Kommt jetzt nach dem Wutbürger der Hassbürger?

Nicht nur Montagabends in Dresden ist sie zu beobachten: Es gebe sehr viel Verbitterung in der Mitte der Gesellschaft, sagte der Soziologe Heinz Bude im Deutschlandfunk. Bei diesen Menschen handele es sich nicht um Wut-, sondern um Hassbürger. Sie hätten gemeinsam mit einer anderen Gruppe so viel Potenzial wie die FPÖ oder der Front National.

Der Soziologe beziffert das „Verbitterungsmilieu“ in Deutschland auf etwa zehn Prozent. „Das sind Leute, die nicht unbedingt arbeitslos geworden sind. Das sind in der Regel Leute, die relativ hoch gebildet sind; die sogar von sich in Anspruch nehmen, dass sie ein offenes Weltbild haben, aber von dem tiefen Gefühl geplagt sind, dass sie in ihrem Leben unter ihren Möglichkeiten geblieben sind aufgrund von Bedingungen, die sie selbst nicht haben kontrollieren können.“ Diese Gruppe befinde sich nicht auf einem sozialen Absturz, habe andererseits das Gefühl, in der Öffentlichkeit werde ihre Situation nicht thematisiert – „aber es werden die Arme aufgemacht für Leute, von denen wir überhaupt gar nicht wissen, was die eigentlich in unserem Land vorhaben“.

Die Angehörigen dieses Milieus seien bisher fälschlicherweise als Wutbürger bezeichnet worden, sagte der Soziologe. Dieses Phänomen habe es vor allem in der Arbeiterbewegung gegeben: „Wenn man wütend ist über ungerechte Verhältnisse, kann man sich in einem Kollektiv zusammenfinden und sagen, dagegen stehen wir auf.“ Die Verbitterten seien dagegen von Hass getrieben, der sich oft individuell, in Äußerungen im Netz zeigt und „gesellschaftsfähig geworden“ sei. Solch ein Hassbürger setze sich „per Hass gegen ein System in Szene, von dem er sagt, die interessiert doch alle gar nicht, was mit mir eigentlich los ist“.

Dieses Milieu habe momentan „keinen Sprecher, der zum Ausdruck bringt, dies ist ein Problem, was in die öffentliche Diskussion hinein muss“, sagt der Soziologe. Ein Beispiel für solch einen „autoritären Rebell“ sei Jörg Haider in Österreich gewesen. Auch in Deutschland könne die Gruppe größer werden, wenn es einen „Kurzschluss“ mit dem „Dienstleistungsproletariat“ gebe – „das sind die Leute, die Ihnen die Pakete nach Hause bringen“, sagte Bude. In dieser Gruppe gebe es ein großes Defizit an sozialer Anerkennung. Gemeinsam könnten beide Gruppen ein Stimmengewicht von 25 Prozent stellen.

mehr: http://www.deutschlandfunk.de/extremismus-hass-ist-gesellschaftsfaehig-geworden.694.de.mhtml?dram%3Aarticle_id=333862

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