrich Böckelühr sagte auf einer Pressekonferenz am Freitag (16.01.2015), der Vorwurf, die Stadt sei geschichtsvergessen und unsensibel habe die Verwaltung und die Ratsmitglieder schwer getroffen. Schwerte sei eine weltoffene Stadt, Willkommenskultur werde hier groß geschrieben. Historische Nachforschungen hätten jetzt ergeben, dass das Gebäude, in das die Flüchtlinge einziehen sollen, aus der Nachkriegszeit stamme. Archivbilder zeigten, dass es 1959 noch nicht dort gestanden habe. Bereits vor 20 Jahren war das jetzige Gebäude als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden.

Viele kritische Stimmen

Die Pläne für die Flüchtlingsunterbringung hatten eine kritische Debatte ausgelöst. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider hatte die Stadt aufgefordert, von ihren Plänen abzusehen. Sie würden die Willkommenskultur in Deutschland massiv schädigen und im Ausland nicht verstanden werden. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hagtte nachgelegt und vor Journalisten in Düsseldorf erklärt, dies sei „kein gutes Zeichen“. Jüdische Verbände hätten ihr gegenüber „große Besorgnis“ über das geplante Flüchtlingsheim geäußert. Auch Birgit Naujoks vom Flüchtlingsrat NRW hatte die Lösung scharf kritisiert: „Das weckt schon Assoziationen zur NS-Zeit, wo auch Menschen zwangsweise zusammengepfercht wurden. Jetzt ist es eine verpflichtende Gemeinschaftsunterbringung, die natürlich unter ganz anderen Voraussetzungen stattfindet. Nichtsdestotrotz kann es für die Flüchtlinge ein traumatisierender Zustand sein.“

Die Unterkunft ist eine pragmatische Lösung

Aus Sicht der Stadt war es von Anfang an eine pragmatisch orientierte Lösung, die schnell und günstig umzusetzen war. Für Container habe die Stadt kein Geld und in einer Turnhalle hätten die Flüchtlinge zu wenig Privatsphäre. Es ist eine Unterkunft ausschließlich für Männer. Die jetzigen Räume lassen es zu, dass jeweils zwei Männer sich ein Zimmer teilen

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Das Konzentrationslager Schwerte-Ost war vom 6. April 1944 bis zum 29. Januar 1945 ein Nebenlager des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar. Es befand sich auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes in Schwerte.

Das Arbeitslager lag außerhalb der Werksmauern des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerkes, in unmittelbarer Nähe zur heutigen Tennisanlage. Die insgesamt sieben Baracken waren durch einen elektrisch geladenen Stacheldraht gesichert und wurden von einer SS-Wachmannschaft bewacht. Die ersten 100 Häftlinge trafen am 7. April in Schwerte ein. Sie wurden unter der Anleitung deutscher Vorarbeiter für Reparatur- sowie Umrüstungsarbeiten an Lokomotiven eingesetzt. Die Anzahl der Häftlinge war stark schwankend. Eine am 29. September 1944 erstellte Stärkemeldung berichtet von 701 Gefangenen. Nach Unterlagen der Gedenkstätte Buchenwald wurde der KZ-Außenposten im Reichsbahnausbesserungswerk Schwerte-Ost mit der Rückführung von 201 Gefangenen am 15. Januar 1945 aufgelöst.

An das Lager erinnert heute eine Gedenkstätte. Im Zentrum der Gedenkstätte befindet sich eine Skulptur des Dortmunder Künstlers Horst Wegener, die ein ca. fünf Meter langes Eisenbahngleis mit fünf Betonschwellen darstellt. Die Schwellen sind den Körpern von geschundenen männlichen Personen nachempfunden. Neben der Skulptur befindet sich eine liegende steinerne Gedenk- und Mahntafel der Stadt Schwerte.

Die noch verbliebenen Überreste der Anlage sind in der Denkmalliste der Stadt Schwerte eingetragen.

Weblinks
Commons: KZ Buchenwald Schwerte-Ost – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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