Stellungnahme des Vereins „Glasbrechen“ zur Einleitung eines Insolvenzverfahrens durch die Odenwaldschule

Pressemitteilung von Glasbrechen e.V. zum jetzt laufenden Insolvenzverfahren der OWS

Die Mehrheit der Mitglieder des Vereins Glasbrechen e.V. bedauert nicht das Einreichen eines Insolvenzverfahrens im Zusammenhang mit dem 105-jährigen Bestehen der Täterorganisation Odenwaldschule.

Ob und inwiefern jetzt noch die Interessen der zahlreichen Opfer und Betroffenen der Verbrechen an der OWS angemessen berücksichtigt werden können, hängt nicht nur, aber auch vom Vorgehen des/der vom Gericht bestellten Insolvenzverwalters resp. der Insolvenzverwalterin ab.

Unsere Forderungen bleiben:
• Sicherung des Schularchivs für die endlich in Gang gekommene wissenschaftliche Aufarbeitung, finanzielle Sicherung auch eben dieser wissenschaftlichen Arbeit.
• Langfristige, opferorientierte finanzielle Unterstützung der Betroffenen über die Existenz der sog. Stiftung „Brücken-bauen“ hinaus. (Die sog. Stiftung steht mit Zuwendungszusagen in Höhe von Euro 144.000,– gegenüber Betroffenen im Debit.)
• Einrichtung eines Gedenk- und Bildungszentrums zu den vielfältigen Themen des „Pädosexuell orientierten und organisierten Kindesmissbrauchs in Institutionen und anderen gesellschaftlichen Bereichen“ vor Ort in Ober-Hambach.

Wir wissen uns in diesen Forderungen glücklicherweise sehr einig mit den gewählten Behördenvertretern – insbesondere im Landratsamt des Kreises Bergstraße. Der Landrat Matthias Wilkes hat unseren Kampf seit 2010 mit großem Engagement unterstützt – und gleichzeitig galt sein Augenmerk auch immer dem Wohl der Schutzbefohlenen an der OWS. Das gleiche gilt für den später hinzu gekommenen stellvertretenden Landrat Matthias Schimpf. Der Vorgänger des Landrates Wilkes, Herr Landrat a.D., Norbert Hofmann hat unsere Ziele schon im März 2010 zu seinen erklärt.

Für die Opfer der Verbrechen an dieser Schule, die über Jahrzehnte hinweg versuchte, mittels Vertuschung, Leugnung und fragloser Weiterbeschäftigung von Tätern und Täterinnen irgendwie über alle Runden zu kommen, kann es nur eine Genugtuung sein, wenn diese kontaminierte Schule jetzt ihre Pforten schließen muss. Auch wir denken dabei an die gegenwärtigen Schüler und Schülerinnen der OWS, die in ihrer Hoffnung, dort einen sinnvollen Schul- und Ausbildungsweg beschreiten zu können, jetzt enttäuscht wurden.

Grundsätzlich aber ist es ein gutes Signal – insbesondere auch an andere institutionelle Täterorganisationen, – wenn jetzt dieser auf das schwerste belastete Tatort geschlossen werden wird. Eine Denkpause vor Ort tut dringend Not! Einem späteren Neuanfang unter der Berücksichtigung unserer Forderungen wollen wir uns nicht entgegenstellen.

Adrian Koerfer
1. Vorsitzender Glasbrechen e.V.
Mitglied im Betroffenenrat beim UBSKM, Berlin
Mitglied im Betroffenenbeirat beim EHS, Berlin

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