Hosfeld, R. _Tod in der Wüste

Rolf Hosfeld, Tod in der Wüste. Der Völkermord an den Armeniern. Verlagtod in der wüste

Aghet – Katastrophe – so nennen die Armenier jene grauenvollen Ereignisse, die im Frühjahr 1915 begannen. Sie sind als der erste Genozid des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingegangen. Rolf Hosfeld, Deutschlands bester Kenner der Ereignisse, schildert eindringlich und historisch genau den Völkermord an den Armeniern, erläutert die Hintergründe und klärt auf über ein Thema, das immer noch zu den Tabus der Geschichtsschreibung gehört. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit werden im Frühjahr und Sommer 1915 – mitten im Ersten Weltkrieg – die osmanischen Armenier von der Regierung in einer Weise selektiert und zusammengetrieben, die unübersehbar „den Zweck verfolgt, die armenische Rasse im türkischen Reiche zu vernichten“. So kabelt es der deutsche Botschafter in Konstantinopel im Juli 1915 nach Berlin. Zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Menschen (die Schätzungen schwanken) sterben, viele von ihnen, Männer, Frauen und Kinder, weil man sie in die Wüste deportiert und dort verdursten lässt. Rolf Hosfeld hat den Opfern dieses Völkermords, der von der Türkei bis heute bestritten wird, mit seinem Buch ein erschütterndes Denkmal gesetzt.

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aus einem Beitrag des Deutschlandfunks                                                                                 Gewaltige Sprache, schweres Thema

„……Mit seinen Berichten machte der Orientalist und Menschenrechtler Johannes Lepsius die Gräueltaten an den Armeniern bekannt und veröffentlichte 1919 auch die diplomatischen Akten des Auswärtigen Amtes zum Thema. Der Leiter des Lepsius-Hauses in Potsdam, Rolf Hosfeld, veröffentlicht nun zum 100. Gedenktag des Massakers ein Buch zu den Ereignissen…….“

„…….Am 24. April 1915 wurden in Istanbul Hunderte armenische Intellektuelle verschleppt und ermordet. Am selben Tag gab ein Regierungstelegramm Anweisung, die deportierten Bewohner einiger ostanatolischer Städte nicht mehr ins Landesinnere, sondern in die mesopotamische Wüste zu treiben. Wer nicht auf den Märschen starb, fand den „Tod in der Wüste“. So lautet auch der Titel einer neuen Studie über das Schicksal der Armenier. Die Begegnung zwischen dem Deutschen Johannes Lepsius und dem damaligen Kriegsminister Enver Pascha, die schon Franz Werfel in seinem Roman „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ verarbeitet hat, schildert auch der Autor Rolf Hosfeld am Beginn seines Buches…….“

„‚Ich übernehme die Verantwortung für alles‘, sagte der dreiunddreißigjährige Enver in fließendem Deutsch, als ihn Lepsius auf die Vorgänge im Inneren ansprach, und holte dann zu einem langen Vortrag aus, in dem er über die militärischen Notwendigkeiten dozierte, die in der Kriegszeit das Vorgehen gegen revolutionäre Elemente des Reichs zur Pflicht gemacht hätten. ‚Ich selbst glaube nicht an eine armenische Verschwörung‘, hielt ihm Lepsius entgegen und fragte, ob es dafür irgendwelche handfesten Beweise gäbe. In diesem Augenblick setzte Enver ein überlegenes Lächeln auf und antwortete: ‚Dessen bedarf es nicht, wir kommen selbst von der Revolution her und wissen, wie so etwas gemacht wird.'“

„…….Deutlich unterbelichtet ist bei Hosfeld die Mitverantwortung der deutschen Kriegsverbündeten. Zwar lässt er deutsche Diplomaten und Militärs zu Wort kommen, die das Geschehen von Anfang an vor Augen hatten; dem Widerspruch zu ihrer realen Untätigkeit geht er jedoch nicht nach. Betont wird hingegen, dass deutsche Spendengelder mit Wissen des Außenministeriums an Hilfsorganisationen flossen oder dass deutsche Verantwortliche beim Bau der Bagdad-Bahn armenische Arbeiter unter falschem Namen anstellten:………..“

quelle und mehr: deutschlandfunk, völkermord an armeniern-gewaltige sprache-schweres thema

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ebenfalls im DLF :

   Türkei und Armenien_Junge Wissenschaftler arbeiten Völkermord auf

„…….Die interessantesten und wichtigsten Beiträge zur Erforschung des Völkermordes an den Armeniern kommen neuerdings von jungen türkischen Historikern, die in den Osmanischen Archiven forschen und keinerlei Berührungsängste mit dem G-Wort haben. Einer von ihnen ist Mehmet Polatel, der an der privaten Koc-Universität in Istanbul tätig ist und die Enteignung armenischen Besitzes während der Vertreibung erforscht. Die Eigentumsfrage sei keine Nebensache, sondern konstitutiver Bestandteil des Genozids, erläuterte Polatel kürzlich in einem Vortrag an der Amerikanischen Universität in Eriwan.

„Die Enteignung begann nicht erst mit dem Genozid. Die Enteignung der Armenier ist vielmehr als ein wesentlicher Faktor der Motivation zum Völkermord zu sehen, der die Täter zum Genozid veranlasste…………….“

quelle und mehr: Türkei und Armenien_Junge Wissenschaftler arbeiten Völkermord auf

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Mehmet Polatel,
A history of Destruction, The Fate of Armenian Church Properties in Adana;                           in: The Armenian Weekly (2011)

Genocidal processes involve the loss of large numbers of human life. The motivation behind these processes is always related to the destruction of a certain group of people. However, it is not only the people that make a community; the idea of the community is also related to shared values, everyday routines, culture, literature, and religion. Thus, genocidal processes not only target certain groups of people, but also the symbols, buildings, and monuments that belong to them. This article examines the fate of religious buildings in Adana after the Armenian Genocide of 1915, in a process of destruction that aimed to erase the proof of Armenian existence in the region……………….

mehr: http://armenianweekly.com/2011/10/14/a-history-of-destruction/

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Auch wir Deutsche tragen eine Mitverantwortung am Völkermord an den Armeniern“: Bundespräsident Joachim Gauck hat die Massaker an Armeniern vor 100 Jahren erstmals beim Namen genannt. Am Freitag will es ihm der Bundestag in einer Resolution gleichtun.

In einem Gedenkgottesdienst in Berlin hat Bundespräsident Joachim Gauck die Massaker an mehreren hunderttausend Armeniern im Ersten Weltkrieg erstmals klar als Genozid bezeichnet. Zugleich räumte Gauck am Donnerstag (23.4.2015) ein, dass Deutschland eine Mitverantwortung dafür trage. Das Staatsoberhaupt setzte sich damit über Bedenken hinweg, dass die Wahl des Begriffs „Völkermord“ die Beziehungen zur Türkei beschädigen könnte.

Um die Bezeichnung des Geschehens als „Völkermord“ hatte es in den vergangenen Tagen zwischen Bundesregierung, Koalitionsparteien und Präsidialamt Auseinandersetzungen gegeben. Die Bundesregierung wollte den Begriff vermeiden. Gauck benutzte nun in der Rede nahezu wortgleich die Formulierung, auf die man sich schließlich für die Erklärung im Bundestag geeinigt hatte.

Der Bundespräsident sagte: „Das Schicksal der Armenier steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von der das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist.“ Und weiter: „In diesem Fall müssen auch wir Deutsche insgesamt uns noch der Aufarbeitung stellen, wenn es nämlich um eine Mitverantwortung – unter Umständen sogar Mitschuld – am Völkermord an den Armeniern geht.“

quelle und mehr: http://www.deutschlandfunk.de/rede-zu-armenier-gedenken-gauck-spricht-von-voelkermord.1818.de.html?dram:article_id=317998

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auch auf diesem blog:

https://ffduseh.wordpress.com/2011/05/04/aghet-ein-volkermord-_-09-05-2011_/

https://ffduseh.wordpress.com/film-cinema/the-cut/

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Auszug aus wikipedia , Völkermord an den Armeniern

Bewertung in der Türkei

Damat Ferid Pascha, der Großwesir des Osmanischen Reiches, dessen Amt dem des heutigen Ministerpräsident entsprach, gestand die Verbrechen am 11. Juni 1919 öffentlich ein.[137] Dennoch ist die Leugnung des Völkermords an den Armeniern bis heute offizielle Politik aller türkischen Regierungen.[6][138] Sie versuchen mit wechselndem Erfolg, durch politischen Druck und Ausschlüsse bei internationalen Auftragsvergaben anderslautende Entschließungen und Veröffentlichungen zu verhindern.[139] In der Türkei wird der Genozid offiziell mit Begriffen wie Ermeni soykırımı iddiaları („Behaupteter Völkermord an den Armeniern“), Sözde ermeni soykırımı („Angeblicher Völkermord an den Armeniern“) und Ermeni Kırımı („Armenisches Massaker“) bezeichnet.

Die offizielle Türkei bestreitet nicht, dass es hunderttausende Tote gegeben hat. Sie geht von ca. 300.000[1] armenischen Opfern aus, betrachtet die Deportationen aber als Notmaßnahme eines Staates, der um seine Existenz bangen musste und sich der Loyalität seiner armenischen Untertanen nicht habe sicher sein können.[140] Manche türkische Wissenschaftler verneinen eine vorsätzliche und geplante Vernichtung und vertreten den Standpunkt, diese sei historisch nicht belegt.[141] Die offizielle türkische Historiographie schreibt die vielen Toten Überfällen, Hunger und Seuchen zu und verweist auf die bürgerkriegsähnlichen Zustände,[142] bei denen auch 570.000 Türken umgekommen seien.[143] Einige türkische Wissenschaftler, neben Historikern anderer Nationalität wie Erik-Jan Zürcher[144] oder Klaus Kreiser,[145] betrachten die kontrovers diskutierten Andonian-Dokumente als Fälschung.[146] Sie bezeichneten Arnold J. ToynbeesBlue Book und die Memoiren des amerikanischen Botschafters Henry Morgenthau als parteiisch.[147][148] Zudem bemängeln sie die Beweisaufnahme der Istanbuler Prozesse[149] und machen geltend, dass es eine Reihe von jungtürkischen Erlassen gab, die Deportierten gut zu behandeln.[150]

Der erste türkische Politiker nach Ausrufung der Republik Türkei, der die Opfer des Völkermords durch einen Besuch der Gedenkstätte in Jerewan ehrte, war im Juni 1995 Gürbüz Çapan, der sozialdemokratische Bürgermeister Esenyurts.[20] 2008 wurde von türkischen Professoren und Intellektuellen die Unterschriftenkampagne Özür Diliyorum gestartet, um bei den Armeniern um Verzeihung zu bitten.

Innertürkische Kritiker der offiziellen Sichtweise müssen mit juristischer Verfolgung aufgrund des umstrittenen Artikels 301 des Strafgesetzbuches rechnen, der u. a. die „Beleidigung der türkischen Nation“ unter Strafe stellt. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgte hauptsächlich durch Journalisten wie Ahmet Şık und den 2007 ermordeten Hrant Dink[151] sowie durch den Schriftsteller und Nobelpreisträger Orhan Pamuk.[152][153][154] Pamuk wurde im März 2011 wegen Verstoßes gegen den Artikel 301 zu einer Schadensersatzzahlung an sechs Kläger verurteilt, die sich durch seine Äußerungen zu den Tötungen von Armeniern aus dem Jahr 2005 beleidigt fühlten (Pamuk: „Die Türken haben auf diesem Boden 30.000 Kurden und 1 Million Armenier getötet.“).[155] Der 1991 aus der Türkei geflohene türkischstämmige, deutsche Schriftsteller Doğan Akhanlı hatte 1999 in Istanbul den Roman Kıyamet Günü Yargıçları (dt. Die Richter des jüngsten Gerichts) veröffentlicht. Dieser Roman thematisiert den Völkermord und seine offizielle staatliche Leugnung in der Republik Türkei.[156] Akhanlı wurde im August 2010 bei einem Besuch der Türkei festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Von der Anklage, an einem Raubüberfall und an Umsturzversuchen beteiligt gewesen zu sein, wurde er im Oktober 2011 freigesprochen. Vor der Gerichtsverhandlung war er abgeschoben und mit einem Einreiseverbot in die Türkei belegt worden.[157]

Es gab seitens türkischer Regierungen mehrmals den Vorschlag, die Geschehnisse durch eine gemeinsame türkisch-armenische Historikerkommission wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Dieser Vorschlag wurde unter anderem 2005 vom türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan dem armenischen Präsidenten Robert Kotscharjan[158] und 2007 vom türkischen Außenminister Ali Babacan seinem armenischen Kollegen Wartan Oskanjan unterbreitet.[159] Die armenische Regierung lehnt diesen Vorschlag (Stand April 2010) ab. Staatspräsident Sersch Sargsjan äußerte, die Schaffung eines solchen Gremiums bedeute, das Faktum des Völkermords anzuzweifeln.[160]

Die Türkei wirft Ländern wie Frankreich und Russland vor, Parlamentsbeschlüsse zu erlassen, ohne auf die eigene grausame Vergangenheit mit vielen Völkermorden zu blicken.[139] Als beispielsweise die Französische Nationalversammlung 2006 ein Gesetz verabschiedete, das explizit die Leugnung des Völkermords an den Armeniern unter Strafe stellen sollte, kam es zu schweren diplomatischen Auseinandersetzungen und Wirtschaftsboykotten durch die Regierung in Ankara.[161] Als im Dezember 2011 in Frankreich ein ähnliches Gesetzes zur Bekämpfung der Leugnung der Existenz gesetzlich anerkannter Völkermorde von der Nationalversammlung verabschiedet wurde, reagierte die türkische Regierung ähnlich drastisch.[162] Das Gesetz wurde im Februar 2012 vom französischen Verfassungsrat abgelehnt (Näheres im Abschnitt ‚Frankreich‘).

Am 24. April 2010 fand in Istanbul erstmals eine öffentliche Gedenkveranstaltung für die armenischen Opfer in der Türkei statt. Das Datum wurde symbolisch gewählt; am 24. April 1915 waren die ersten 235 Armenier vom Haydarpaşa-Bahnhof deportiert worden. Organisiert von der Initiative „Irkçılığa ve Milliyetçiliğe Dur de!“ (zu deutsch: Sag Stopp zu Rassismus und Nationalismus) trafen sich Aktivisten in Trauerkleidung auf dem Taksim-Platz, zeigten Bilder der Deportierten und legten Blumen nieder.

2011 veranlasste Premierminister Recep Tayyip Erdoğan den Abriss der 2006 von Mehmet Aksoy geschaffenen SkulpturDenkmal der Menschlichkeit, die an den Völkermord erinnert hatte.

In einer am Vortag des 24. April 2014 veröffentlichten Botschaft bezeichnete Erdoğan es jedoch als „eine menschliche Pflicht, auch das Gedenken der Armenier an die Erinnerung an das Leid, das die Armenier zu jener Zeit durchlebt haben, zu verstehen und es mit ihnen zu teilen.“[163] Gegen Ende der Botschaft heißt es im Text: in der Hoffnung auf gemeinsames Gedenken der Toten „wünschen wir, dass die Armenier, die unter den Bedingungen zu Anfang des 20. Jahrhunderts umkamen, in Frieden ruhen, und sprechen ihren Enkeln unser Beileid aus.“[163] Allerdings bezeichnete er die Taten nicht als Völkermord.[164]

In türkischen Schulbüchern wird (Stand 2015) der Völkermord nach wie vor geleugnet. Im Geschichtsbuch für die Klasse 10 (Seite 212) heißt es: „Mit dem Umsiedlungsgesetz wurden nur jene Armenier aus dem Kriegsgebiet entfernt und in die sicheren Regionen des Landes gebracht, die sich an den Aufständen beteiligt hatten. Diese Vorgehensweise hat auch das Leben der übrigen armenischen Bevölkerung gerettet, denn die armenischen Banden haben jene ihrer Landsleute, die sich an den Terrorakten und Aufständen nicht beteiligt hatten, umgebracht.[165] Im September 2014 stellten hundert türkische Intellektuelle, unter ihnen der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk, zwei Forderungen an die Regierung: Sie solle die bislang verwendeten Geschichts-Schulbücher aus dem Verkehr ziehen und sich bei den Armeniern entschuldigen.[166] Der Völkermord jährt sich 2015 zum 100. Mal…………..mehr bei: wikipedia , Völkermord an den Armeniern

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aghet – doku
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